
Moskauer Patriarch kritsiert Kiew
Kritik an der ukrainischen Regierung hat der Moskauer Patriarch Kyrill I. am Wochenende geübt. Anlass der Erklärung waren der Brand in Odessa und die Militäraktion in der Ostukraine. Schuld an den Dutzenden Toten hätten primär "diejenigen, die einen Krieg gegen ihre eigenen Staatsangehörigen führen", so Kyrill laut "Interfax" (Montag). "Die Verantwortung für diese Ereignisse liegt vor allem bei denen, die Gewalt anwenden, statt den Dialog zu führen."
"Wir sind besonders besorgt über die Verwendung von schwerem militärischen Gerät, um damit einen zivilen Konflikt zu beenden", heißt es in der Erklärung weiter. Der Grund für den Einsatz von Gewalt sei, wie so oft, auch diesmal eine politisch radikale Einstellung und die Verweigerung des Rechts, dass Bürger ihrer Überzeugung frei Ausdruck verleihen können, so das Kirchenoberhaupt in der Erklärung; "Interfax" bezieht sich dabei auf die Website der Russisch-Orthodoxen Kirche.
Patriarch Kyrill glaubt, dass es unmöglich ist, nur eine der politischen Positionen als einzig mögliche Antwort für die Probleme der modernen Ukraine zu betonen. Er sei davon überzeugt, dass Versuche, Gewalt anzuwenden, um eine bestimmte Sichtweise durchzusetzen, ein für alle Mal gestoppt werden müssten.
"Ich fordere alle Parteien auf, auf den Gebrauch von Waffen zu verzichten und alle Probleme durch Verhandlungen zu lösen. Die Ukraine braucht zumindest in der kurzfristigen Perspektive Waffenruhe, langfristig aber soliden Frieden", sagte der Patriarch. Kyrill glaubt, die Ukraine könne "nur heilen und ein gutes Leben für die Bürger bieten, wenn sie Heimat von Menschen unterschiedlicher politischer Überzeugungen ist, die sehr verschieden voneinander sein können". Es gebe keine Alternative zum Dialog.
Noch gebe es die Gelegenheit, "aufeinander zu hören und zu versuchen, die aktuellen Widersprüche aufzulösen", heißt es weiter: "Bestätigen wir unser Bekenntnis zu den christlichen geistlichen und moralischen Werten, die die Menschen der Ukraine geformt und mit Weisheit und Liebe für die Wahrheit bereichert haben", rief der Patriarch auf. Diese Werte sollten nun helfen, einen Weg zu finden, um Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen, denn "ohne diese ist eine menschenwürdige Zukunft des Landes undenkbar".
Er bete - so Kyrill abschließend - für die Seelen der Opfer des Blutvergießens, dass sie "in Frieden zu ruhen, und um eine baldige Genesung der Menschen, die verwundet wurden".