
Zugang zur Medizin auch für Randgruppen
Österreichs Ordensspitäler bemühen sich, im Gesundheitsbereich Wegbereiter zu sein und positive Entwicklungen voranzutreiben. Das hat Peter Ausweger, Geschäftsführer der Oberösterreichischen Ordensspitäler Koordinations GmbH, gegenüber der Kirchenzeitung der Diözese Linz erklärt. Oberösterreichs Ordensspitäler seien etwa in der Palliativversorgung und beim Zugang von behinderten Menschen vorangeganten und seien bestrebt, damit auch in die Breite des Gesundheitssystems zu wirken, so der Leiter des Zusammenschlusses der Krankenhäuser der katholischen Orden in Oberösterreich.
Die Ordensspitäler hätten nicht nur einen fachlich hohen Anspruch, "wir schauen nicht nur auf die medizinische Seite". Bei aller fachlichen Kompetenz sei die soziale und ethische Herangehensweise besonders wichtig. Von der Ordensspiritualität her müssten die Ordensspitäler auch für Benachteiligte und Randgruppen einen Zugang zur Medizin schaffen oder offen halten. "Das ist unser Gründungsauftrag. Der ist noch lange nicht verwirklicht", so Ausweger.
| Auszeichnungen und Gütesiegel |
| Dass die heimischen Ordenskrankenhäuser in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle spielen, wird immer wieder auch durch neue Investitionen und Auszeichnungen deutlich: Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz wurde beispielsweise dieser Tage vom Dachverband der Selbsthilfegruppen Oberösterreich mit dem Gütesiegel "Selbsthilfefreundliches Krankenhaus" ausgezeichnet. Der Grund: Das Krankenhaus hat eine Selbsthilfekontaktstelle eingerichtet, mit deren Hilfe die Vernetzung der Selbsthilfegruppen mit Ärzten, Pflegern oder Psychologen im Krankenhaus verbessert werden soll. Vertreter von Selbsthilfegruppen seien Fachleute in eigener Sache. Als Betroffene oder Angehörige würden sie beide Seiten kennen - Krankenhaus und Privatumfeld, professionelle Spitalsbetreuung und familiäre Pflege, High-Tech-Medizin und psychosoziale Nachsorge. "Was liegt also näher, als diese besonderen Experten gezielt einzubinden und so für beide Seiten Nutzen zu stiften", hielt das Krankenhaus in einer Aussendung fest. Im Kinderzentrum am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern wurde die Intensiv-Überwachungseinheit von bisher vier Monitorbetten um zwei weitere Plätze auf nunmehr sechs aufgestockt. Damit sei nun auch eine optimale Intensivüberwachung nach schweren Operationen direkt auf der Kinderstation möglich, hieß es in einer weiteren Aussendung. Ein Grund für den Ausbau sei auch die mit rund 1.800 jährlichen Geburten hohe Frequenz im unmittelbar angrenzenden Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, mit dem eine enge Kooperation besteht. Frühgeborene ab der 32. Schwangerschaftswoche sowie kranke Neugeborene werden schon seit 2006 von der Geburtenstation der Barmherzigen Brüder zur weiteren Betreuung in der Überwachungsabteilung der Barmherzigen Schwestern übernommen. UN-Zertifikat Das Ordenskrankenhaus Göttlicher Heiland in Wien wurde vor wenigen Tagen von Experten der WHO und der UNICEF überprüft und als stillfreundliche Geburtsklinik rezertifiziert. Die unabhängigen Experten seien wieder zu dem Urteil, dass im Krankenhaus Stillen "einen hohen Stellenwert genießt und besonders gefördert wird", teilte das Spital mit. Bereits seit sieben Jahren ist die Geburtshilfe des Krankenhauses Göttlicher Heiland in Wien-Dornbach als stillfreundliches Krankenhaus der WHO und der UNICEF zertifiziert. Insgesamt tragen in Wien nur drei Krankenhäuser diese Auszeichnung, österreichweit sind es 13. |
Für jedes ethische Problem im Krankenhaus gebe es für die Mitarbeiter eine Plattform, in der alle Fragen angesprochen und diskutiert werden. Ausweger: "Mitarbeiter dürfen in ethischen Fragen bei uns keine Angst haben, sondern müssen sich unterstützt fühlen. Bei den Barmherzigen Brüdern wurde dazu ein eigener Ethik-Codex entwickelt."
Besonders dringlich seien Entscheidungen um das Lebensende: "Wie kann man hier Wege finden, die für alle Beteiligten lebbar und tragbar sind?" Dazu gebe es bei den Barmherzigen Brüdern Ethik-Konsilien, wo schwierige Fälle besprochen und Handlungsempfehlungen für Ärzte, Patienten und Angehörige gegeben werden. Jeder betroffene Mitarbeiter könne ein solches Konsilium einberufen. Bei den Barmherzigen Brüdern in Linz geschehe das ungefähr zehn bis 15 Mal im Jahr, berichtete Ausweger.
Zugleich dürften sich Ordensspitäler bei allen Fragen der wissenschaftlichen Diskussion und dem Fortschritt nicht verschließen. Ausweger: "Zum Beispiel im Bereich der 'Pille danach' darf man nichts vereinfachen. Wir stehen als Ordensspital wie jedes andere Krankenhaus und die ganze Gesellschaft mitten in diesen schwierigen Lebensfragen, wir ziehen uns aber nicht zurück, sondern stellen uns den Herausforderungen. Wir sind uns bewusst: Wer arbeitet, macht sich auch schmutzig."
Als aktuelle Herausforderungen für ein Ordenskrankenhaus nannte Ausweger zuerst ökonomische Sparzwänge: "Das betrifft aber jedes Spital. Wir können nicht alles leisten, was von uns Spitälern gefordert wird. Wir können das Sozialsystem nicht ersetzen. Immer dann, wenn man für kranke Menschen keine Lösung findet, sollen die Spitäler einspringen - bei Langzeitpatienten zum Beispiel." Die Mitarbeiter der Abteilungen würden an und über ihre Leistungsgrenzen gehen, damit es zu keiner Einschränkung oder Zwei-Klassen-Medizin kommen müsse.
Die künftige Herausforderung für die Spitäler bestehe weiters im Zusammenwirken der niedergelassenen praktischen Ärzte sowie dem Spitals- und dem Sozialbereich. "Es steht an, dass hier verschiedene Akteure zusammenfinden und dass wir aus dem bestehenden System für die Patienten einen Mehrwert schaffen."
Zur Frage, welchen Platz die Ordensspitäler im Gefüge der gesamten Kirche einnehmen, meinte Ausweger: "Wir sind Teil der Kirche, wir schätzen aber auch unsere Autonomie." Im Bereich der Pastoral gebe es ein gutes Zusammenwirken zwischen der Diözese Linz und den oberösterreichischen Krankenhäusern. Im Spitalsalltag seien die Ordenskrankenhäuser eine Schnittstelle, "wo Kirche für die Menschen positiv erfahrbar wird". Gerade rund um den Tod höre man von Betroffenen und Angehörigen die Aussage: "Gut, dass es euch Ordensspitäler gibt."
Quelle: kathpress