
Europa soll zu seinen christlichen Wurzeln stehen
Europa hat starke christliche Wurzel und wäre gut beraten, dieses Faktum auch anzuerkennen. Diesen Befund teilten Politiker verschiedener Parlamentsparteien bei einer Diskussion mit dem Titel "Europa, quo vadis" am Freitagabend in der Franziskanerkirche, wo sich die Diskutanten auch mehrheitlich für eine Erwähnung von "Gott" in einer EU-Verfassung aussprachen. Übereinstimmung unter den Parteienvertretern herrschte bei der Veranstaltung im Rahmen der "Langen Nacht der Kirchen" über den Stellenwert der Religionsfreiheit und des nötigen Dialogs zwischen Staat bzw. EU mit den Kirchen und Religionen. Initiator des Polit-Talks war der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka, der an der von Christoph Riedl-Daser (ORF) moderierten Diskussion mit Gernot Blümel (ÖVP), Stefan Wallner (Grüne), Marcus Franz (Team Stronach) und Feri Thierry (Neos) teilnahm. Europa täte tut daran, sich mehr mit Religion auseinanderzusetzen und seine christlichen Wurzeln anzuerkennen. Das gab der der ÖVP-Generalsekretär am Beginn der Diskussion zu bedenken und sagte: "In jeder Ortschaft in Europa findet sich das christliche Kreuz". Ähnlich der Geschäftsführer vom Team Stronach, der aber der Kirche vorwarf, sie fürchte sich in dieser Sache davor, "Farbe zu bekennen". Nuancierter der Bundesgeschäftsführer der Neos, für den die historische Bedeutung und Leistungen des Christentum in Europa "unbestritten" sind. Nichtsdestotrotz brauche es in Europa eine gemeinsame Wertebasis, die für alle gesellschaftlichen Gruppen akzeptabel und offen sei. Ähnlich auch der Grüne Bundesgeschäftsführer und ehemalige Caritas-Generalsekretär, der dafür den Dialog unter den Religionen und mit Nichtglaubenden anmahnte. Zugespitzt auf die Frage, ob Gott in einer EU-Verfassung verankert werden solle, votierten Blümel und Franz mit einem klaren Ja. Ebenso Schipka, jedoch mit der Einschränkung, dass Gott dadurch nicht instrumentalisiert werde dürfe. Zurückhaltender reagierte Thierry, der sich nur für eine Anerkennung der historischen Bedeutung des Christentum aussprach. Skeptisch zeigte sich Wallner, der sich dafür aussprach, dass "Werte und ihre Quellen in die Verfassung gehören". Religionsfreiheit ist hohes und zugleich bedrohtes Gut Als mindestens genau so wichtig bewerteten die Diskutanten den Stellenwert des Rechts auf Religionsfreiheit. Für Thierry ein "hohes Gut", das es durch die Politik zu verteidigen gilt. Eine Aussagen, die der ÖVP-Vertreter für eine kritische Anfrage hinsichtlich der Diskussion um die Satire-Religion "Pastafari" nützte: Die von Neos-Politiker Niko Alm unterstütze Anerkennung dieser Gruppe als religiöse Bekenntnisgemeinschaft sei "kein konstruktiver Beitrag", so Blümel an die Adresse von Thierry. Dieser zeigte Verständnis dafür, dass sich dadurch religiöse Menschen verletzt fühlen könnten, dennoch sei es berechtigt, über die konkrete Ausformung der Trennung von Kirche und Staat zu diskutieren. Dies sei die eigentliche Intention von Parteikollegen Alm gewesen, wenngleich er - Thierry - im Großen und Ganzen mit dem Staat-Kirche-Verhältnis in Österreich einverstanden sei. Demgegenüber sei der französische Laizismus abzulehnen, weil "überzogen". Unbehagen im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit ortete Markus Franz im Blick auf Muslime, die im Gegensatz zu Christen sehr selbstbewusst auftreten würden. Man dürfe sich nicht "aus Angst vor der politischen Korrektheit" vor Diskussionen wie beispielsweise über ein "christliche Leitkultur" in Europa scheuen. Dagegen wandet der Generalsekretär der Bischofskonferenz ein, dass "Gefahr für die Religionsfreiheit weniger von Muslimen droht, sondern von Menschen, die keiner Religion angehören", wie sich das etwa auch in der Frage nach dem Kreuz im öffentlichen Raum zeige. Positiv werteten die anwesenden Parteienvertreter Beiträge der Kirche für den politischen Diskurs wie etwa den Besuch von Papst Franziskus auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa. Die Kirche müsse die Politik gerade bei den unangenehmen Themen immer wieder "herausfordern" unterstrich Wallner, und verwies auf den kirchlichen Einsatz im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. "Hier muss Kirche am Thema dran bleiben", auch und gerade wegen der eben beschlossenen Kürzungen im EZA-Bereich. Wie kirchliches Engagement im politischen Bereich konkret und erfolgreich sein könne, machte der Generalsekretär der Bischofskonferenz mit Vereis auf die EU-weite Bürgerinitiative "One of us" deutlich. Neben solchen Initiativen brauche es aber einen institutionalisierten Dialog zwischen EU und Religionen, der zwar als Recht besteht, aber noch "ausbaufähig" ist. Dabei sollte die Politik die Kirche weniger als Interessensvertreter, sondern vielmehr als Partner für das Gemeinwohl wahrnehmen, so Schipka. Dem pflichtete ÖVP-Mann Blümel bei, wünschte sich aber von der Kirche weniger Äquidistanz und mehr Bereitschaft, öffentlich deutlich Position zu beziehen.
Quelle: kathpress