
Gemeinschaft ohne Grenzen kann nicht bestehen
"Eine Gemeinschaft ohne Grenzen kann nicht bestehen": Das hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari betont - im Blick auf "einige Nagelproben das betreffend, was in unserer Kirche bei allem Anspruch auf die Freiheit von Christenmenschen nicht akzeptiert werden kann". Kapellari nannte als Beispiel dafür die verbotenen Eucharistiefeiern des Tiroler Ehepaars Heizer, die zur Exkommunikation der beiden führten. Die große Gemeinschaft der Kirche habe "vor allem offene Türen und einladende Arme im Namen und Auftrag Jesu Christi", so Kapellari. "Sie braucht auch Schwellen vor diesen Türen", die weder zu hoch noch zu flach sein dürfen.
Der Grazer Bischof wandte sich in einer Grußadresse an den steirischen Diözesanrat, der am Freitag zu seiner dritten Versammlung in Schloss Seggau bei Leibnitz zusammentrat. Er verteidigte das kirchenrechtlich gebotene Einschreiten seines Innsbrucker Amtskollegen Manfred Scheuer im Fall Heizer gegen Äußerungen mancher Katholiken, die sich in Leserbriefen über die Grenzziehung empört hatten. "Gefühl kann in einer so wichtigen Sache nicht alles sein", mahnte Kapellari. Auch die Innsbrucker Theologieprofessoren Siebenrock und Niewiadomski, "denen noch nie jemand engherzige Konservativität nachsagen konnte", hätten sich öffentlich mit der Kirchenleitung solidarisiert, erinnerte der Bischof.
Synode: "Entkrampfung und Differenzierung"
Zu Medienberichten über das seit Donnerstag vorliegende Arbeitspapier zur außerordentlichen Bischofssynode über Ehe und Familie im Herbst äußerte Kapellari Bedauern, dass sich die öffentlichen Meinung dazu "fast nur auf die sogenannten Heiße-Eisen-Themen fokussiert", besonders auf die Frage nach dem Kommunionempfang durch Katholiken in einer Zweitehe. "Hier hat sich weitgehend die Meinung verfestigt, dass jede Grenzziehung eine Diskriminierung sei", so Kapellari. Er rechne hier mit "einer gewissen Entkrampfung und Differenzierung" auch während der Bischofssynode.
Der Grazer Bischof zitierte zustimmend den Sekretär der Bischofssynode, Erzbischof Bruno Forte, demzufolge es in allen offenen Fragen nicht einfach um Änderungen der kirchlichen Lehre gehen könne, wohl aber um einen anderen Blick auf Menschen in problematischen Situationen und um eine bessere und einfühlsamere Vermittlung der Vorschläge der Kirche für solche Menschen. Kapellari unterstrich mit Forte, eine "katholische Scheidung" könne man nicht einführen.
Zur Kirche in der Steiermark erinnerte Kapellari an den bis 2018 anberaumten "Diözesanen Weg". Mit ihm seien Schritte getan worden, die "einer kritischen Beobachtung stand halten können und jenseits von naivem Optimismus gute Früchte versprechen". Der Grazer Bischof rief dafür zu innerkirchlicher Solidarität auf, ohne bestehende Probleme weg- oder schönzureden. "Wir sollten aber immer wieder auf das schauen, was uns mit Gottes Hilfe an Gutem gelingt, und das ist nicht wenig."
Quelle: kathpress