
Auch Gynäkologe Huber ist Kritiker
Unter die Kritiker des neuen Fortpflanzungsmedizingesetzes hat sich am Dienstag auch der renommierte Gynäkologe Johannes Huber eingereiht. In einem Gastkommentar in der "Presse" schrieb Huber, die Regierungsvorlage sei in manchem mit einer "Sturzgeburt" vergleichbar: "Es mag sein, dass sich die Vorbereitung dieser Novelle schwierig gestaltete. Die demokratische Einbeziehung unterschiedlicher Bevölkerungsvertretungen war aber suboptimal, dafür fehlte ja auch die Zeit." Huber kritisierte konkret fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse über Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen, und über die Auswirkungen der Präimplantationsdiagnostik (PID).
Es sei "anzunehmen, dass ein Kind auch bei einem lesbischen Paar die nötige Zuwendung erfährt". Wie es sich aber entwickle, wenn es selbst in die Geschlechtsreife eintritt, müsste laut dem Gynäkologen und Hormon-Spezialisten in einem größeren Datenkollektiv dokumentiert werden. Die Hinweise auch ausländischer Experten, dass die Fallzahl zu gering, das Untersuchungsdesign zu heterogen und der Untersuchungszeitraum zu kurz war, "hätten in den Verhandlungen mehr berücksichtigt werden müssen", bemängelte Huber die Gesetzwerdung.
Zum Thema PID gab er zu bedenken, dass durch die damit verbundene Selektion "der Blick auf das Unvollkommene dadurch schärfer und gefährlich schneidend wird" - so legitim der Wunsch einer Frau, ein gesundes Kind zu bekommen, auch sei.
Wichtig sei es bei einer derart heiklen Gesetzesmaterie auch, Interessenkonflikte klar zu benennen. Als vor Jahrzehnten das erste Reproduktionshilfegesetz vorbereitet wurde, wurde laut Huber peinlich genau darauf geachtet, dass nur Experten beigezogen wurden, die nicht direkt mit der künstlichen Befruchtung Geld verdienten. "Es entspräche eleganter Transparenz, auch bei dieser Novellierung die Experten und ihren möglichen Interessenkonflikt zu benennen", so Huber.
Der Gynäkologe machte folgenden Vorschlag für die bei den meisten In-vitro-Fertilisationen übrig bleibenden "überzähligen" Embryonen: Statt sie nach einer definierten Zeit zu "entsorgen", könnten sie in Zeiten, da Eizellspende und Adoption "Hochkonjunktur haben", doch auch adoptiert werden. Desillusionierter Nachsatz des Mediziners: Diese Frühembryonen hätten allerdings "keine Lobbyisten".
".... dann bin ich gerne konservativ"
Gegen die "Reproduktionslobby" wendete sich am Dienstag auch die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, Gerda Schaffelhofer: In einem Gastkommentar in den "Salzburger Nachrichten" merkte die Mitinitiatorin der Plattform www.kinderbekommen.at an, um gegen Lobby-Interessen aufzutreten müsse man "weder rechts noch konservativ noch 'von gestern' sein". Und wenn es konservativ sei, das Kindeswohl in den Mittelpunkt aller Überlegungen zu stellen und aus dieser Perspektive ein Überdenken des Fortpflanzungsmedizingesetzes einzufordern, "dann bin ich gerne konservativ".
Laut Schaffelhofer wird der Druck auf Frauen, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, durch das Gesetz zunehmen. "Irgendwann werden sich auch die Versicherungen zu Wort melden und die Kosten zur Sprache bringen, die behinderte Kinder verursachen."