
Sommertagungen: Erholung und geistige Anregung
Sommer heißt für viele kirchliche Organisationen immer auch Bildung und geistige Anregung: Zahlreiche Sommertagungen verschiedenster Veranstalter ermöglichen in der Ferienzeit die Kombination von Erholung, Horizonterweiterung und auch gelebter Spiritualität. Das Themenspektrum reicht dabei von der kritischen Auseinandersetzung mit "Gewalt im Namen Gottes" über die Ausleuchtung des Verhältnisses von Sprache und Identität bzw. von Aspekten der menschlichen Kreativität bis hin zum Wandern mit der Bibel im Gepäck. Anmeldungen sind in vielen Fällen noch möglich. Im Folgenden eine Übersicht über die wichtigsten Angebote mit Links zu den Veranstaltern:
Für den Auftakt zum sommerlichen Reigen sorgt von 29. Juni bis 12. Juli die "International Summer School Seggau". Bei der neunten Auflage dieser Begegnung zwischen Kirche und Wissenschaft werden wieder rund 100 Studierende aus ganz Europa im diözesanen Bildungshaus Schloss Seggau in der Südsteiermark erwartet. Thema ist heuer "Transformation and Change: Europe and Beyond"; angesichts der Tatsache, dass "die einzige Konstante der heutigen Welt der Wandel" ist, werden in Vorlesungen und vertiefenden Seminaren politische, soziale, kulturelle und religiöse Umwälzungen in Europa beleuchtet. (http://international.uni-graz.at)
"Gewalt im Namen Gottes" lautet das Thema der Ökumenischen Sommerakademie vom 9. bis 11. Juli im Stift Kremsmünster. Im Mittelpunkt steht die Verantwortung der Religionen - vornehmlich Christentum und Islam - für Krieg und Frieden. Für inhaltliche Reibeflächen sorgt u.a. der deutsche Philosoph und Religionskritiker Herbert Schnädelbach, der die Religionen als "Quelle von Terror" für eine "verheerende kulturelle Gesamtbilanz" verantwortlich macht. Dem widerspricht der Berliner Theologe Rolf Schieder, der das von den Religionen ausgehende Friedenspotenzial herausarbeitet. Konkrete Beispiele dafür wird der Generalsekretär der Gemeinschaft Sant'Egidio aus Rom, Cesare Zucconi, geben. Veranstalter sind u.a. der Ökumenische Rat der Kirchen, der ORF und die Katholisch-Theologische Privatuniversität (KTU) Linz. (www.ktu-linz.ac.at)
Eine Sommerakademie veranstaltet auch die Katholische Männerbewegung Österreichs: Vom 9. bis 12. Juli wird Interessierten im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten ein "Urlaub mit Inhalt" geboten, Motto diesmal: "Und sie beweg(t)en sich doch - wohin?" In dreiviertelstündigen Vorträgen mit anschließender Diskussion geht es um Trends in Gesellschaft und Kirche sowie um Freiheit und Solidarität in Österreich. Vortragende sind u.a. der Salzburger Theologe Hans-Joachim Sander, der Linzer Sozialethiker Markus Schlagnitweit, der Wiener Medizinethiker Matthias Beck und der Grazer Sozialethiker Leopold Neuhold. (www.kmb.or.at)
Akademikertagungen in Vorau und Tainach
Die Oststeiermark ist Schauplatz der traditionellen Bibeltagung des Katholischen Akademikerverbandes (KAV): Von 13. bis 18. Juli steht im Bildungshaus Stift Vorau eine Woche lang ein Geschwistertrio aus dem Pentateuch im Mittelpunkt: Mose, Miriam und Aaron stünden für drei unterschiedliche Zugänge zu Gott, Welt und Mitmenschen, heißt es in der Ausschreibung. In deren Zusammenspiel werde "biblisches Welt- und Gottesbild anschaulich in seiner Differenziertheit, aber auch Einheit in der Vielfalt". Referent ist der katholische Theologe und Judaist Gerhard Langer, das veranstaltende "Team Vorau" kooperiert auch mit den Theologischen Kursen und dem Institut für Judaistik der Uni Wien. (www.bibeltagung.at)
Der KAV ist auch Veranstalter einer zweiten Tagung: Unter der Titelfrage "Daham is Daham?" geht es von 20. bis 25. Juli im Kärntner Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje um Sprache, Identität und Beheimatung. Wo immer Menschen Sprachgrenzen erfahren, würden Ängste auftreten, heißt es in der Einladung: "Dort aber, wo Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Vielfalt wächst, wirkt sich das positiv auf nationale und europäische Beheimatung aus." Referenten sind der Klagenfurter Sozialpsychologe Klaus Ottomeyer, der Grazer Rechtswissenschaftler Jürgen Pirker und der Salzburger Klassische Philologe Oswald Panagl. Im Fokus stehen Herausforderungen der Mehrsprachigkeit in Kärnten und darüber hinaus in ganz Europa. (www.kavoe.at)
