Schönborn: "Weg des missionarischen Zeugnisses gehen"
Tausende nahmen an Fronleichnams-Prozession in der Wiener Innenstadt teil. Kardinal Schönborn: Heute wieder eine Situation wie in den ersten drei Jahrhunderten des Christentums
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Wien, 11.06.2009 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat beim "Stadtumgang" am Fronleichnamsfest seine Einladung an die Katholiken der Erzdiözese Wien erneuert, im Sinn des Vorgangs "Apostelgeschichte 2010" einen "Weg des missionarischen Zeugnisses" zu gehen. Heute herrsche wieder eine Situation wie in den ersten drei Jahrhunderten des Christentums, als sich der Glaube ohne jede Gewalt und trotz des gesellschaftlichen Widerstands durch das persönliche Zeugnis der Christen überall hin ausbreitete.
Entscheidend sei das Wort der Apostel Petrus und Paulus vor dem Hohen Rat: "Unmöglich können wir schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben". Dabei sei es nicht um eine Theorie oder eine Lehre gegangen, betonte der Wiener Erzbischof, sondern um eine Person, um Jesus Christus. Auch heute komme es darauf an, "die Erfahrung des Glücks der Freundschaft mit dem auferstandenen Jesus" weiterzugeben. Dabei gehe es darum, sich die Sichtweise Jesu auf die Menschen zu eigen zu machen. Diese Sichtweise sei von Barmherzigkeit und von einem aus dem innersten Herzen kommenden Mitleiden mit den Menschen, vor allem den Orientierungslosen, geprägt. Kardinal Schönborn rief die Katholiken auf, dafür im Denken, Reden und Tun Zeugnis zu geben.
Freilich fühlten sich da viele Gläubige überfordert, räumte der Wiener Erzbischof ein - so wie die Apostel im Evangeliums-Bericht über die Brotvermehrung, der bei der Fronleichnamsprozession verlesen wird. Zudem habe die Kirche in Österreich in den letzten Jahrzehnten manche Demütigung erlebt, viele Menschen hätten sich "enttäuscht oder desinteressiert" von ihr abgewendet. Umso mehr gelte es, "beherzt" zu dieser "Armut" der Kirche ja zu sagen und den Weg des Zeugnisses zu gehen.
Wegen der Umbauarbeiten in der innerstädtischen Fußgängerzone nahm der "Stadtumgang" am Donnerstag einen anderen Weg - vom Stephansdom zur Franziskanerkirche und dann über Weihburggasse und Singerstraße wieder zurück zum Dom. Tausende Katholiken - unter ihnen auch Vertreter des öffentlichen Lebens mit dem Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes, Gerhart Holzinger, an der Spitze - beteiligten sich an der Fronleichnamsprozession. Erstmals waren - in Wiederaufnahme einer alten Tradition - auch Abordnungen der großen Handwerksinnungen bei der Prozession dabei.
Mit besonderer Herzlichkeit dankte Kardinal Schönborn dem Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, der auch beim Fronleichnamshochamt im Dom mit dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Bruno Platter, und vielen anderen Priestern Konzelebrant des Kardinals war. Die katholische Kirche in Österreich gehe "mit Petrus und unter Petrus" ihren Weg, in herzlicher Verbundenheit mit dem Papst, sagte der Wiener Erzbischof.