
Gruber: "Es gibt wieder ein Wir-Gefühl"
Am Dienstag hat Franz Gruber die Agenden der Katholisch-Theologischen Privatuniversität (KTU) in Linz als neuer Rektor übernommen. Nach den Turbulenzen der vergangenen Jahren sieht der neue Rektor der Zukunft positiv entgegen: "Das Wir-Gefühl an der KTU ist wieder in Ordnung", betonte Gruber in einem Interview mit der Linzer Kirchenzeitung. Was jetzt ansteht, sei die Umsetzung des geplanten Umbaus der Universität. Ab dem Wintersemester 2015/2016 wird es an der KTU vier neue Masterstudien für Philosophie, Kunstwissenschaft, "Grundlagen christlicher Theologie", "Religion in Kunst und Gesellschaft" und ein neues Doktoratsstudium geben.
Spannungen, die im Zuge dieses Umbaus öffentlich geworden waren, konnten nach einer Mediation beruhigt werden. "Wir haben in den vergangenen Monaten einen intensiven Moderationsprozess durchlebt. Viele Konflikte wurden aufgearbeitet", so der neue Rektor. Gruber will die Kommunikation im Haus verbessern und ein "offenes Forum" einrichten, bei dem jeder - vom Studenten bis zum Professor - einmal im Semester mit Informationen versorgt wird und in dem ein neues Leitbild erarbeitet werden solle.
Das neue Statut der Universität liege zurzeit in Rom zur Begutachtung. Es solle dann eine "Katholische Universität Linz" mit zwei Fakultäten geben. Das bisherige Institut Kunstwissenschaft und Philosophie wird neben der Theologie zu einer eigenen Fakultät mit drei zusätzlichen Lehrstühlen weiterentwickelt. Diese werden vom Land Oberösterreich und aus der privaten Romboldstiftung finanziert. Hier werde es zum Beispiel einen Ethik-Schwerpunkt geben, bei dem mit allen Linzer Universitäten, darunter die neue Medizin-Uni, kooperiert werden soll. Danach sollen auch Personen aus anderen Wissenschaften ein Doktorat an der KTU erwerben können.
Neben der Weiterentwicklung der Universität sei die Verankerung der Universität in der Diözese und der Gesellschaft ein weiterer Schwerpunkt. "Wir müssen in der Wissenschaft kompetent sein, wir müssen aber auch gut mit der Diözese in Verbindung bleiben." Die Rolle der Religion in der Gesellschaft verändere sich derzeit dramatisch, stellte Gruber fest. "Deshalb bedarf es eines intensiven Nachdenkens, wie wir für die Kirche der Zukunft ein neues Profil entwickeln können." Gerade die Theologie sei eine besondere Form des Orientierungswissens für "Sinn und für ethische Standards, für das Gespür zu sehen, wo Menschen zu Opfern werden, ebenso für die letzten Fragen nach dem Sinn der Welt, des Lebens und nach Gott." Die Universität sei hierfür ein unverzichtbarer Ort der akademischen Auseinandersetzung mit diesen Fragen, "denn Glaube ist nicht nur eine private Angelegenheit".
Theologie sei aber nicht nur für die Gesellschaft sondern auch für die Kirche wichtig, so Gruber. Für die Diözese Linz biete die KTU vor allem Unterstützung bei der Umsetzung pastoraler Visionen. Derzeit bestehe die Gefahr, "dass man auf dem Linzer Weg zu vergangenheitsorientiert bleibt und nicht mutig und reflektiert die Herausforderungen in den Blick nimmt". Hier sei mehr theologisches Interesse bei Klerus und Laien wünschenswert. "Wenn sich die Diözese eine Theologische Uni leistet, dann sollte man dies auch intensiv nutzen."
Dass er nur mit knapper Mehrheit gewählt wurde, sehe er nicht als Nachteil: "Das war aus der Situation heraus verständlich. Ich bin nicht in Sorge, dass es im Kollegium nicht genügend Solidarität für mich gibt."
Quelle: kathpress