Papst zu Missbrauch: "Beschämung und Demütigung"
In einer Pontifikalmesse in London hat Papst Benedikt XVI. erneut sein "tiefes Bedauern" gegenüber den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Kleriker zum Ausdruck gebracht
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London, 18.09.2010 (KAP) In einer Pontifikalmesse in London hat Papst Benedikt XVI. erneut sein "tiefes Bedauern" gegenüber den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Kleriker zum Ausdruck gebracht. Er empfinde "Beschämung und Demütigung" angesichts der "unbeschreiblichen Verbrechen", sagte das 83-Jährige am Samstag in der Westminster Cathedral. Die Folgen des Skandals sollten als "Strafe zur Heilung der Opfer, zur Läuterung der Kirche und zur Erneuerung ihres uralten Engagements in der Erziehung und Sorge um junge Menschen beitragen".
Für die Opfer hoffe er, "dass die Kraft der Gnade Christi, sein Versöhnungsopfer, ihrem Leben eine tiefgreifende Heilung und Frieden bringen möge". Zugleich betonte er, ihr Leiden sei durch "die Sünden einer geringen Anzahl von Priestern" verursacht. Offen blieb, ob Benedikt XVI. außerhalb des offiziellen Programms persönlich mit Missbrauchsopfern zusammentrifft.
Die Messe am Sitz des Londoner Erzbischofs Gerard Nichols war der religiöse Höhepunkt des Papstbesuchs in der britischen Hauptstadt. Der Feier wohnten zahlreiche Vertreter anderer Konfessionen bei, unter ihnen der anglikanische Primas Rowan Williams.
Die 1903 geweihte neobyzantinische Kathedrale hat eine große Bedeutung für die Beziehungen der katholischen Gemeinschaft zur anglikanischen Staatskirche. Hier nahm Königin Elizabeth II., ihrerseits Oberhaupt der Church of England, 1995 als erste Monarchin seit der Kirchentrennung im 16. Jahrhundert an einer ökumenischen Feier in einem katholischen Gotteshaus teil.
Benedikt XVI. stellte das Leiden Christi am Kreuz in den Mittelpunkt seiner Predigt. Dabei würdigte er die Christen, "die gerade jetzt um ihres christlichen Glaubens willen Diskriminierung und Verfolgung erleiden". Weiter erinnerte er an historische Debatten über die Opfertheologie zwischen Reformation und Katholizismus. In England hätten viele die Beibehaltung der Messfeier "standhaft und um einen hohen Preis verteidigt", so Benedikt XVI.
Laien besäßen eine "unverzichtbare Rolle" in der katholischen Kirche, betonte der Papst. Er rief die Gläubigen auf, sich mit aller Kraft für die Verteidigung "unveränderlicher moralischer Wahrheiten" einzusetzen. Diese stünden an der Basis einer menschlichen und gerechten Gesellschaft. Kirche und Gesellschaft brauchten dringend "Zeugnisse für die Schönheit der Heiligkeit, Zeugnisse für den Glanz der Wahrheit", sagte der Papst.
Herzlicher und begeisterter Empfang
Im Anschluss an die Messe fand vor der Kathedrale ein Treffen mit 3.000 Jugendlichen - Vertretern sämtlicher Pfarren in England und Wales und Mitglieder von Jugendorganisationen und Verbänden - statt. Bei der Eröffnung des Gottesdienstes hatte Erzbischof Vincent Nichols seine Freude über den herzlichen und begeisterten Empfang ausgedrückt, der dem Papst in den vergangenen Tagen bereitet wurde.
Im Verlauf des Nachmittags war ein Treffen mit älteren Menschen in einem kirchlichen Heim in Südlondon vorgesehen. Stimmungsvoller Höhepunkt des Tages sollte dann am Abend ein Gebet mit 80.000 Menschen im Londoner Hyde Park werden. Das Event im Stil von Weltjugendtagsfeiern sollte auf die Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman (1801-1890) einstimmen. Auch Jugendliche und Jugendpastoral-Verantwortliche aus europäischen Ländern wurden erwartet, darunter der österreichische "Jugend-Bischof" Franz Lackner.
Mit der Seligsprechung von Kardinal Newman endet am Sonntag in Birmingham die 17. Auslandsreise von Benedikt XVI. Erstmals nimmt der Papst persönlich eine Seligsprechung vor; normalerweise beauftragt er gemäß seiner nach der Papstwahl 2005 erlassenen Neuregelung damit Kardinäle, und nur Heiligsprechungsfeiern - als Feiern der Weltkirche - leitet er selbst. Bei dem von ihm hochverehrten Theologen John Henry Newman macht Benedikt XVI. eine Ausnahme von dieser Regel.
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