
Mauthausen-Gedenkfeiern
Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben am Sonntagvormittag die 69. Gedenkfeiern zur Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen begonnen. Dem Gottesdienst standen der Linzer Altbischof Maximilian Aichern, der orthodoxe Bischofsvikar Erzpriester Ioannis Nikolitsis und die lutherische Oberkirchenrätin Hannelore Reiner vor, die auch die Predigt hielt. Die Gedenk- und Befreiungsfeiern in Mauthausen standen heuer unter dem thematischen Schwerpunkt "Wert des Lebens".
Reiner unterstrich in ihrer Predigt die Würde des Menschen, der nach christlichem Glauben in der Gottesebenbildlichkeit des Menschen gründe. Millionenfach sei diese Würde des Menschen in Vergangenheit und Gegenwart mit Füßen getreten worden. Reiner verwies u.a. auf die Flüchtlingstragödien im Mittelmeer: "Menschen, Familien, Kinder, die sich aufgerafft hatten mit letzter Hoffnung, dem Hungertod in Afrika oder dem Schrecken des Bürgerkriegs in Syrien zu entkommen durch die Überfahrt nach Europa in Schlauchbooten oder nicht meertauglichen Schiffen, und dann erst recht im Meer ertranken?"
Reiner weiter wörtlich: "Wo bleibt der Wert jener Mädchen, die zu Hunderten aus einer Schule in Nigeria verschleppt wurden - und das im Namen Allahs - und nun als Sklavinnen verkauft werden sollen - wo bleibt der Aufschrei aller Religionsgemeinschaften?"
Jeder einzelne sei gefordert, seine Stimme gegen Unrecht zu erheben. Reiner: "Hier sind wir aufgerufen für den unbedingten Schutz des Lebens einzutreten, gleich, ob es sich um unsere Nächsten oder um ferne Nächste handelt."
Auch in den kommenden Wahlen zum europäischen Parlament werde sich zeigen, ob der Wert des menschlichen Lebens noch entsprechend hoch gehalten werde, sagte die lutherische Oberkirchenrätin.
Im Anschluss an den Gottesdienst gab es ein gemeinsames Gedenken an den österreichischen Widerstandskämpfer Richard Bernaschek, der im KZ Mauthausen ermordet wurde, Kundgebungen bei den nationalen Denkmälern, ein internationales Jugendgedenken, die traditionelle Aufstellung der ehemaligen Häftlinge sowie einen Gedenkzug über den Appellplatz mit zahlreichen Gedenkreden.
Die Überlebenden des KZ-Mauthausen und der Nebenlager wurden Anfang Mai 1945 von US-Truppen befreit. Seit 1947 finden anlässlich des Jahrestages der Befreiung auf dem Gelände des ehemaligen KZ Mauthausen Kundgebungen statt, an denen Delegationen aus vielen europäischen Staaten teilnehmen. as MKÖ organisiert gemeinsam mit seiner Partnerorganisation Comité International de Mauthausen und weiteren Organisationen die gesamten Gedenkfeiern anlässlich der Wiederkehr der Befreiung des KZ-Mauthausen und seiner 49 Nebenlager. Diese Feiern werden in einer Vielzahl von Orten ehemaliger Nebenlager veranstaltet und finden ihren Höhepunkt in der Internationalen Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Jährlich nehmen daran zwischen 10.000 und 15.000 Menschen aus ganz Europa teil. Damit ist die Gedenkfeier in Mauthausen die größte europaweit.