Christliche Werte unersetzbar für Entwicklung Europas
Wien, 28.4.06 (KAP) Die christlichen Werte sind unersetzbar für eine authentische Entwicklung Europas. Das betonte der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax"), Kardinal Renato Raffele Martino, in Wien bei einer Tagung über "Religiöse Freiheit im neuen Europa". Die vom Europäischen Forum Alpbach und der österreichischen kirchlichen Kommission "Iustitia et pax" ausgerichtete Tagung beschäftigte sich mit dem Thema, welchen Platz Religion in der Demokratie haben soll. Die säkulare Natur eines Rechtsstaates dürfe nicht verwechselt werden mit ethischer Neutralität, sagte der Kardinal. Man müsse vermeiden, dass die Einzelinteressen über dem Gemeinwohl stehen.
Martino betonte, dass die Christen "nicht aufhören dürfen, eine Rolle im öffentlichen Leben zu spielen". Ihnen komme insbesondere bei der Frage nach der gemeinsamen Wertebasis und einem gemeinsamen europäischen Geist eine entscheidende Rolle zu. Als entscheidende Probleme für die Zukunft Europas bezeichnete der Kardinal die "Frage der Wahrheit" und die "Frage der Autorität".
Europa, so der Kardinal in seinem Referat, sei aus der Idee heraus entstanden, "die Tragödie des Zweiten Weltkrieges zu überwinden". Insbesondere katholische Politiker wie De Gasperi, Adenauer, Schuman und Monnet hätten diese Idee vorangetrieben. Dabei sei es Alcide De Gasperi gewesen, der erstmals die "gemeinsame Basis von spirituellen und humanistischen Werten" Europas betont habe. Es sei eine Tatsache, so Martino weiter, dass die "authentische Quelle" dieser Werte das Christentum darstelle. Es sei Johannes Paul II. gewesen, der diesen Weg einer "Wiederentdeckung der gemeinsamen spirituellen Werte" ausdrücklich beschritten habe; dieser Weg werde heute von Papst Benedikt XVI. entschlossen fortgesetzt. "Kann es eine authentische Fortentwicklung Europas geben", fragte Martino, "wenn man diese gemeinsame Basis christlich geprägter Werte vergisst?"
Seit dem Jahr 1989 hätten sich dramatische Veränderungen in der europäischen Gesellschaft ergeben, so Martino. Bestimmte bis 1989 das "starre Gerüst der Ideologien" die Politik und die Gesellschaft, so bedrohe heute "ein purer Nihilismus" den Menschen; dieser Nihilismus zeige sich auch in einer Verabsolutierung von Technikund naturwissenschaftlichem Fortschritt. Er sehe derzeit die Gefahr, dass sich die Menschheit in zwei unterschiedliche Lager teile: "in jene, die glauben, dass der Mensch von Gott geschaffen ist, und in jene, die das nicht glauben können". Diese unterschiedlichen Auffassungen hätten große Auswirkungen auf das Verständnis vom Menschen insgesamt, so der Kardinal.
Dass Religion auf diesem Hintergrund "ein Faktor für wirkliche Freiheit und authentischen menschlichen Fortschritt" bleiben müsse, stellte Martino in drei Punkten heraus: 1. Es gebe "keine wertbasierte Gesellschaft ohne einen substanziellen Bezug zu Gott und zu transzendenten Werten". Daher könne auch das Christentum "nicht aufhören, eine öffentliche Rolle zu spielen". Es sei weder "Privatsache", noch ein "individuelles Phänomen" oder gar "Ideologie", da es von einer "transzendenten Wahrheit" spreche und nicht von einer "immanenten Wahrheit", so Martino. 2. Im Blick auf die zukünftige Gestaltung Europas gebe es eine "enge Beziehung zwischen Politik und Wahrheit", die es wiederzuentdecken gelte und in der der Religion eine herausragende Position zukomme. 3. Es müsse auf den "Zusammenhang von politischer Organisation und Freiheit" hingewiesen werden. Es sei vor allem die Religionsfreiheit, in der jede politische Freiheit wurzle, so Martino.