
Caritas-Hungerkampagne gestartet
In allen österreichischen Diözesen läuft dieser Tage die Caritas-Hungerkampagne (Auslandshilfe-Kampagne) an, mit der sowohl der von Hunger bedrohten Bevölkerung in Afrika als auch den Syrienflüchtlingen im Libanon und in Jordanien geholfen werden soll. Für eine "Zukunft ohne Hunger" hat sich beispielsweise der St. Pöltner Caritasdirektor Friedrich Schuhböck stark gemacht. Schuhböck kritisierte bei einer Pressekonferenz in der niederösterreichischen Landeshauptstadt, dass das weltweite Hungerproblem auch durch Nahrungsmittelspekulationen hierzulande entstehen würde. Er könne auch beim besten Willen nicht verstehen, "warum das reiche Österreich immer weniger für Hilfe in anderen Ländern gibt".
Die Senegal-Expertin Annamaria Bokor von der Auslandshilfe der Diözese St. Pölten berichtete von ihrem jüngsten Aufenthalt im Senegal, wo sie Kleinkinder gesehen hat, die so geschwächt waren, dass sie vermutlich später schwere Schäden davontragen; wenn sie überhaupt überleben. Das sei schwer zu ertragen. Die Caritas sei hier ein Lichtpunkt, weil sie Nothilfe und Hilfe für Familien anbiete. Weiters stellt die St. Pöltner Caritas etwa auch Saatgut, Material und landwirtschaftliches Know How zur Verfügung.
Auf die vielfältigen Herausforderungen im Senegal wies Abbe Bertin Sagna, Caritasdirektor in der senegalesischen Diözese Tambacounda, hin. Seine Region leide besonders unter Wassermangel, jeder fünfte Einwohner sei von Hunger betroffen. Die Caritas habe im überwiegend muslimisch geprägten Land einen sehr guten Ruf und genieße das Vertrauen der Bevölkerung, sagte Sagna: "Die Caritas stellen den Menschen in den Mittelpunkt."
Gegen "Globalisierung der Gleichgültigkeit"
In der Diözese Innsbruck haben Bischof Manfred Scheuer und Caritasdirektor Georg Schärmer die Auslandshilfekampagne 2014 eingeläutet. "Da gibt es Menschen irgendwo auf dieser Welt, die mich nicht kennen und dennoch an mich denken und mir etwas spendieren." Diesen Satz habe er immer wieder bei Lokalaugenscheinen vor Ort gehört, so Schärmer bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Aus diesem Satz spreche die Dankbarkeit von Menschen, denen die Caritas Tirol im Auftrag der Spender helfen konnte.
| Landau: "Hungertod von Kindern darf niemandem egal sein" |
| Alle zehn Minuten stirbt ein Kind an den Folgen von Hunger und Unterernährung und jedes Kind, das an Hunger stirbt, wird letztendlich ermordet. Mit diesen drastischen Worten hat Caritaspräsident Michael Landau die diesjährige Hungerkampagne bzw. Auslandshilfekampagne der Caritas eingeleitet. Landau sprach bei einer Pressekonferenz in Wien von einer "stillen aber brutalen Tragödie". In der afrikanischen Sahelzone drohe die dritte Hungerkatastrophe in kurzer Zeit mit mehr als 20 Millionen betroffenen Menschen. Zugleich tobe seit drei Jahren ein Bürgerkrieg in Syrien, der die schlimmste humanitäre Katastrophe zur Folge hat, die die Erde seit vielen Jahren gesehen hat. Die Caritas wolle und müsse deshalb ihre Auslandshilfe verstärken: Landau: "Wir müssen heuer doppelt so viel laufen, das ist unser Ziel. Wir müssen unser Engagement erhöhen, weil wir hinsehen müssen und nicht wegsehen dürfen. Im Libanon, in Jordanien, im Senegal oder im Südsudan."
Landau war vor wenigen Tagen auf Lokalaugenschein im Senegal, wo er die am meisten vom Hunger betroffene Region im Osten des Landes besuchte. Vor allem der Besuch in einem Ernährungszentrum, wo vom Hungertod bedrohte Kinder medizinisch versorgt werden, habe ihn wütend und verärgert zurückgelassen, so der Caritaspräsident. "Ohne unsere Hilfe werden diese Kinder dort sterben. Wir müssen hinsehen, in die Augen dieser Kinder und ihrer Mütter blicken." Das Schicksal der sterbenden Kinder dürfe niemanden gleichgültig lassen.
Die Caritas sei bei ihrer Hilfeleistung auf Spender angewiesen, appellierte Landau an die Solidarität der Österreicher. "Wir sind darauf angewiesen, dass möglichst viele Menschen unsere Ziele mittragen, auch und gerade dann, wenn die Politik auslässt." Einmal mehr kritisierte Landau die heimische Politik scharf dafür, dass die staatlichen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit gekürzt statt erhöht werden.
Dass die Spenden der Österreicher ankommen, davon habe er sich bei seinem Lokalaugenschein im Senegal überzeugen können, so Landau weiter: "Diese Hilfe entscheidet über Leben und Tod."
