"Pro Oriente"-Präsident Marte solidarisch mit Kopten
Solidaritätsadresse an den koptisch-orthodoxen Bischof Anba Gabriel im Hinblick auf die Ereignisse von Kairo
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Wien, 10.10.2011 (KAP) Der Präsident der ökumenischen Stiftung "Pro Oriente", Hans Marte, hat dem koptisch-orthodoxen Bischof für Österreich, Anba Gabriel, eine Solidaritätsadresse im Hinblick auf die blutige Niederschlagung einer Demonstration koptischer Bürger in Kairo übermittelt. Marte bezeichnete in einer Aussendung der Stiftung am Montag die Ereignisse auf dem Maspero-Platz vor dem Gebäude des ägyptischen Fernsehens als einen "vernichtenden Schlag gegen die Hoffnungen, die die koptischen Bürger Ägyptens mit der Zeit nach den revolutionären Ereignissen und der Übergangsregierung verbunden haben". Den Angehörigen der zahlreichen Opfer und der koptischen Kirche als ganzer drücke die Stiftung "Pro Oriente" ihr tiefes Mitgefühl und ihre Solidarität aus.
Laut "Pro Oriente" hat der koptisch-katholische Patriarch, Kardinal Antonios Naguib, seine Sorge im Hinblick auf die Zukunft des Landes geäußert. Zugleich hoffe er nach wie vor auf ein neues Ägypten auf der Basis der Bürgerrechte und der staatsbürgerlichen Gleichheit ohne jede religiöse Diskriminierung.
Der Patriarch bedauerte, dass die Attacken der Islamisten auf Kirchen und andere christliche Einrichtungen andauern - "immer unter dem Vorwand, dass Kirchen ohne behördliche Genehmigung errichtet würden". Auch die Erklärungen der Salafisten seien zutiefst besorgniserregend, weil sie die Christen wie "in den düstersten Zeiten des Osmanischen Reiches" behandeln wollen, so "Pro Oriente"
"Selbst unter Mubarak friedliche Demonstrationen"
Der Pressesprecher der katholischen Kirche in Ägypten, Pfarrer Rafic Greiche, gab der herrschenden Militärregierung die alleinige Schuld an den Gewaltausbrüchen am Sonntagabend in Kairo. Greiche sagte dem katholischen Hilfswerk "Kirche in Not", die ägyptische Armee hätte "einen mit Steinen, Schwertern, Stöcken und Gewehren bewaffneten Mob aus Straßenschlägern" gegen friedliche Demonstranten eingesetzt.
Im Internet kursieren unterdessen Videos, auf denen zu sehen ist, wie Panzer der ägyptischen Armee in die Demonstranten rasten. Pfarrer Greiche sagte dazu gegenüber "Kirche in Not": "Die Gewaltanwendung durch die Armee war völlig unnötig - es handelte sich um eine vollkommen friedliche Demonstration." Die Wut über die Ereignisse vom Sonntagabend sei in der gesamten Kairoer Bevölkerung spürbar. "Das ist kein interreligiöses Problem. Selbst unter Mubarak durften wir friedlich demonstrieren", erinnerte der Pfarrer. Das neue Regime des Premierministers Essam Sharaf stehe jedoch "solchen Formen der freien Meinungsäußerung feindlich gegenüber".
Die Demonstration am Sonntag stellte einen Protest gegen die Zerstörung einer erst im Rohbau fertiggestellten koptischen Dorfkirche in Mirinab in der Provinz Assuan durch einen islamistischen Mob dar. Die Kirche war am 1. Oktober niedergebrannt worden. Seither ist es noch zu weiteren Attacken auf Kirchen gekommen, die jeweils von Salafisten angestiftet wurden.
Angekündigt war der Protestzug für die Zeit von 17 bis 20 Uhr, wobei die Organisatoren ausdrücklich zugesichert hatten, dass sie den Verkehr nicht blockieren würden. Der Demonstrationszug - an dem sich auch demokratisch gesinnte Muslime beteiligten - begann im christlich geprägten Bezirk Shubra, sein Ziel war der Maspero-Platz vor der TV-Zentrale. Bereits auf dem Weg wurden von Islamisten Steine auf die christlichen Demonstranten geworfen und Schüsse über die Köpfe abgegeben.
Als die Demonstranten den Platz erreichten, habe das "Massaker begonnen", wie ein Augenzeuge, der koptische Priester Filopateer Gamil, laut "Pro Oriente" in einem Telefoninterview sagte. Nach Steinwürfen von vermummten Provokateuren hätten die Militärpolizisten mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen, zwei gepanzerte Armeefahrzeuge seien mit hoher Geschwindigkeit in die Menge gefahren und hätten Menschen niedergewalzt.
Andere Augenzeugen berichteten, dass die Provokateure Militärfahrzeuge in Brand gesetzt hätten, um einen Vorwand für das harte Durchgreifen zu liefern.
Nach den ersten Falschberichten musste Medienminister Osama Hekal einräumen, dass man keineswegs mit Sicherheit sagen könne, die christlichen Demonstranten hätten die Militärpolizisten angegriffen. Seit der Revolution gebe es "ausländische Kräfte", denen es darum gehe, die Institutionen zu zerstören und zu verhindern, dass Ägypten ein starker Rechtsstaat wird.