Christen und Globalisierung: Worte allein genügen nicht
Wien, 13.6.06 (KAP) "Glaube bewährt sich in verantwortungsvoller Tat. Mit gut gemeinten Worten wird man der Verantwortung nicht gerecht": Das erklärte der bayrische Kirchenrat Thomas Prieto Peral bei der Sitzung des evangelischen Beirates für "Wirtschaft im Dienst des Lebens" im Wiener Evangelischen Zentrum. Der Beirat begleitet innerhalb der evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich den weltweiten kirchlichen "Bekenntnisprozess", der sich mit den Folgen der Globalisierung befasst. Koordiniert wird die Arbeit vom Kärntner Pfarrer Norman Tendis. Weltweit wird der Prozess getragen vom Ökumenischen Rat der Kirchen, dem Lutherischen Weltbund, dem Reformierten Weltbund und der "Konferenz Europäischer Kirchen" (CEC).
Prieto Peral, der im Ökumenereferat der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern tätig ist, ging in seinem Referat auf die Ethik Dietrich Bonhoeffers ein. Der Verantwortungshorizont müsse weiter gezogen werden. "Den Christen rufen nicht erst die Erfahrungen am eigenen Leibe, sondern die Erfahrungen der Brüder, um deretwillen Christus gelitten hat, zur Tat und zum Mitleiden", zitierte Prieto Peral den großen evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer. Die neoliberale These, dass "alles klappt, wenn jeder an sich selbst denkt", funktioniere nicht. Die Illusion, die Krisen wären "weit genug weg", sei das "Narkotikum für das Engagement in der Gegenwart", so Prieto Peral. Die Frage sei nicht, "wie wir uns aus der Affäre ziehen, sondern wie die kommende Generation weiterleben kann".
Das "Dasein für andere" bilde die tiefste Dimension des Menschseins und des Christentums, erinnerte Prieto Peral. Die Christen und ihre Kirchen seien aufgerufen, sich für die gerechte Verwandlung der Weltwirtschaft einzusetzen, "weg von Mechanismen, die sich immer fragloser an Eigeninteressen orientieren". Prieto Peral forderte eine "theologisch-spirituell fundierte offensive Auseinandersetzung" mit den geistig-religiösen Grundlagen des Neoliberalismus und wandte sich entschieden gegen die Ideologie der "unsichtbaren Hand" (invisible hand) des freien Marktes, die alles regeln würde. Kirchen müssten sich der Frage stellen, wo sie ihr "Dasein für andere" leben. Ökumenische Papiere erschöpften sich oft in flachen Appellen, die "heiße Luft produzieren". Die Ebene des konkreten Handelns fehle. Letztlich gehe es um eine Frage der Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft, analysierte der Kirchenrat, der sich "sehr wohl bewusst" ist, dass das "Einlösen von Maximalforderungen" in einer Volkskirche schwierig ist. Wichtig sei jedoch, auch als Kirche das eigene Handeln kritisch zu hinterfragen.
Essenziell für eine glaubwürdige Auseinandersetzung mit der neoliberalen Globalisierung sei das Ökumene-Modell der versöhnten Verschiedenheit. Die Option Gottes für die Armen müsse auch zum "konstruktiven Dialog mit den Reichen" führen, meinte Prieto Peral weiter. Der Entfremdung als einem der gravierendsten Merkmale der Globalisierung können die Kirchen "geistliche Beheimatung" entgegensetzen.
Linktipp: