
Mutterschaft als "Armutsfaktor"
Immer mehr schwangere Frauen nehmen die "kostenlose, anonyme und ergebnisoffene" Beratung der "Aktion Leben" in Anspruch, und immer mehr von ihnen haben mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Das geht aus einer Aussendung der "Aktion Leben" am Donnerstag hervor. Vor allem in Wien litten Schwangere unter dem Mangel an leistbare Wohnungen, "und immer mehr Mütter haben zu wenig Geld, um ausreichend Nahrungsmittel zu kaufen". Generalsekretärin Martina Kronthaler ortet eine wachsende "Armutsgefahr durch Mutterschaft" und appellierte an die politisch Verantwortlichen, hier wirksam Abhilfe zu schaffen vor allem zugunsten von Betroffenen ohne Partner: "Prinzipiell muss die Politik dafür sorgen, dass alleinerziehende Mütter finanziell abgesichert werden. Ihre Situation ist ohnehin schwer genug."
Der überkonfessionelle karitative Verein verzeichnete 2013 in seinem Schwangerenberatungszentrum in Wien steigende Beratungszahlen in mehrfacher Hinsicht. Die persönlichen Erstberatungen hätten gegenüber 2012 um fast ein Viertel zugenommen. Insgesamt wurden im Vorjahr 1.885 persönliche Beratungsgespräche (2012: 1.746) mit 626 Frauen und ihren Familien (2012: 424 Frauen) geführt. Um fast die Hälfte (48,8 Prozent) seien die Beratungen im Schwangerschaftskonflikt gestiegen. "Die Geschichte jeder Frau, die ungewollt schwanger wurde und vor der Entscheidung steht: 'Kind ja oder nein', ist anders. Uns ist wichtig, alle Wege aufzuzeigen, denn nur mit allen verfügbaren Informationen kann eine eigenständige und tragfähige Entscheidung getroffen werden", betonte die "Aktion Leben"-Generalsekretärin.
Die stärkste ratsuchende Altersgruppe sind 18- bis 25-Jährige gefolgt von 26- bis 30-Jährigen. Den deutlichsten Zuwachs habe es jedoch bei Frauen über 35 Jahren gegeben. Laut Kronthaler eine Folge der Tendenz, dass Frauen immer später Mütter werden. "Auch in Zeiten, in denen viele Informationen über das Internet abrufbar sind, ist die persönliche Begleitung rund um Schwangerschaft und Geburt unerlässlich", so die "Aktion Leben"-Verantwortliche. Welche vorgeburtlichen Untersuchungen durchgeführt werden sollen, oder welches der fünf Karenzgeldmodelle optimal ist, könne am besten in einem persönlichen Gespräch mit einer kompetenten Beraterin herausgefunden werden.
"Kompetenzzentrum für alle Anliegen"
Mit der Beratungsstelle in der Diefenbachgasse 5/1 im 15. Wiener Gemeindebezirk verfüge die "Aktion Leben" über ein "Kompetenzzentrum für alle Anliegen rund um Schwangerschaft und Geburt". Fünf Beraterinnen - eine Psychologin und vier Diplom-Sozialarbeiterinnen - stehen von Montag bis Freitag (ausgenommen Mittwoch) für alle Anliegen zur Verfügung. Terminvereinbarungen sind jederzeit möglich (Tel.: 01/512 52 21), Schwangere in einer Konfliktsituation erhalten sofort einen Termin.
Die Schwangerenberatung der "Aktion Leben" wird vom Familienministerium gefördert, der Verein muss allerdings die Hälfte der Beratungsleistungen sowie alle konkreten finanziellen Hilfen und Sachzuwendungen aus privaten Spenden bestreiten. Die "Aktion Leben" bittet um Sach- und Geldspenden auf das Konto IBAN: AT91 3479 5000 0453 6777, BIC: RZOOAT2L795.