
Lackner: Familie für Glauben existenziell
Die existenzielle Bedeutung der Familie für die Glaubensweitergabe hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner betont. Er stand einem Gottesdienst im Rahmen eines Symposion der Liturgischen Kommission für Österreich in Salzburg vor. Die Tagung stand unter dem Motto "Familien Leben Liturgie".
In seiner Predigt unterstrich der Erzbischof, dass es auch heute noch festliche Gottesdienste in den Pfarrgemeinden gibt, die Menschen aller Altersstufen berühren und ihnen Kraft und Hoffnung geben. Das dürfe aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es eine Glaubenskrise gebe: "Dem Glauben fehlt heute die Alltagstauglichkeit." Es gelte, in den Familien das alltägliche Gebet bzw. die alltäglichen religiösen Rituale neu zu entdecken. In ihnen liege die Kraft für den Alltag und sie seien eine Schule für den Glauben, der sich im Alltag bewährt.
Die Linzer Pastoraltheologin Hildegard Wustmans knüpfte mit ihrem Beitrag beim aktuellen soziologischen gesellschaftlichen Befund an: "Familienkulturen oder Familie gibt es nur im Plural" - diese Realität werde in der Kirche oft als schmerzhaft wahrgenommen, zumal die kirchliche Familienkultur immer noch "von der Utopie des Singular" geprägt sei. Kirchliche Familienkultur sei immer noch stark normativ und wertend gegenüber bestimmten Lebensformen und Lebensstilen, werde aber von immer weniger Menschen geteilt, sagte Wustmans.
Demgegenüber sei eine Pastoral im Modus des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht "Anwendungsort dogmatischer Prinzipien", sondern "selbst ein Entdeckungsort der kirchlichen Lehre". Im Umgang mit heutigen Lebensformen und Lebensstilen zeige sich, "ob Kirche sich weiter als statisch und idealistisch in Bezug auf Familie und Beziehung versteht und damit gleichermaßen ihre Bedeutung für Menschen nicht nur riskiert, sondern perspektivisch wohl auch verlieren wird".
Neue Blickwinkel und Handlungsmuster seien erforderlich, so Wustmans. Es gelte, pastoral "Großherzigkeit und Toleranz zu üben und den Menschen in ihren Beziehungen etwas zuzutrauen und das auch sich selber in der Praxis abzuverlangen, ganz nach dem Motto: Sei mutig, wage etwas, fürchte dich nicht, denn dein Gott ist mit dir."
Konsequenz einer jesuanischen Pastoral, die kompromisslos Freuden und Leiden mit den Menschen teilt, sei die Aufmerksamkeit der Kirche und ihrer Pastoral allen gegenüber, egal, in welchen Beziehungsformen sie leben und wie sie diese gestalten. Wechselseitige Verantwortung, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, das Bemühen um Treue müssten überall wertgeschätzt und begleitend gestützt werden an den verschiedensten Orten, wo Kirche heute Familien in deren Lebensalltag begegnet.
Beispielhaft verwies die Pastoraltheologin auf das Problem, dass am Sonntag die Rituale der Religionsgemeinschaft und die der Familien weitgehend auseinanderfielen. "Die Kirche hätte aber die Chance, mit der Ritualkompetenz der Familien und nicht gegen sie, den Sonntag als Tag der Unterbrechung zu stärken" - und diese Ritualkompetenz sei in den Familien reichlich vorhanden.
Der Grazer Liturgiewissenschaftler Prof. Peter Ebenbauer sprach sich ebenfalls für eine kirchliche Wertschätzung familiärer Lebens- und Glaubenswelten aus, die weit über die klassische Kleinfamilienkonstellation hinausgehen. Ebenauer: "Nicht eine bestimmte Form zwischenmenschlicher Lebensgestaltung, sondern die soziale und diakonische Qualität unterschiedlicher Beziehungsweisen und -geschichten ist ausschlaggebend für die Qualität gläubiger und kirchlicher Existenz."
Kirchliche Gottesdienstkultur erfordere soziale Sensibilität für die pluralen sozialen Konstellationen, Beziehungs- und Lebensformen familiärer Art. Im Blick auf die Zukunft und auf Chancen familiärer Gottesdienstkultur sei es notwendig, auf Spiritualitäten gemeinschaftlichen Lebens zu achten - in vielfältigen alltäglichen und festtäglichen Formen, die auch unkonventionell sein können.
Die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanums gebe laut Ebenauer für alle diese Bereiche eine Grundregel mit auf den Weg, die theologisch und pastoral zentral sei: Die Feier der Liturgie müsse in all ihren Formen und Anlässen die spezifischen Anlagen und Dispositionen der Mitfeiernden "je nach deren Alter, Verhältnissen, Art des Lebens und Grad der religiösen Entwicklung" berücksichtigen.
Quelle: kathpress