Zahlreiche Ausstellungen zum I. Weltkrieg
Der vor 100 Jahren ausgebrochene Erste Weltkrieg ist heuer Thema zahlreicher Ausstellungen in ganz Österreich. Nicht weniger als 26 bereits laufende oder im Lauf des Jahres eröffnete Ausstellungen listen die "Salzburger Nachrichten" in ihrer Montag-Ausgabe auf; viele davon sind nicht allein wegen der Person des 2004 seliggesprochenen letzten Kaisers von Österreich, Karl I. (1916-1918), auch für ein religiös interessiertes Publikum höchst relevant und bieten etliche kirchlich-religiöse Bezüge.
Erst am vergangenen Freitag hatten die österreichischen Bischöfe in einer Erklärung zum Ersten Weltkrieg einbekannt: "Nationalistische Kräfte waren maßgeblich für die Entfesselung und Fortführung des Krieges verantwortlich, doch auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften waren massiv in die Ideologie des Krieges verstrickt."
In der am Samstag auf der Schallaburg eröffneten Ausstellung "Jubel & Elend. Leben mit dem Großen Krieg" ist ein eigener Schauraum ist dem Thema "Krieg, Glaube und Aberglaube" gewidmet. So habe der Krieg u.a. durch die ständige Befassung mit Tod und Leid bei vielen Menschen religiöse Sehnsüchte, aber auch okkulten Aberglauben ausgelöst. "Geistliche sind oftmals eine mentale Stütze, ob zu Hause oder im Feld. Viele gießen aber Öl ins Feuer, rufen zum Kampf gegen Ungläubige auf und predigen Hass auf den Gegner. Dabei ist der Gott, den Soldaten und Daheimgebliebene anrufen, oft auch jener des Feindes", heißt es in den entsprechenden Ausstellungstexten.
In Wien, wo sich heuer insgesamt gleich zehn Ausstellungen dem Thema widmen, werden seit Mitte März in der Schau "An Meine Völker! Der Erste Weltkrieg 1914-1918" im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek ebenfalls derlei Verflechtungen aufgezeigt: Zahllose Originaldokumente etwa mit Andachtstexten verschiedener katholischer Gruppierungen und Aufrufen zu Gebetsaktionen für den greisen Kaiser Franz Joseph I. veranschaulichen den Einsatz des christlichen Glaubens als Motivations- und Mobilisierungsinstrument.
Blick auf Kaiser Karl im Schloss Artstetten
Am Dienstag, 1. April, wird die Schau "Regieren & Verlieren: Kaiser Karl - Eine Herausforderung zum Frieden" eröffnet, die sich den letztlich gescheiterten Friedensbemühungen Karls widmet. Schauplatz ist Schloss Artstetten bei Pöchlarn in Niederösterreich, das dem Bruder Franz Josephs und dessen Nachkommen als Familiensitz und Sommerresidenz diente und zur letzten Ruhestätte des 1914 in Sarajewo ermordeten Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gemahlin Sophie wurde.
"Weltuntergang - Jüdisches Leben und Sterben im Ersten Weltkrieg": Dieses Thema beleuchtet eine am Mittwoch, 2. April, im Jüdischen Museum Wien (Palais Eskeles) eröffnete Schau.
Regionale Auswirkungen der weltweiten Gewaltentfesselung zeigen "Vom Leben mit dem Krieg - Oberösterreich im Ersten Weltkrieg" (seit 23. Jänner im Schlossmuseum Linz), "Land im Krieg - Zwischen Schützengraben und Heimatfront" (ab 4. April im Landesmuseum Burgenland in Eisenstadt), "Krieg, Trauma, Kunst. Salzburg und der Erste Weltkrieg 1914-1918" ab 8. Mai im Salzburg Museum sowie "Die Steiermark und der Große Krieg" ab 27. Juni im Universalmuseum Joanneum in Graz. Und in der damaligen Kärntner Frontgemeinde Kötschach-Mauthen (sie liegt an der Nordseite des Plöckenpasses, über den die Italiener nach ihrer Kriegserklärung 1915 in Österreich einmarschieren wollten) ist ab 10. Mai die Schau "1914 - Der Anfang vom Ende" zu sehen.