
60.000 Firmungen rund um Pfingsten
Rund um Pfingsten werden auch heuer wieder österreichweit etwa 60.000 Jugendliche gefirmt. Als eigenständiges Sakrament gibt es die Firmung seit dem Konzil von Florenz im 15. Jahrhundert. Die enge Verbindung mit Pfingsten rührt aus der Bedeutung des Sakramentes selber her. "Wie einst zu Pfingsten wird in diesem Sakrament der Heilige Geist in Fülle mitgeteilt", so der Wiener Liturgiewissenschaftler Hans-Jürgen Feulner im "Kathpress-Gespräch". Praktisch gesehen ergebe sich daraus eine Stärkung des Firmlings für dessen Glaubensleben. Salopp formuliert könnte man sagen, "die Firmung macht den Jugendlichen zu einem mündigen, erwachsenen Christen und fordert ihn heraus, Christus im eigenen Leben zu integrieren und das Leben der Kirche aktiv mitzugestalten", so Feulner.
Ihre biblischen Wurzeln haben sowohl die Firmung als auch Pfingsten in der Apostelgeschichte, die von der "Herabrufung" des Heiligen Geistes auf die Apostel an Pfingsten berichtet. Die entscheidenden Verse für die Firmung finden sich im zweiten und achten Kapitel der Apostelgeschichte, die von der "Taufe und dem Empfang des Heiligen Geistes durch Auflegung der Hände zur Vollendung der Taufgnade sprechen", so der Theologe.
Im offiziellen Dokumnent des Vatikans zur Firmung, dem Dekret der Gottesdienstkongregation vom 22. August 1971 zur Veröffentlichung des nachkonziliaren Firmritus, heißt es: "Die besondere Gabe des Heiligen Geistes, die Christus, der Herr, verheißen und am Pfingstfest den Aposteln mitgeteilt hatte, wurde von diesen und den Bischöfen als ihren Nachfolgern den Getauften durch das Sakrament der Firmung weitergegeben. Dieses Sakrament führt die Eingliederung in das christliche Leben zur Vollendung, so dass die Gläubigen, gestärkt durch die Kraft von oben, zu freimütigen Bekennern Christi in Wort und Tat werden und zu einer engeren Verbindung mit der Kirche gelangen."
| Stichwort: Pfingsten |
| 50 Tage nach Ostern, dem Fest der Auferstehung Jesu Christi, und 10 Tage nach Christi Himmelfahrt begeht die Kirche das Pfingstfest. Dieses stellt den Abschluss der mit Ostersonntag beginnenden Osterzeit dar. Mit Pfingsten gedenkt die Kirche der Sendung des Heiligen Geistes, die zugleich den "Geburtstag" der Kirche darstellt, denn diese Sendung wurde als Auftrag an die Jünger verstanden, die Frohe Botschaft zu verkünden und in die Welt zu tragen. Eng verbunden mit dem Pfingstfest ist das Sakrament der Firmung. Der Wiener Sakramententheologe Hans-Jürgen Feulner erklärt im "Kathpress"-Gespräch den Zusammenhang: "Wie einst zu Pfingsten wird in diesem Sakrament der Heilige Geist in Fülle mitgeteilt." Österreichweit werden dieses Jahr rund um Pfingsten etwa 60.000 Firmungen gespendet. Alleine in der Erzdiözese Wien werden über 40 Priester neben Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn rund 8.500 Jugendliche firmen. Auf den Zusammenhang von Heiligem Geist und der Bewältigung von Relativismus und Fundamentalismus geht der Wiener Dogmatiker Jozef Niewiadomski ein. Der Glaube an den Heiligen Geist biete einen Ausweg daraus, "da er uns das christlich-theologische Fundament sowohl für die eigene Glaubensüberzeugung als auch für die Wertschätzung des Pluralismus von Religionen, Kulturen und auch Lebensstilen bietet." Die Wurzeln des Pfingstfestes reichen bis in die Traditionen des Judentums zurück. Dort wurde es zunächst als eines der drei Hauptfeste des Jahres - das "Fest der ungesäuerten Brote", das "Fest der Ernte" und das "Fest der Lese" - begangen, wie es das Buch Exodus (Ex 23,14-17) berichtet: Zunächst als Fest der Darbringung der Erstlingsfrüchte im Tempel gefeiert, trat immer stärker die Erinnerung an das Exodusgeschehen, den Auszug aus Ägypten, in den Vordergrund. Die zeitliche Verortung genau 50 Tage nach dem Passah-Fest geht auf eine späte Entwicklung, vermutlich aus dem 1. Jh. v. Chr., zurück. Darauf bezieht sich auch der Name des Festes: "Pfingsten" kommt vom griechischen Wort "pentekoste" (der fünfzigste). Die christlichen Wurzeln des Festes liegen in der Apostelgeschichte, wo erzählt wird, dass der Geist Gottes auf die nach dem Tod Jesu zum Wochenfest nach Jerusalem zurückgekehrten Jünger herabkam: "Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder." (Apg 2,2-3) Der Geist befähigte die Jünger, wie es in Apg 2,4 heißt, "in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab." Die Erzählelemente, die der Autor der Apostelgeschichte, Lukas, verwendet, verweisen unmittelbar auf die alttestamentlichen Ereignisse am Sinai. Dadurch wird die enge Verbindung zu den jüdischen Wurzeln deutlich, wie auch durch den Konnex zwischen dem pfingstlichen Sprachwunder und der Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel im Alten Testament (Gen 11,1-9). Dargestellt wird das Pfingstwunder der Sendung des Heiligen Geistes zumeist in Form einer Taube, die auf die Menschen herabkommt. In ländlichen Gebieten wird das Pfingstfest zugleich auch als Frühlingsfest begangen, bei dem Häuser geweißt und Birkenzweige an Türen und Fenstern angebracht werden. |
Gespendet werde die Firmung durch die Salbung mit Chrisam auf der Stirn unter Auflegen der Hand und durch die Worte: "Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist". Ähnlich wie Taufe und Weihesakrament ist auch die Firmung nicht wiederholbar, denn "das Sakrament prägt der Seele ein unauslöschliches Siegel, das Zeichen des Herrn, ein", so Feulner. Gemeinsam mit der Taufe und der Erstkommunion zählt sie zu den drei Initiationssakramenten der Katholischen Kirche.
Knapp 400 Firmungen in Wien
Alleine in Wien werden heuer rund um Pfingsten knapp 400 Firmungen in den rund 660 Pfarren der Erzdiözese abgehalten. Neben Kardinal Schönborn als Hauptspender sind von ihm über 40 weitere Priester dazu beauftragt, in seinem Namen Firmungen durchzuführen. Rund 8.500 Jugendliche werden das Sakrament erhalten, so Renate Shebaro vom Wiener Pastoralamt im Gespräch mit "Kathpress". Das Firmalter liegt in Wien laut Diözesanrecht bei 14 Jahren, kann von Pfarren aber auch höher angesetzt werden.
Die Vorbereitung auf das Sakrament werde von Pfarre zu Pfarre verschieden gestaltet, dauere aber meistens ein Jahr lang. Inhaltlich habe sich die Vorbereitung in den letzten zehn Jahren stark geändert. "Wir können nicht mehr voraussetzen, dass die Jugendlichen wissen, was es heißt, Christ zu sein", so Shebaro. Wichtig sei, die Firmkandidaten dort abzuholen, wo sie stehen und ihre Anliegen und Fragen ernst zu nehmen. Im Mittelpunkt stünden aber auch heute noch die Grundwerte des kirchlichen Lebens und die Sicht auf die Weltkirche. Die Firmung sei außerdem die bewusste Entscheidung der Annahme dessen, was in der Taufe bereits geschenkt wurde, nämlich die Kindschaft Gottes.
Weitere Meldungen und Hintergründe in Kürze im Kathpress-Themenpaket unter www.kathpress.at/Pfingsten.
Quelle: kathpress