
EU-Bischöfe wollen mehr Hilfe für Migranten
Mehr Hilfe für Migranten fordert die EU-Bischofskommission COMECE. Die Staaten Europas sollten ihre Entwicklungshilfe erhöhen, damit die Menschen auch in ihren Heimatländern menschenwürdig leben könnten, sagte COMECE-Generalsekretär Patrick Daly im Interview der Münsteraner Kirchenzeitung "Kirche+Leben" (Donnerstag). Auf diese Weise würde auch die Zahl derer sinken, die sich auf den oft gefährlichen Fluchtweg nach Europa machen und dabei an Schlepper und Kriminelle geraten, so Daly.
Der irische Geistliche forderte zugleich eine menschlichere Behandlung der Neuankömmlinge in der EU. Das schließe auch ein, dass die Flüchtlinge "gerecht auf alle EU-Staaten verteilt werden und nicht nur auf jene Länder, in denen sie ankommen". Zudem müssten die dauerhaften Zuwanderer besser integriert werden. Dabei könnten auch die katholischen Pfarren helfen. Sie sollten offen sein und Migranten willkommen heißen.
Daly äußerte sich auch zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Die EU-Bischöfe wollten erreichen, dass bei den Verhandlungen ethische und soziale Fragen nicht vernachlässigt werden. So müsse etwa sichergestellt sein, "dass Sozialstandards und die verschiedenen Systeme der Wohlfahrtsstaaten nicht gefährdet werden". Außerdem wolle die Kirche den Blick der Verhandler darauf lenken, was außerhalb von EU und USA geschieht: "Welche Folgen hätte das Freihandelsabkommen für die anderen Wirtschaftsräume? Wie gehen wir mit Ländern um, die nicht Partner des Abkommens sind, zum Beispiel in Afrika und Lateinamerika?"
Der COMECE-Generalsekretär richtete den Blick auch auf den Wert menschlicher Arbeit. Junge Menschen in der EU müssten die Chance zu einer guten Ausbildung erhalten und "von ihrer Arbeit leben können". Es brauche also auskömmliche Löhne. "Junge Menschen sollen auch eine Familie gründen können, wie es sich nicht nur die katholische Kirche wünscht, sondern auch viele junge Menschen selbst", so Daly. Sie brauchten Planungssicherheit für ihr Leben. Gerade jüngere Arbeitnehmer erhielten aber oft nur befristete Verträge. Zudem werde von ihnen eine hohe Flexibilität und Mobilität verlangt, die eine Lebensplanung schwieriger machen.
Der Generalsekretär äußerte sich aus Anlass der Europawahlen am Sonntag. In der EU-Bischofskommission COMECE sind Vertreter der Bischofskonferenzen aller 28 EU-Staaten zusammengeschlossen. Ihr Vorsitzender ist der Münchner Kardinal Reinhard Marx.
Quelle: Kathpress