Vor 30 Jahren wurde Erzbischof Oscar Romero ermordet
Er war einer der prominentesten und populärsten Kirchenführer Lateinamerikas. Für die Menschen in El Salvador ist Oscar Romero schon längst ein Heiliger. Er wirkte als "Stimme der Stimmlosen"
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Erzbischof Oscar Romero (+) |
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San Salvador (KAP) Wenn sich der Todestag Erzbischof Oscar Romeros am 24. März zum 30. Mal jährt, verneigt sich nicht nur ganz El Salvador vor einem der prominentesten und populärsten Kirchenführer Lateinamerikas. Erst kürzlich besuchte der wohl mächtigste Politiker des Kontinents, Brasiliens Staatspräsident Luiz Inacio "Lula" Da Silva, die Kathedrale in San Salvador, um am Grab des Kirchenmannes für einige Augenblicke innezuhalten.
Seit Mitte der 1990er-Jahre läuft ein Seligsprechungsprozess bei der zuständigen Kongregation in Rom. Für die Menschen in El Salvador jedoch ist Oscar Romero aber schon längst ein Heiliger. Erst im vergangenen Jahr gingen Tausende Gläubige mit Bildern des Erzbischofs auf die Straßen der Hauptstadt, um eine öffentliche Entschuldigung des Staates für den Mord vor 30 Jahren zu fordern, der weltweit mit Bestürzung aufgenommen wurde.
Regierung nimmt an Gedenkfeiern teil
Ein Anfang scheint gemacht: In diesem Jahr wird erstmals auch die Regierung des mittelamerikanischen Landes an den Gedenkfeierlichkeiten teilnehmen, wie ein Sprecher bestätigte. Die Ankündigung nährte Spekulationen, wonach der sozialdemokratische Präsident Mauricio Funes im Rahmen der Feierlichkeiten mit einer offiziellen Entschuldigung versuchen will, die immer noch tiefen Gräben der Gesellschaft zu überwinden. Denn Romeros Tod markierte den Beginn eines blutigen Bürgerkriegs in El Salvador, dessen Folgen bis heute zu spüren sind.
Zunächst pflegte er Kontakte zu den Mächtigen
Geboren wurde Oscar Arnulfo Romero y Galdamez am 15. August 1917 in Ciudad Barrios an der Grenze zu Honduras. Nach Studien in Rom wurde er 1942 zum Priester geweiht. Er war zunächst Sekretär des Bischofs von San Miguel, dann Generalsekretär der salvadorianischen Bischofskonferenz und Exekutivsekretär des Rates der Bischöfe von Zentralamerika. Nach zweijähriger Amtszeit als Bischof von Santiago de Maria wurde Romero am 23. Februar 1977 zum Erzbischof von San Salvador ernannt. Er galt zu diesem Zeitpunkt als frommer und korrekter Gelehrter und pflegte gesellschaftliche Kontakte mit den Mächtigen.
Wenige Tage nach der Ernennung begann im März 1977 mit Morden an den Jesuiten P. Rutilio Grande und P. Alfonso Navarra das dunkelste Kapitel in der Geschichte von El Salvador. Nachdem der am 20. Februar 1977 gewählte Präsident General Carlos Humberto Romero aus der rechten PCN-Partei die Macht übernommen hatte, entbrannte im Lande eine groß angelegte Kampagne gegen angebliche "Kommunisten", die auch im Klerus vorhanden seien. Auch P. Grande wurde zu ihnen gezählt. Der populäre Jesuit und Vertraute Romeros arbeitete in einem der ärmsten Gebiete von El Salvador, in Aguilares.
"Stimme der Stimmlosen"
Für die Basisgemeinden hatte Romero davor noch wenig Verständnis; er warf ihnen sogar "Einmischung in politische Angelegenheiten" vor. Massaker an Demonstranten gegen die brutale und korrupte Regierung sowie die Ermordung Rutilio Grandes ließen den Erzbischof innerhalb weniger Monate zur "Stimme der Stimmlosen" werden. In seinen im Radio übertragenen Sonntagspredigten verurteilte er immer offener das Verhalten der Herrschenden, aber auch die Menschenrechtsverletzungen der linken Guerillabewegung FMLN. Die Kirchenmitarbeiter rief er zum entschiedenen Einsatz für gerechte Lebensverhältnisse auf.
Präsident Carlos Humberto Romero führte unterdessen eine brutale Unterdrückung jeder Opposition durch. Als Reaktion bildete sich 1979 die linksgerichtete "Demokratische Revolutionäre Front" (FDR). Sechs ihrer Führer wurden von der Armee ermordet.
