
Ostern rüttelt am Tabu des Todes
Caritas-Präsident Michael Landau hat zu einer verstärkten Begleitung von sterbenden Menschen aufgerufen. Das nahende Osterfest erinnere auch daran, "den Tod ins Leben zurückzuholen, ihn nicht ständig zu tabuisieren", so der Caritas-Präsident im Interview mit der "Kronenzeitung" (Montagausgabe). Er verwies auf die Erfahrungen des Mobilen Caritas Hospizes: 22.000 schwer und unheilbar kranke Menschen und ihren Familie habe die Caritas in den 25 Jahren seit Bestehen dieses Dienstes begleitet, berichtete Landau.
Er sehe den Tod als eine Hilfe, "das eigene Leben besser zu leben", betonte der Caritas-Präsident, erinnere der Tod doch "an die Kostbarkeit jedes Augenblicks" und stelle die Frage nach dem Wichtigen im Leben. Zu Ostern gehe es mit der Auferstehung jedoch auch um das "Wissen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat - und dass mit dem Sterben eines geliebten Menschen nicht alles zu Ende ist", so Landau über die Erfahrungen beim Tod der eigenen Mutter.
Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews war der eigene Glaubensweg des Caritas-Präsidenten. Seine Eltern - der Vater war Jude, die Mutter Katholikin - seien "sehr liberal" gewesen, weshalb er "kaum intensiv katholisch erzogen" worden und vom Religionsunterricht befreit gewesen sei, so Landau über seine Kindheit. In seiner Schulzeit habe er immer wieder pfarrlich engagierte Freunde in die Kirche begleitet, da ihn die "darin gelebte Ernsthaftigkeit" sehr angesprochen habe.
Die Entscheidung, Priester zu werden, fällte Landau erst mit 28 Jahren, nach Abschluss eines Biochemiestudiums. Es sei weder eine Reaktion auf eine enttäuschte Liebe gewesen - auch wenn ihn "die Frage nach einer möglichen Beziehung zu einer Frau durchaus beschäftigt" habe - noch sei seine Berufung ein einschneidendes Erlebnis gewesen: Vielmehr habe sich während des Studiums "nach und nach die Gewissheit entwickelt, dass das für mein Leben der richtige Schritt ist", so der Caritas-Präsident.
Wer sich ein dauerhaftes Leben einer Beziehung nicht vorstellen könne, "bei dem bin ich mir auch nicht sicher, ob der gute Voraussetzungen für den Priesterberuf hat", erklärte Landau. Er sähe persönlich in einer Abschaffung des Zölibats kein Problem, auch sei Gott seiner Ansicht nach "in vielen dieser Fragen viel entspannter als Teile seines Bodenpersonals." Nachsatz: "Aber: Ein Rosenkrieg im Pfarrheim ist auch nichts, was man einer Gemeinde wünschen würde."