
Seligsprechung Pauls VI. bei Synode ?
Die Anzeichen für eine baldige Seligsprechung des Konzilspapstes Paul VI. (1963-1978) verdichten sich. Nach Informationen der Mailänder katholischen Tageszeitung "Avvenire" (Mittwoch) haben die Kardinäle und Bischöfe der vatikanischen Heiligsprechungskongregation am Dienstag die medizinisch unerklärliche Heilung eines Kindes im Mutterleib als Wunder anerkannt.
Für die Anberaumung einer Seligsprechungszeremonie fehlt nun nur noch die Unterschrift des Papstes. Dies ist in der Regel eine Formsache. Laut dem Bericht soll der Präfekt der Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato, Papst Franziskus das entsprechende Dekret in den kommenden Tagen vorlegen.
Als möglichen Termin für die Seligsprechung nennt "Avvenire" den 19. Oktober. Sie würde dann im Rahmen der Abschlusszeremonie der Weltbischofssynode über die Familienseelsorge in Rom stattfinden. Paul VI. hatte die Synode 1965 auf Anregung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) als ständige Einrichtung ins Leben gerufen.
Die Heilung des ungeborenen Kindes auf Fürsprache von Paul VI. ereignete sich laut dem Bericht 2001 in den USA. Ärzte hätten für das Kind starke Gehirnschäden und weitere schwere Beeinträchtigungen diagnostiziert. Eine Abtreibung habe die Mutter jedoch abgelehnt. Stattdessen habe sie sich an eine befreundete Ordensfrau gewandt, die Paul VI. persönlich begegnet sei. Auf ihre Empfehlung hin bat sie diesen Papst demnach im Gebet um seine Hilfe. Hierbei soll sie ein kleines Stoffstück von einem Gewand Pauls VI. verwendet haben.
Giovanni Battista Montini - als Papst Paul VI. - war der Nachfolger des jüngst heiliggesprochenen Johannes XXIII. (1958-1963). Er wurde 1897 in Brescia geboren und starb 1978 in Castel Gandolfo.
Der Montini-Papst - er war 1954 bis 1963 Erzbischof von Mailand - führte das Zweite Vatikanische Konzil fort und leitete die katholische Kirche in den schwierigen 1960er- und 1970er- Jahren, zur Zeit der Studentenproteste und der Sexuellen Revolution in der westlichen Welt. Er war der erste "Reisepapst" des 20. Jahrhunderts mit mehreren bedeutenden Auslandsbesuchen, etwa bei den Vereinten Nationen in New York, im Heiligen Land oder in Afrika. Er setzte die Liturgiereform nach dem Konzil ins Werk, die den katholischen Gottesdienst modernisierte und die Volkssprache in der Liturgie gestattete.