
Zentralmatura: Stiftsgymnasium zieht Positivbilanz
Im Stiftsgymnasium St. Paul in Kärnten zieht man nach der bisherigen schriftlichen Zentralmatura eine positive Bilanz: "Wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht und in unserer Schule hat es auch keine Pannen gegeben", so Schuldirektor Pater Thomas Petutschnig am Mittwoch im Gespräch mit "Kathpress". Die teilweise heftige Kritik an der neuen Maturaform ist für den Direktor systemimmanent und nicht negativ zu beurteilen: "Das gehört zu jeder Neuerung dazu. Kritik, wenn sie offen und ehrlich und in Wertschätzung formuliert wird, ist für neue Projekte essenziell, um die Schwachstellen zu orten", betonte der Direktor. Die Ordensschule hatte als eine von nur zwei Schulen in ganz Österreich die gesamte Zentralmatura eingeführt.
Petutschnig ist der Deutschlehrer jener 28 Schüler, die ihre Matura nach dem neuen System geschrieben haben. Über die Deutsch-Matura könne er persönlich nur Positives sagen: "Sowohl der Schwierigkeitsgrad als auch die Themenauswahl waren vollkommen in Ordnung". Auch den Vorwurf, einer der Texte für die Deutschaufgabe stehe der NS-Ideologie nahe, könne er nicht nachvollziehen. "Man kann in jeden Text etwas hineinlesen, wenn man will. Ich habe in dem Text nichts Böses oder Anstößiges gefunden", so Petutschnig.
Lob gab es vom Direktor für die Mathematikaufgaben: "Grundsätzlich ist das gekommen, was wir erwartet haben. Die Aufgaben waren auch weder zu schwer noch zu einfach." Positiv bewertete Petutschnig auch die vorwissenschaftliche Arbeit, die die Schüler im Zuge der Zentralmatura schreiben mussten. Hier werde schon auf das wissenschaftliche Arbeiten während der Studienzeit vorbereitet.
Dass dem Bildungsforschungsinstitut (BIFIE) Pannen passiert seien, wolle er nicht in Abrede stellen, sagte Petutschnig. Nun gehe es aber darum, die gemachten Erfahrungen an das Ministerium weiterzugeben und Dinge nachzubessern, wie beispielsweise das Problem mit dem geänderten Notenschlüssel in Englisch oder fehlende Differenzierungen in Fremdsprachen. Dazu sei er in den letzten Monaten schon öfter im Ministerium gewesen.
Bei der mündlichen Matura, die für Mitte Juni geplant ist, gebe es vor allem logistische Probleme. Die Schüler werden pro Fach zwei aus 24 von den Lehrern der Schule erstellten Themengebieten ziehen. (Der Schüler muss sich für ein Themengebiet entscheiden und bekommt dazu eine vom Lehrer vorbereitete Frage gestellt.) Petutschnig: "Die Vorbereitung, das Ziehen der Themen und die Prüfung selber können nicht mehr in einem Raum stattfinden. Wir haben jetzt fünf Räume für die mündliche Matura reserviert. Das stellt uns vor ein gewisses logistisches Problem." Grundsätzlich sei die mündliche Zentralmatura aber positiv zu bewerten, da die Themenerstellung durch die schulinternen Lehrer passiere und so eine gewisse Eigenständigkeit und Individualität beibehalten werde.
Einen direkten Vergleich zur Matura im Vorjahr habe man noch nicht. "Die Zwischenkonferenz wird am Montag tagen. Erst danach werden die Noten feststehen", sagte der Direktor.
Quelle: kathpress