
Kirche "von Kriegsmacht zur Friedensstifterin"
Den Wandel der Kirche "von der Kriegsmacht zur Friedensstifterin" hat der Grazer Caritasdirektor Franz Küberl bei seinem Festvortrag im Rahmen des Bertholdfestes in Garsten (Oberösterreich) nachgezeichnet. Vor dem Hintergrund des Attentats von Sarajewo nahm Küberl Bezug auf die Rolle der Kirche im Kriegstreiben des Ersten Weltkriegs. Er wies vor allem auf das Umdenken hin, das sich in der Befürwortung des Krieges in einzelnen Hirtenbriefen jener Zeit bis hin zu den Friedensappellen von Papst Benedikt XV. gezeigt habe.
Diesen Papst sehe er - so Küberl - als Baumeister eines neuen Kirchenbildes gegen die Mehrheit seiner Zeit. Mit seinen Impulsen zur Versöhnung sei Benedikt XV. damals alleine gestanden, aber bis heute aktuell geblieben. "Die Frage für uns muss sein: Wie gelingt es, Menschen in schwierigen Lebenssituationen als Menschen zu sehen und nicht als Problem?", regte Küberl eine "Übersetzung" in die Gegenwart an.
Das traditionelle Bertholdfest in Garsten stand ganz im Zeichen des Friedens. Im Festgottesdienst am Sonntag spannte Pfarrmoderator Alfred Habichler einen Bogen zum heiligen Berthold von Garsten (um 1090-1142). Er stammte vermutlich aus dem Geschlecht der Domvögte von Regensburg und Grafen von Bogen und war der erste Abt des Benediktinerstiftes Garsten. Berthold sei ein Vorbild als Friedensstifter gewesen, den die Fähigkeit des grenzüberschreitenden Denkens und vor allem auch die gelebte Gastfreundschaft ausgezeichnet habe. "Wer fremd war, wurde damals nicht verdächtigt, sondern versorgt", so Habichler. Das könne auch heute ein Impuls im Sinne Bertholds sein, im Anderen den Menschen zu sehen und aufeinander zuzugehen.
Altabt Berthold Heigl von Seitenstetten erwähnte im Rahmen der Bertholdprozession eine geistliche Weisung des Ordensgründers Benedikt an seine Mönche: Noch vor Sonnenuntergang gelte es Frieden zu stiften, als Basis des steten Bemühens um Aussöhnung mit dem Nächsten.
Wiederentdeckter Kunstschatz präsentiert
Den künstlerischen Höhepunkt bildete am 28. Juni die erstmalige Präsentation des wiederentdeckten Ostergrabes des Barockmalers Johann Wenzel Bergl. Es handelt sich dabei um eine ca. acht Meter hohe und sieben Meter breite Kulissenarchitektur aus Holz und Leinwand, die in fünf Ebenen ein monumentales "Heiliges Grab" darstellt. Ein 1902 entstandenes Foto dokumentiert den lange anhaltenden Gebrauch dieses künstlerisch hochwertigen Ostergrabes in der Karwoche. In Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt wurde mit der Restaurierung begonnen. Ziel ist eine schrittweise Restaurierung und Wiederverwendung des Ostergrabes.
Beim Bertholdfest wurde das teilrenovierte Kunstwerk in der Losensteinerkapelle der Öffentlichkeit präsentiert. Es kann noch bis Mitte Juli nach Voranmeldung (Tel.: 072.52/54.196-0) besichtigt werden.