Benedikt XVI. startet zu dreitägigem Afrika-Besuch
Reise nach Benin gilt ganz Afrika - Mit Rücksicht auf seine physischen Kräfte musste Benedikt XVI. ein einzelnes Besuchsland auswählen - Für Benin sprachen viele Gründe
|
Image (img2) invalid or missing
|
|
Vatikanstadt-Cotonou, 18.11.11 (KAP) Papst Benedikt XVI. beginnt am Freitag einen dreitägigen Westafrika-Besuch. Nach einem sechsstündigen Flug landet er um 15 Uhr auf dem internationalen "Cardinal-Bernardin-Gantin-Flughafen" von Cotonou, der Verwaltungshauptstadt von Benin. Das Land war bis 1960 Bestandteil der Föderation Französisch-Westafrika. Als Republique du Dahomey wurde es vor 51 Jahren unabhängig.
Bei seiner Ankunft am Freitagnachmittag wird der Papst von Präsident Thomas Yayi Boni und den Bischöfen des Landes begrüßt. Zum Gefolge von Benedikt XVI. gehören die drei afrikanischen Kurienkardinäle Francis Arinze, Peter Kodwo Appiah Turkson sowie Robert Sarah. Außerdem zählt dazu der aus Benin stammende neue Sekretär des vatikanischen Kulturrates, Bischof Barthelemy Adoukonou, sowie sein Amtskollege vom Päpstlichen Gesundheitsrat, Jean-Marie Mupendawatu, der aus der Demokratischen Republik Kongo stammt.
Der als Theologe und Religionswissenschaftler renommierte, dem Ratzinger-Schülerkreis angehörende Adoukonou war erst am 8. Oktober im Petersdom zum Bischof geweiht worden. Er war der letzte Doktorand von Joseph Ratzinger in Regensburg und ist aus dieser Zeit auch eng mit Kardinal Christoph Schönborn befreundet.
Anlass der 22. Auslandsreise des Papstes ist die feierliche Veröffentlichung des Schlussdokuments der Afrika-Synode von 2009. Benedikt XVI. wird den Text mit dem Titel "Africae munus" (Auftrag Afrikas) am Samstag bei einem Besuch in der historisch bedeutsamen Basilika von Ouidah unterzeichnen.
Am Tag darauf will er das Papier bei einer Messe im Stadion der Metropole Cotonou den Vorsitzenden aller afrikanischen Bischofskonferenzen übergeben. Auf dem Programm der zweiten Afrika-Reise des Papstes steht am Freitag auch eine Rede vor Politikern, Diplomaten und Religionsführern. Dabei dürfte es um die aktuelle Lage auf dem Kontinent gehen.
Dichtes Programm
Nach der Ankunft am Freitag begibt sich der Papst sofort in die Kathedrale, wo er am Grab des früheren Erzbischofs Isidore de Souza (1934-1999) betet. Dieser hatte als Präsident der staatlichen Übergangskonferenz nach 1990 maßgeblich zum friedlichen Wechsel des Landes von einem marxistischen Regime zur Demokratie beigetragen.
Am Samstagvormittag stattet der Papst dem Staatspräsidenten einen Höflichkeitsbesuch in dessen Amtssitz ab. Nach seiner Rede an die Politiker und Religionsführer begibt er sich ins 40 Kilometer entfernte Ouidah. Dort besucht er auch das Grab des ersten schwarzafrikanischen Kurienkardinals und Kardinaldekans Bernardin Gantin (1922-2008).
Am Samstagabend steht ein Besuch in einem von Mutter-Teresa-Schwestern geleiteten Kinderzentrum auf dem Programm. Größte Veranstaltung der Papstreise ist am Sonntagmorgen die Messe im "Stadion der Freundschaft" von Cotonou. Für den Nachmittag ist der Rückflug nach Rom vorgesehen.
Papst besucht erste Kathedrale Westafrikas
Benin ist zwar eines der kleinsten Länder Afrikas, aber es hat hohe Bedeutung für das kirchliche Leben der Region und gilt als Beispiel für einen gelungenen Beitrag der Kirche zu Demokratisierung und Frieden auf dem Schwarzen Kontinent.
Vatikansprecher P. Federico Lombardi hatte zu Wochenbeginn noch einmal betont, dass die Reise des Papstes nach Benin ganz Afrika gilt. Wegen seines hohen Alters von 84 Jahren habe Benedikt XVI. mit Rücksicht auf seine physischen Kräfte aber ein einzelnes Besuchsland auswählen müssen.
Für die Entscheidung zugunsten von Benin spreche, dass das westafrikanische Land 2011 die 150-Jahr-Feiern seiner Christianisierung begehe, hatte Lombardi unterstrichen. Zudem habe Ouidah mit seinem Priesterseminar und der ersten Kathedrale in Westafrika eine überregionale Bedeutung.
Der historisch bedeutsamste Kirchenbau Westafrikas, die vor mehr als einem Jahrhundert erbaute Basilika der Unbefleckten Empfängnis in der alten Metropole Ouidah, wurde deshalb als Ort der Unterzeichnung des Synodenpapiers auserwählt. Der Papst wird es am Samstag viermal signieren - in den Kontinentalsprachen Englisch, Französisch und Portugiesisch sowie in Italienisch. Am Tag danach wird er es bei einer Messe im Stadion von Cotonou offiziell den Vorsitzenden aller 35 afrikanischen Bischofskonferenzen sowie der 7 übernationalen Zusammenschlüsse überreichen.
In den vergangenen Monaten war aus den Beratungsergebnissen, die die Synodalen in 57 Thesen zusammenfassten mit Unterstützung des Synodenrates das Schlussdokument erstellt worden, endredigiert von Benedikt XVI.
Voodoo-Kult tief verwurzelt
Benins Neun-Millionen-Bevölkerung ist zu je rund 25 Prozent katholisch und muslimisch. Der Papst trifft muslimische Religionsführer, aber auch Repräsentanten der Naturreligionen.
Insbesondere der Voodoo-Kult ist in Benin tief verwurzelt. Die Angaben über die Zahl der Anhänger schwanken zwischen 20 und 70 Prozent. Denn trotz Taufe - oder Bekenntnis zu Allah - halten viele es für sicherer, neben dem Priester oder dem Imam auch den Medizinmann oder Geisterbeschwörer zu konsultieren.
Die katholische Mission in Benin reicht zwar ins 17. Jahrhundert zurück, als die Portugiesen hier Elfenbein- und Sklavenhandelsstützpunkte unterhielten. Allerdings erfolgte der Aufbau der kirchlichen Strukturen erst durch die Ankunft der Ordensgemeinschaft "Société des Missions Africaines" (SMA) im Jahr 1861.