
Fasten der Benediktiner: Verzichten, Entrümpeln, Lesen und Beten
Ordensleute gelten als Profis, wenn es um das Fasten geht: In den meisten Klöstern wird die 40-tägige Fastenzeit streng als Vorbereitungszeit auf Ostern eingehalten. Der Verzicht im Orden sei sehr "bewusst und konsequent, mit einer religiösen Ausrichtung und mit Teilen verbunden", erklärte der Michaelbeurer Abt Johannes Perkmann im "Kathpress"-Interview. Doch auch außerhalb der Klostermauern könne die Fastenübung sowohl Körper als auch Geist und Seele zugleich erfassen und klarmachen, "dass viel weniger wesentlich mehr bedeuten kann", so der Benediktinermönch.
Benediktiner starten die Fastenzeit mit der Abgabe schriftlich verfasster Vorsätzen an den Abt, die ein jeder am Ende der Zeit wieder zurückbekommt - "als Art Selbstkontrolle", wie Perkmann erklärte. Nach Maßgabe des heiligen Ordensgründers Benedikt umfassen diese Vorsätze außer den Dingen, auf die man bewusst verzichten will, auch die Titel der Bücher, die man lesen möchte, die persönliche Gebetszeit im Tagesablauf, verbunden mit der Erstellung einer Inventur der eigenen Besitztümer und dem bewussten Trennen von Gegenständen, die nicht mehr gebraucht werden.
Entsprechend den Benedikts-Vorgaben, folgt für den Michaelbeurer Abt nach Inventur und Vorsätzen am Aschermittwoch eine Fastenwoche nur mit Säften, bei der er eine Gruppe mit geistlichen Impulsen begleitet. Auch in den Folgewochen wird die Essensmenge reduziert, begleitet auch mit Einschnitten bei Knabbereien und Zusatzmahlzeiten, wie Perkmann verriet. "Ich wähle ein Buch und nehme mir täglich eine Zeit zum Lesen und zum Stillsein. Fixpunkte sind in dieser Zeit weiters geistliche Begleitung und Beichte." Bereits beruflich bedingt ist für den Abt die Ostervorbereitung, die in Verbindung mit den Seelsorgediensten in Schule und Pfarre läuft.
Blick für "rechtes Maß"
Durchwegs positiv bewertete Perkmann die hohe Popularität, die das Fasten in der Gesellschaft dank einer Hochkonjunktur von Gesundheitsthemen genieße. Zwar sei Verzicht bei alleinigem Gesundheits-Fokus bloß "Nabelschau des eigenen Wohlbefindens", doch könnten jene, die für die geistliche Ebene aufgeschlossen sind, von der 40-tägigen Askese in der Fastenzeit durchaus auf vielen Ebenen profitieren.
Vor allem schärfe Verzicht den "Blick für das rechte Maß" wieder. Dies geschehe gleich auf mehreren Ebenen: Individuell bringe das Fasten Vorteile etwa bei der eigenen Gesundheit und Seelenhygiene, es verhelfe zu mehr Achtsamkeit auf den eigenen Körper - "ob man noch Herr im Hause ist, oder ob die Gewohnheiten schon alles bestimmen".
Doch auch auf gesellschaftlichen Ebene, "dort wo der Blick auf das Rechte Maß in mehr Solidarität mit den Armen und in Bemühungen zur Bewahrung der Schöpfung mündet", könne die Fastenzeit zu positiven Änderungen beitragen. Schließlich benötige auch die Schöpfung menschliche Haltungen des Bewahrens und des Verzichts, "damit nicht der maßlose Konsum, die Abgase und die Umweltverschmutzung unsere Lebensgrundlagen zerstören", betonte Perkmann.
Christliches Fasten gehe jedoch weit über gesundheitliche oder gesellschaftliche Aspekte hinaus und sei immer auch eine "Übung der Umkehr zu Gott", so der Abt. "Sind wir nicht vollgestopft, dann bleibt Platz für das Wesentliche - für Gott." Fasten sei deshalb ein Freiwerden für Gott und für die Nöte der Menschen, die man aufmerksamer nachzufühlen und wahrzunehmen lerne.