Die Caritas hat es sich 2014 zum Ziel gesetzt, mindestens 30.000 Kinder in Syrien und den Nachbarländern wie Libanon oder Jordanien vor Hunger zu bewahren und Hilfsprogramme im Afrika, beispielsweise im Senegal, aufrechtzuerhalten. "Es geht darum, Kindern eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen", so Landau. Schon mit sieben Euro könne ein Kind einen Monat mit Nahrungsmitteln versorgt werden.
Gurkenglasaktion
Im Rahmen einer österreichweiten Gurkenglasaktion ruft die Caritas die Österreicher auf, Kleingeld in leeren Gurkengläsern zu sammeln - passend zu sommerlichen Saure-Gurken-Zeit - und das ersparte Geld zu spenden, um Leben zu retten.
(Spenden online unter www.caritas.at oder Spendenkonto der Caritas PSK, IBAN: AT92 6000 0000 0770 0004, BIC: OPSKATWW, Kennwort: Hungerhilfe) |
Bischof Manfred Scheuer verwies u.a. auf Papst Franziskus, der vor einer "Globalisierung der Gleichgültigkeit" warnte. Scheuer weiter wörtlich: "Heuer gedenken wir in der Diözese Innsbruck unseren ersten 50 Jahren. Ich sage bewusst nicht feiern, weil das nicht immer ein Grund zum Jubeln und Feiern ist. Heuer vor 40 Jahren hat die Caritas begonnen sich auch im Ausland zu engagieren. Als Caritasbischof ist es mir deshalb ein großes Anliegen allen Menschen, die zum Gelingen der Entwicklungszusammenarbeit beigetragen haben zu danken, vor allem auch den Spendern."
Die Caritas der Diözese Innsbruck ist vor allem in den westafrikanischen Ländern Mali und Burkina Faso engagiert. Den Menschen in der Region drohe diesen Sommer die dritte Ernährungskrise innerhalb von sieben Jahren, warnte Schärmer.
Besonders in einigen Regionen im Norden der beiden Länder sei die Lage besorgniserregend. Ausbleibender Regen, schlechte Ernten gekoppelt mit wirtschaftlichen Ursachen seien für die katastrophale Situation verantwortlich. Die Bevölkerung sei durch die wiederkehrenden Krisen extrem geschwächt. Noch bevor die kleinbäuerlichen Familien ihre Lebensgrundlage wieder aufbauen können, treffe sie die nächste Krise. "Die Erntevorräte gehen jetzt zu Ende, aber die nächste Ernte ist erst im Oktober oder November hier. Jetzt gilt es diese Zeit zu überbrücken", so Andrä Stigger, der Leiter der Caritas Auslandshilfe Tirol.
Konkret hilft die Caritas Tirol etwa mit dem Bau von Brunnen und Boulis (Regenrückhaltebecken), gut erreichbaren Ernährungszentren für Mütter und Kleinkinder, umfassenden Landwirtschaftsprojekten mit Schulungen in ertragreicheren, ökologischen Anbaumethoden, Wiederaufforstung, der Verteilung von Werkzeug und verbessertem Saatgut, Kursen in Viehzucht und dem Bau von Getreidespeichern.
"Wir müssen unsere Hilfe verdoppeln"
"Wir können Krieg und Dürre nicht verhindern, aber wir können helfen, dass Menschen in Not die nächsten Monate überleben." Das sagte die Eisenstädter Caritasdirektorin Edith Pinter bei der Pressekonferenz zum Auftakt der Hungerkampagne im Burgenland.
Es sei absurd zu überlegen, ob man traumatisierten Kindern aus Syrien helfen solle oder hungerleidenden Kleinkindern im Senegal, die schon zu schwach sind um zu trinken. Die Caritas könne aus der katastrophalen Situation nur eine Konsequenz ziehen, so Pinter: Wir müssen unsere Hilfe verdoppeln!"
Für Afrika gelte es, rasch zu handeln und Nothilfe in die Hungergebiete zu bringen. Pinter: "Im Südsudan verteilen wir etwa Lebensmittelpakete mit Getreide und Öl an Großfamilien, Witwen und alleinerziehende Mütter." Die nächsten vier Monate vor der Ernte im Oktober seien für die Familien eine harte Zeit, die sogenannte "temp de soudure", da die Ernte vom Vorjahr schon längst aufgebraucht ist."
Oberste Priorität habe die Behandlung von akut unterernährten Kindern. In den Ernährungszentren versorge die Caritas gefährdete Kinder, schwangere und stillende Mütter, denn Unterernährung beginnt schon im Mutterleib.
Abseits der Nothilfe geht es der Caritas auch um langfristige Ernährungssicherung. In verschiedenen Projekten sollen die landwirtschaftlichen Erträge der Kleinbauern nachhaltig durch Kompostierung, Gemüseanbau, eigene Saatgutvermehrung, Kleintierhaltung, Bau von Getreidebanken oder Brunnenbau zur Trinkwasserversorgung langfristig verbessert werden.
Die Syrienflüchtlinge versorgt die Caritas im Libanon, in Jordanien und auch in Syrien selbst mit Lebensmittelpaketen, Hygieneartikel, Decken, Matratzen, (Winter-)Kleidung und medizinischer Hilfe. "Schon jetzt müssen Möglichkeiten geschaffen werden um die Baracken und Zelte winterfest zu machen", so Pinter.
Infos: www.caritas.at