
"Ich bin gern katholisch"
"Wir haben gute Gründe dafür zu sagen: Ich bin gern katholisch." - Mit diesen Worten fasste der Grazer Bischof Egon Kapellari am Freitagabend den ersten "Tag der Regionen" im steirischen Leoben zusammen. Rund 200 Personen waren in das Comunicationcenter der Voest-Alpine in Leoben-Donawitz gekommen, um gemeinsam mit den Bischof und weiteren kirchlich Verantwortlichen ihre Sorgen und Wünsche an die Kirche ins Gespräch zu bringen.
Kirche sei ein Gefüge aus konzentrischen Kreisen, deren Kern nicht schwach werden dürfe, "um die Breite der Kirche als Großmacht der Barmherzigkeit zu ermöglichen", sagte Bischof Kapellari. Gerade Papst Franziskus rufe dazu auf, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Das sei freilich nur dann möglich, wenn man aus der Wurzel des Glaubens lebe, betonte Kapellari. Gemeinsam mit dem Bischof waren u.a. auch Generalvikar Heinrich Schnuderl und der diözesane Wirtschaftsdirektor Herbert Beiglböck nach Leoben gekommen.
Martin Reisetbauer, Vorstand der Voest-Alpine und Gastgeber des Regiotages, betonte die Gemeinsamkeiten des Unternehmens und der Kirche in dieser Region: "Letztlich müssen wir beide die Menschen hier überzeugen, immer wieder gerne zu uns zu kommen."
Aus unterschiedlichen Perspektiven nahmen Vertreter der Region in ihren Statements die Rolle der Kirche vor Ort wahr. Bezirkshauptfrau Gabriele Budimann betonte die gute Zusammenarbeit im Bereich Jugend und Caritas. Viele weitere Diskutanten wünschten sich vor allem ein verstärktes Zugehen der Kirche auf die Jugend.
Insgesamt wird es in der Steiermark neuen Regionentage geben, die im Rahmen des Prozesses "Diözesaner Weg" veranstaltet werden. Der Generalsekretär des "Diözesanen Weges", Thomas Bäckenberger stellte die Wegmarken und Ziele des Projekts vor, der 2012 begonnen wurde und 2018 zum 800 Jahr Jubiläum der Diözese führt. Die "Freude am Glauben zu erneuern", "die Seelsorge neu auszurichten" und "als Kirche die Gesellschaft mitgestalten" seien die erklärten Ziele, so Bäckenberger. Nach den Jahren des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, werde sich die Diözese auf eine 800 tägige Pilgerschaft durch die ganze Diözese begeben, um "nicht nur über Kirche am Weg zu reden, sondern auch diesen Weg zu gehen", so Bäckenberger. Am Ende soll ein Orientierungspapier für die Diözese stehen, das die Erfahrungen des Diözesanen Weges zusammenfassen soll.
Mit der zusätzlichen Aktion "Kirche hört zu" wolle das Regioteam Obersteiermark-Ost, welches die Regionen Mürztal, Bruck an der Mur und Leoben umfasst, vor Ort sehr konkret auf die Menschen zugehen und vor allem jene erreichen, die der Kirche nicht besonders nahe stehen. Dazu wurde 242 Stunden lang in 35 Pfarren der Region von 150 Interviewern am letzten Märzwochenende Gespräche zu Kirche in der Region geführt.
Die wichtigsten Ergebnisse: Am meisten gefallen den über 1.800 Befragten die Natur, die Gemeinschaft, die Solidarität und auch die Infrastruktur der Region. Der größte Wunsch für die Zukunft der Region besteht für die meisten in Arbeitsplätze in der Region. Sorgen bereitet den Bewohnern der Obersteiermark-Ost der demografische Wandel und soziale Fragen. Beim Thema Kirche wurde der Priestermangel zumeist genannt. Von der Kirche wünschen sich die Befragten vermehrt Begleitung von Kinder und Jugendlichen. Rund ein Drittel bewertet die Kirche vor Ort als "positiv".