
Martinskirchen im Burgenland
Martinspatrozinien im Burgenland
Dem Titelheiligen einer Kirche und dessen Schutz kam im Mittelalter große Bedeutung zu uns seine Auswahl unterlag wahrscheinlich keinen Vorschriften. Eine Beratung seitens des Bischofs ist anzunehmen, die Wahl trafen dann der Gründer und die Gemeinde. Die Patrozinien spiegeln oft politische und geographische Zusammenhänge der Gründerzeit bzw. des Kirchenbaus wieder oder lassen bestimmte Absichten erkennen. So zeigt sich das Vordringen der karolingischen Kolonisation gegen Osten im Gebiet des Herzogtums Bayern seit dem ausgehenden 8. Jahrhundert und der spätere Landesausbau z.B. in Niederösterreich deutlich an der Verbreitung und zeitlichen Einordnung der Martinskirchen.
Der hl. Martin war in Westpannonien, darunter ist das Gebeit des historischen Westungarn zwischen Donau und Mur (Komitate Wieselburg, Ödenburg Eisenburg und Zala) zu verstehen, wohl bereits vor der ungarischen Landnahme am Ende des 9. Jahrhunderts bekannt, wurde doch Savaria, das heutige Szombathely/Steinamanger, als sein Geburtsort angesehen. Die Gattin des Ungarnkönigs Stefan des Heiligen, die aus dem bayrischen Herzogshaus stammende Königin Gisela (um 985 – ca. 1060), förderte den Kult des hl. Martin, der auch Landespatron wurde.
Für den Zeitraum zwsichen den Jahren 1000 und 1334 sind aus Westpannonien 347 Patrozinien bekannt. Nicht alle von ihnen haben in den schriftlichen Quellen Erwähnung gefunden, es können aber Schlüsse aus dem Bestehen von Kirchen bzw. ihrer Nennung in den ältesten Kanonischen Visitation gezogen werden, da ein Wechsel des Patroziniums im Mittelalter selten war und meist erst nach einem barocken Um- oder Neubau der Kirche erfolgte.
Zahlenmäßig steht Maria mit 42 Patrozinien an erster Stelle, gefolgt vom hl. Martin mit 28, davon 7 im heutigen Burgenland. Was nun die Verbreitung des Martinspatrozinien betrifft, so besteht ein starker Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden: 6 im Bereich der Komitate Wieselburg und Ödenburg stehen 22 in dem der Komitate Eisenburg und Zala gegenüber. Die im Mittelalter beliebten Ritterheiligen, zu denen auch der hl. Martin zählte, galten als Helden des Glaubens und unüberwindliche Streiter. So ist es vorstellbar, dass ihre Verehrung gemeinsam mit der der „drachentötenden“ hl. Margarete von Antiochien mit der Bedeutung des Grenzschutzes in diesem Raum in Zusammenhang gebracht werden kann und sie gleichsam eine „geistliche“ Befestigungs- und Verteidigungslinie bilden sollten.
Martinskirchen im Burgenland
| Deutsch Schützen | Ehemalige Pfarrkirche |
| Donnerskirchen | Pfarrkirche |
| Eisenstadt |
Dom- und Stadtpfarrkirche Kapelle in der Martinskaserne |
| Gerersdorf b. Güssing | Pfarrkirche |
| Königsdorf | Pfarrkirche (früher hl. Martin) |
| Loipersbach i. Bgld. | Filialkirche (früher hl. Martin) |
| Pfarrkirche | |
| Mattersburg | Pfarrkirche |
| Mogersdorf | Pfarrkirche (im 17. Jh. urkundlich eine St. Martinskirche genannt) |
| St. Martin a.d.Raab | Pfarrkirche |
| St. Martin i.d.Wart | Pfarrkirche |
| Schachendorf | Pfarrkirche |
Martinsorte im Burgenland
Eisenstadt - die ungarische Ortsnamensform „Kismarton“ bedeutet „Klein-Martinsdorf“ und kommt in ähnlicher Form auch in deutscher Sprache vor.
Mattersburg – bis ins 20. Jh. hieß der Ort Mattersdorf (Martinsdorf); die
ungarische Ortsnamensform „Nagymarton“ bedeutet „Groß-Martinsdorf“ und kommt in ähnlicher Form auch in deutscher Sprache vor.
Sonstiges
Eisenstadt – Martinskaserne
Eisenstadt – Haus St. Martin (Altenpension der Caritas der Diözese Eisenstadt)
Quelle: Diözesanarchiv Eisenstadt/www.martinsfest.at