
"Familienideal immer schwerer lebbar"
"Die Familie ist unter Druck, und es wird zunehmend schwieriger, dieses Ideal zu leben". Darauf wies Clemens Sedmak, Theologe und Philosophieprofessor am King's College London und Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg, in einem Interview mit der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag" (Ausgabe 25. Mai) hin. Die Idee eines christlichen Familienbildes als sich behütende Kernfamilie verliere zunehmend an Plausibilität. Weniger auf einer emotionalen Ebene, "denn die Jugendlichen sehnen sich nach wie vor danach", so der Theologe. Von der Lebbarkeit dieses Modells "sind wir aber weit weg". Diese Veränderungen im Familienbild und die zunehmende Formenvielfalt müsse auch die Kirche anerkennen.
Dass die heute schwer umsetzbare Idee des traditionellen christlichen Familienbildes allmählich verschwindet, glaubt der Theologe nicht. Die Familie werde es "in irgendeiner Form" immer geben. "Es stellt sich aber weniger die Frage, was dann bleibt, sondern was kommt." Die Kirche sollte in ihren Dokumenten mit der faktischen Pluralität des Familienbildes "etwas flexibler werden", riet der Theologe. "Da muss sich auch in der kirchlichen Sprache vieles ändern."
Klar ersichtlich werde das am Beispiel der geschiedenen Wiederverheirateten. "Diejenigen, die zu den Sakramenten nicht zugelassen werden und darunter leiden, sind ja jene, denen die Sakramente noch etwas bedeuten", argumentierte Sedmak. Hier lasse die Kirche viele "zutiefst gläubige Menschen links liegen" und verursache Wunden.
Aber auch die Politik müsse fördernde Rahmenbedingungen für die Familie, die Sedmak als Keimzelle und Fundament der Gesellschaft beschreibt, schaffen. "Zur Rettung der Familie gibt es keine Alternative!"
In der Frage der Gleichstellung von gemischt- und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften müsse die Kirche eine "starke Position" beziehen und die "richtige Sprache" finden. Es sei legitim zu sagen: "Wir sind dagegen!". Dafür gebe es durchaus gute Gründe. Aber, so Sedmak, trotzdem müssten die Kirche und ihre Vertreter "immer vor Augen haben, dass es nicht um die Position an sich geht, sondern um Menschen". Auch solche, die aus guten theologischen Gründen vom Ehesakrament ausgeschlossen werden, bräuchten die Gewissheit, "dass sie auch im christlichen Sinn vollwertig sind", so der Theologe. Er sei jedoch pessimistisch, dass der Kirche dieser Spagat gelingt.
Quelle: kathpress