Kräutler: "Es gibt wichtigeres als die WM"
Einen Monat vor Beginn der Fußball-WM in Brasilien hat der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler eine Prioritätenänderung eingemahnt. Es gebe wichtigere Dinge als das Großereignis, betonte der Bischof im Gespräch mit der entwicklungspolitischen Aktion "Sei so frei" der Katholischen Männerbewegung (KMB). Er verwies auf die Situation jener 40.000 Indios, deren Häuser im Rahmen des Staudamm-Projektes Belo Monte im Amazonasgebiet in Kürze überflutet werden sollen. "Statt Fortschritt bringt Belo Monte Tod. Ich werde nie still sein, wenn es um Menschenrechte geht und bin überzeugt, dass eine andere Welt möglich ist", so der Bischof wörtlich.
Welche Folgen die Zwangsumsiedlung habe, machte Kräutler am Beispiel der Familie Oliveiras fest: Die fünfköpfige Familie lebt am Ufer des Xingu vom Fischfang. "Das bringt uns genug Geld ein. Mehr wollen wir gar nicht", zitierte die KMB Maria Oliveiras. Durch den Rückstau des Kraftwerks werde das Haus der Familie bald überflutet. Ob sie jemals eine Entschädigung für den Verlust ihres Hauses bekommen werde, sei unklar. "Sie haben nur einen Kaufvertrag und keinen Grundbucheintrag, der sie als Besitzer ausweist", erklärte Kräutler.
Die Situation in den betroffenen Gebieten sei das reinste Chaos. Die einzige Chance der Betroffenen bestehe darin, "sich in Einzelverhandlungen nicht über den Tisch ziehen zu lassen, sondern gemeinsam aufzutreten. Deshalb koordinieren wir Gruppen von Betroffenen und helfen den Menschen, zu ihren Rechten zu kommen", sagte Elisa Estronioli von der "Sei so frei"-Partnerorganisation "Bewegung der Staudammbetroffenen" (MBA).
Die Aktion "Sei so frei" unterstützt die Betroffenen: Im "Refugio", einem von Bischof Kräutler gegründeten Haus, finden Kranke vorübergehend ein Dach über dem Kopf, im Haus für Mutter und Kind können Schwangere und Mütter mit ihren Babys vor und nach der Geburt bleiben.
Weitere Informationen und eine Unterschriftenaktion pro Menschenrechte in Brasilien unter: www.seisofrei.at/belomonte.
Quelle: Kathpress