Um das Verhältnis von Glaube und Gewalt geht es wie schon bei der Sommerakademie in Kremsmünster auch bei der diesjährigen "Fachtagung Weltkirche" der Missionsorden und katholischen Entwicklungsorganisationen. Besonders im Fokus ist dabei unter dem Titel "Jugend will leben" die junge Generation. Am 25. und 26. Juli nehmen die im Stift Lambach versammelten Fachleute besonders die Geschehnisse rund um die Fußball-WM in den Blick. Die Nationalsekretärin der Katholischen Jugend Brasiliens für die Jugendpastoral, Hildete Emanuele Nogueira de Souza, ist eine von drei Hauptreferenten, die verschiedenste Ansätze der Kirche darlegen, um auf Jugendliche in einer gewalttätigen Umgebung zuzugehen. Bis heute seien in Brasilien Jugendliche, besonders jene mit afrikanischen Vorfahren, von Gewalt bedroht und litten an den Auswirkungen der Sklaverei, heißt es in der Ausschreibung. Außer Souza spricht in Lambach Salesianerpater Jerry Thomas über die Situation in Nordost-Indien; Erfahrungen aus dem südafrikanischen Lesotho schildert die Ordensschwester Consuelo Aguirre Martinez. (www.fachtagung-weltkirche.at)
Im Vorjahr erstmals angeboten und heuer wieder ausgeschrieben wurde die "Bibelweg"-Woche, in der man sich von 5. bis 9. August Bibeltexten pilgernd annähern kann. Im Mittelpunkt steht dabei einer, der sich selbst auf Wanderschaft hin zur Gottnähe begab: Abraham, Stammvater der Juden Christen unf Muslime. Der Wiener Bischofsvikar für das Vikariat Nord, Weihbischof Stephan Turnovszky, betont zu den Wanderungen rund um das Bildungshaus Großrußbach (NÖ): "Sich neu auf das Wort Gottes zu besinnen, es zu bedenken und im eigenen Leben umzusetzen, bedeutet auch Christus selbst immer besser kennen zu lernen." (www.pilgerweg.cc)
Zwei Großtagungen in Salzburg
Salzburg ist im Sommer wieder Schauplatz zweier hochkarätiger Bildungsveranstaltungen: Das Thema "Die Dynamik der Kreativität" bildet den Schwerpunkt der diesjährigen 63. "Internationalen Pädagogischen Werktagung" von 7. bis 11. Juli in der Großen Aula der Uni Salzburg. Den Eröffnungsvortrag hält mit Markus Hengstschläger einer der führenden Genetiker, der sich zuletzt auch immer wieder zu Bildungsfragen geäußert hat. Sein Thema: "Individualität als Erfolgsmotor". An den Folgetagen kommen Fachleute aus Österreich und Deutschland zu Wort, behandelt werden Teilaspekte wie "Visionen einer neuen Schule", "Schatzsuche bei Kindern und Künstlern" oder therapeutische Aspekte der Kreativität. Die Pädagogischen Werktagung gilt als eine der wichtigsten pädagogischen Tagungen im deutschsprachigen Raum mit jährlich ca. 800 Teilnehmern, veranstaltet wird sie vom Katholischen Bildungswerk Salzburg in Kooperation mit der Caritas Österreich und der Universität Salzburg. (www.bildungskirche.at/Werktagung)
Ebenfalls vor großen Publikum finden alljährlich die Salzburger Hochschulwochen an der Universität der Landeshauptstadt statt, heuer von 28. Juli bis 3. August zum Thema "Europa Entgrenzungen". Ausgangspunkt ist der Ausbruch der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", des Ersten Weltkrieges, vor 100 Jahren. Nun stehe das europäische Projekt "wieder einmal in Frage", heißt es in der Ankündigung; in Zeiten von Finanzkrisen, Migrationsströmen und gesellschaftlichen Umbrüchen müsse sich Europa "neu erfinden". Dabei wird auch die Frage behandelt, was vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen die kulturelle und religiöse Vielfalt Europas für seine Identität bedeutet. Und: "Welchen Ort nimmt das Christentum im Europa der Zukunft ein?" Vortragende sind u.a. der frühere tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg, die Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak und der Religionssoziologe Karl Gabriel. Der im Rahmen der Hochschulwochen alljährlich vergebene Theologische Preis geht heuer an ein Brüderpaar - die in Köln geborenen Theologen Michael Theobald und P. Christoph Theobald SJ, Neutestamentler in Tübingen bzw. Dogmatiker in Paris. (www.salzburger-hochschulwochen.at)
"Weil's gerecht ist: Teilen macht stark" lautet der Titel der Sommerstudientagung von 20. bis 23. August auf der Friedensburg Schlaining, mit der die Katholische Frauenbewegung (kfb) ihren thematischen Schwerpunkt für die kommenden drei Jahre - Entwicklungszusammenarbeit - vorbereitet. Bei dieser Tagung kommen Vertreterinnen aus ganz Österreich zusammen und befassen sich mit grundsätzlichen Fragen wie dem Begriff und der Geschichte der EZA, diskutieren über den gesellschaftspolitischen Auftrag an die EZA und blicken auf die langjährige Tradition des "hauseigenen" EZA-Projekts "Familienfasttag" zurück. Besonders beleuchtet werden Frauenentwicklungsprojekte in Indien, als Gast wird dazu der langjährige Caritas-Präsident von Indien und kfb-Partner Bischof Yvon Ambroise erwartet. (www.kfb.at)
Quelle: Kathpress