Am 15. Oktober 1979 wurde General Romero von Offizieren gestürzt. Es kam zur Bildung einer zivil-militärischen Junta, unter Einschluss des Sozialdemokraten Guillermo Ungo. Ungo und zwei andere zivile Mitglieder verließen jedoch im Jänner 1980 die Junta aus Protest gegen den sich immer stärker abzeichnenden Rechtsruck. Jose Napoleon Duarte von der ebenfalls rechtsstehenden PDC wurde nun Juntachef.
Hintergründe des Attentats bis heute ungeklärt
Nun begann sich der Terror rechtsextremistischer Todesschwadronen mit engen Verbindungen zur Armee auszuweiten. Am 24. März 1980 kam es schließlich zur spektakulären Ermordung Erzbischof Oscar Romeros am Altar, bei einer Messfeier in der Kapelle des "Hospital de La Divina Providencia" im Stadtteil Colonia Miramonte von San Salvador.
Die Hintergründe des Attentats sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Die mutmaßlichen Drahtzieher wurden nie verurteilt. Nach Erkenntnissen einer unabhängigen Wahrheitskommission, die sich um die Aufklärung von Verbrechen während des Bürgerkrieges in El Salvador bemüht, war Roberto D'Aubuisson geistiger Urheber des Mordes.
D'Aubuisson war Major der salvadorianischen Armee und Chef der berüchtigten Todesschwadronen. Später gründete er die rechtskonservative ARENA-Partei und trat - erfolglos - um das Amt des Staatspräsidenten an. 1992 starb er an einer Krebserkrankung.
Präsident Funes, der erste Regierungschef El Salvadors seit mehr als 20 Jahren, der nicht der ARENA-Partei angehört, versprach während des Wahlkampfes, die Hintergründe des Mordes nochmals untersuchen zu lassen. Auch die Bischöfe des Landes hoffen auf ein Zeichen aus Rom: Erst vor wenigen Wochen schrieben sie an Papst Benedikt XVI. und baten um einen baldigen Abschluss des Seligsprechungsverfahrens.
Ungeachtet dessen will Funes am 24. März in der Nähe des internationalen Hauptstadtflughafens eine offizielle Gedenkstätte einweihen - "zur Erinnerung an unseren Märtyrer-Bischof", wie er betont. Als sicher gilt zudem, dass das Parlament einer Anfrage zustimmen wird, den 24. März künftig als nationalen Gedenktag zu begehen.
Im Mittelpunkt der Verehrung dürfte aber auch künftig Romeros Grab stehen. Das suchte schon Papst Johannes Paul II. 1983 bei seiner ersten Reise nach El Salvador auf - entgegen Ratschlägen aus seinem Mitarbeiterstab. "Der Papst muss dorthin", sagte er; "es ist ein Bischof, der ausgerechnet in der Mitte seines Hirtendienstes getötet wurde, bei der Feier der Heiligen Messe".
"Problem für Rom"
Die salvadorianische Bischofskonferenz hatte im Dezember 2009 Rom gebeten, zum 30. Jahrestag seiner Ermordung die Seligsprechung zu verkünden. Innerhalb der Kirche ist die Haltung gegenüber dem Märtyrerstatus Romeros allerdings nicht einheitlich.
Der Vatikan hatte 2005 die Rechtgläubigkeit der Theologie des ermordeten Erzbischofs bestätigt. In der Folge erwarteten viele eine rasche Entscheidung zugunsten einer Seligsprechung, doch sie wurden enttäuscht, als der Vatikan dann im Februar 2008 bekanntgab, dass die Dinge nicht so einfach seien. Im Verfahren zur Seligsprechung Romeros seien Zweifel an den Motiven seiner Ermordung aufgekommen, so dass das Verfahren länger dauern werde als geplant.
Der damalige Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Jose Saraiva Martins, erläuterte, dass als Motiv für die Anerkennung des Martyriums der Ermordung der Hass gegen den Glauben (odium fidei) ausschlaggebend sein müsse und nicht allein politische oder soziale Gründe. Für eine Erhebung in den Märtyrerstand müsse jeder Aspekt der Umstände des Martyriums geklärt werden
Das Problem trat in einer Aussage Prälat Rafael Urrutias zutage, der als Postulator im Auftrag der Salvadorianischen Bischofskonferenz für das Verfahren arbeitet: "Man muss sehen: Romero wurde von Katholiken ermordet, von Menschen desselben Glaubens. Das ist ein Problem für Rom, denn Märtyrer werden normalerweise nicht von Katholiken geschaffen, sondern von anderer Seite."
Linktipp:
» Biographie von Erzbischof Oscar Romero
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| Märtyrer des 20. Jahrhunderts an der Westminster Abbey (Westwand; v.l.n.r.): Maximilian Kolbe, Manche Masemola, Janani Luwum, Grand Duchess Elizabeth of Russia, Martin Luther King, Óscar Romero, Dietrich Bonhoeffer, Esther John, Lucian Tapiedi und Wang Zhiming |