
Neue Wege der Glaubensvermittlung nötig
Familienbischof Klaus Küng erhofft sich von der am Sonntag beginnenden Sondersynode über Familienangelegenheiten neue Impulse bei der Vermittlung der katholischen Lehre zu Ehe, Familie und Sexualität. Es brauche eine "positive, gewinnende und zugleich klare Verkündigung, auch viel Verständnis und Liebe", um die bestehende Kluft zwischen Lehre und der von den Gläubigen gelebten Praxis zu überwinden, so Bischof Küng in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" (Freitag).
Aussagen der Kirche zu Ehe, Familie und Sexualität würden von vielen Gläubigen nicht verstanden oder nicht angenommen, räumte der St. Pöltner Diözesanbischof ein. Konkret zeige sich diese Kluft etwa in Fragen der künstlichen Empfängnisverhütung oder beim vorehelichen Geschlechtsverkehr. Die verlorene Relevanz der Kirche für Jugendliche bezeichnete Küng als "besonders schmerzhaftes" Thema. Es sei nötig, neue Wege für das Gespräch mit der Jugend zu suchen und sie "abzuholen und zu begleiten", auch da in dieser Lebensphase das Scheitern vieler Ehen wurzle.
Beim ebenfalls "schmerzlichen" Thema der wiederverheirateten Geschiedenen könne es keine "Ideallösung" geben, so Küng. Wichtig seien heir persönliche Begleitung und Hilfestellungen, "um in der entstandenen Situation christlich zu leben, die Kinder entsprechend zu erziehen und Gutes zu tun". In "nicht wenigen Fällen" sei nach einem Scheitern außerdem zu prüfen, ob die kirchliche Ehe überhaupt gültig war. In solchen Fällen könne eine Annullierung in Frage kommen. Der Familienbischof stellte aber klar: "Auch dann, wenn dies nicht zutrifft, gilt immer, dass auch wiederverheiratete Geschiedene zur Kirche gehören."
Bischof Küng kam auch auf jene Buchveröffentlichung zu sprechen, in der sich fünf Kardinäle gegen die Sakramentenspendung an wiederverheiratete Geschiedene ausgesprochen haben, die Kardinal Walter Kasper vorgeschlagen hatte. Die Positionierung sehe er als freie Meinungsäußerung, die zudem der Kirchenlehre entspreche, so der St. Pöltner Bischof, der Kasper "grundsätzlich recht" gab, ihm aber zugleich "Dünnhäutigkeit" vorwarf: Der emeritierte Kurienkardinal habe "mit seinem Vortrag die Diskussion eröffnet und musste damit rechnen, dass ihm widersprochen wird". Eigentlicher Austragungsort der Debatte müsse jedoch die Synode sein, betonte Küng.
Quelle: kathpress