
"Kommt und seht": "Lange Nacht der Kirchen"
Mehr als 760 Kirchen in ganz Österreich öffnen am Freitag zur diesjährigen "Langen Nacht der Kirchen" ihre Türen. Von 18 Uhr bis nach Mitternacht stehen zwischen Arlberg und Neusiedler See 3.200 Veranstaltungen auf dem Programm, darunter Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Workshops, Lesungen und Konzerte. An der Kirchennacht, die in Wien bereits zum zehnten Mal stattfindet und parallel in Südtirol, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Estland durchgeführt wird, sind Pfarren aller 16 im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) vertretenen Konfessionen beteiligt.
Eröffnet wird die "Lange Nacht" um 17.50 Uhr mit einem österreichweiten Läuten der Kirchenglocken. Zu den Besuchermagneten dürften auch heuer wieder die Domkirchen in den Landeshauptstädten zählen, in denen etwa in Wien und Linz aufwendige Kunstinstallationen zu sehen sein werden. Im Salzburger Dom wird ein Lichterlabyrinth aufgebaut. Im ganzen Land sind sonst oft nur eingeschränkt zugängliche Kirchenkrypten und Kapellen für Besucher geöffnet. Sportliche können Kirchenkuppeln und Kirchtürme erkunden, eine Wiener Pfarre bietet sogar einen Kirchturmlauf an. Nicht nach oben, sondern nach unten geht es hingegen für jene Kirchenbesucher, die sich in der "Langen Nacht" im niederösterreichischen Maria Taferl vom Dach der Wallfahrtsbasilika abseilen.
Sportlich wird es auch bei einer Diskussion in Wien. Theologen und Fussballexperten beleuchten dabei das Thema "Rapid - (m)eine Religion". In der Wiener Franziskanerkirche steht die Zukunft Europas im Fokus einer Politiker-Debatte.
Groß geschrieben wird in der Kirchennacht Kultur. Auf die Besucher wartet ein vielfältiges Angebot an Konzerten und literarischen Veranstaltungen. Der Kärntner Bischof Alois Schwarz lädt in den Garten des Klagenfurter Bischofshauses ein, wo er Texte christlicher Autoren lesen wird. In Wien veranstaltet die Evangelische Hochschulgemeinde einen "Poetry Slam", einen "Dichterwettstreit", unter dem Motto "Am Anfang war das Wort".
Auch spirituelle Programmpunkte und besonders gestaltete Gebete sind Teil der "Langen Nacht der Kirchen", in der auch zahlreiche Klöster ihre Pforten öffnen und Besuchern Einblicke in das Ordensleben ermöglichen.
Schönborn: "Kommt und seht"
Im Vorjahr haben österreichweit rund 330.000 Menschen die Kirchennacht besucht. Der Abend sei Gelegenheit für eine Entdeckungsreise, um "über den Rand der eigenen Kirche und Konfession hinauszublicken und Kirchen und Menschen zu begegnen, die Ihnen bisher nicht so vertraut, vielleicht sogar etwas fremd waren", lädt der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, der methodistische Superintendent Lothar Pöll, im Pogrammheft zur Teilnahme ein.
"'Kommt und seht'", beschreibt ebendort Kardinal Christoph Schönborn den Grundgedanken der "Langen Nacht der Kirchen" mit einem Zitat aus der Bibel. Die Motive der Besucher reichten von Neugierde, über das Interesse an den kulturellen Leistungen der Kirchen bis zum tiefen Glauben, so der Wiener Erzbischof. "Aber eines ist allen gemeinsam: Es ist die Begegnung mit den Menschen, die aus ihrem Glauben heraus handeln und es ist die Begegnung mit Gott, auch wenn es oft nur eine Annäherung ist."
Zum Besuch des vielfältigen Programms bieten die Organisatoren in den einzelnen Bundesländern vermehrt organisierte Rundgänge an. Die Wiener Fremdenführer laden in der Kirchennacht zu Spaziergängen für Orgelliebhaber oder historisch Interessierte. In der Stadt Salzburg gibt es eigene Nachwanderungen und Fiakerfahrten sowie eine Kirchen-Rundfahrt mit einem historischen O-Bus. In Graz fährt eine Oldtimer-Straßenbahn von Gotteshaus zu Gotteshaus und vom Linzer Hauptplatz startet halbstündlich ein kleiner Zug, der gratis einen Teil der Kirchen ansteuert.