"Pax Christi" begrüßt Diskussion um Eurofighter
Sicherheitsexperte der katholischen Friedensbewegung sieht "viele Argumente gegen Diktum, Österreich sei nur dann neutral, wenn es Eurofighter habe"
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Linz, 03.01.2012 (KAP) Eine "Danke an den SP-Geschäftsführer für die Neubelebung der Diskussion" um die Eurofighter hat Klaus Heidegger, Sicherheitsexperte der katholischen Friedensbewegung "Pax Christi" ausgesprochen. In einer Aussendung im Anschluss an den Vorstoß von Günther Kräuter, Abfangjäger zu verkaufen, nennt Heidegger "viele Argumente gegen das Diktum, dass Österreich nur dann neutral sei, wenn es Eurofighter habe": Immerwährende Neutralität bedeute vorrangig, sich nicht an Kriegen und an deren Vorbereitung zu beteiligen. "Eurofighter machen hingegen Österreich im Verbund mit der europäischen Sicherheitsarchitektur kriegsfähig", so der "Pax Christi"-Vertreter. In diesem Sinne würde gerade die Neutralität Österreichs "die Rückgabe der Eurofighter nahe legen".
Einwände äußert Heidegger gegen "die Logik, den heimischen Luftraum militärisch abzusichern". Das würde einen militärischen Schutzschirm erfordern, "den die bestgerüstete Großmacht nicht bieten könnte". Und es stelle sich die Frage, ob Österreich nicht mehr neutral sei, wenn die Eurofighter unter bestimmten Wetterbedingungen nicht starten können. Die zwangsläufige Verbindung von Luftraumsicherheit und Neutralität sei nicht nachvollziehbar und halte "selbst militärtechnischen Vorgaben nicht Stand".
Heidegger führt auch finanzielle und ökologische Überlegungen ins Treffen: Eine Eurofighter-Flugstunde entspreche mit 66.000 Euro Kosten dem mittleren Jahreseinkommen eines Soldaten. Die Betriebskosten für die Eurofighter hätten sich im Zeitraum bis 2013 verdoppelt und würden mit 100 Millionen Euro beziffert. Ein Eurofighter verbrauche pro Stunde durchschnittlich 3.500 Liter Flugkraftstoff und erzeuge dabei ca. 11.000 Kilogramm des für den Treibhauseffekt verantwortlichen Kohlendioxids. Fazit von "Pax Christi" somit: Der Verkauf der 15 österreichischen Eurofighter würde die anhaltende Vergeudung knapper Steuergelder für ein ökologisch äußerst bedenkliches und neutralitätspolitisch sinnloses Projekt zu Ende bringen.
Es gelte den Blick auf die "realen Bedrohungsbilder" zu richten, so Heidegger weiter: Zunehmende wirtschaftliche Abhängigkeiten Österreichs würden den Handlungsspielraum und die Souveränität des Landes infrage stellen. Es gebe Gefahrenpotenzial durch Terror, gegen den sich selbst Länder mit einer vielfachen Menge an Kampfjets nicht schützen könnten. Weiterhin würden grenznahe Atomkraftwerke eine Gefahrenquelle bilden. "Für solche Gefährdungen würden wir den Blick frei bekommen, wenn die sündteure Mär vom sicheren Luftraum durch Kampjets endlich an sein Ende kommt", betonte Heidegger abschließend.
SPÖ-Politiker uneins
SP-Geschäftsführer Kräuter hatte in der "Tiroler Tageszeitung" (Montag-Ausgabe) dafür plädiert, die Eurofighter innerhalb der Europäischen Union zum Verkauf anzubieten. Als Staat sei man "vor allem souverän, wenn man die Schulden im Griff hat und auf Wachstum achtet. Dazu brauchen wir keine Abfangjäger."
Eine deutliche Absage dazu kam umgehend aus Kräuters eigener Partei: Verteidigungsminister Norbert Darabos nannte seinen Vorschlag "nicht ausgegoren". Die Überwachung des österreichischen Luftraumes werde nicht an Nachbarstaaten abgegeben.