Belo Monte: Bianca Jagger appelliert an "Andritz AG"
Trägerin des "Alternativen Nobelpreises" fordert Ausstieg des Unternehmens aus Megastaudammprojekt - Dreikönigsaktion: Kampf dagegen bis zuletzt
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Wien, 30.05.12 (KAP) Mit einem energischen Appell, das umstrittene brasilianische "Belo Monte"-Projekt am Xingu-Fluß nicht zu unterstützen, hat sich Bianca Jagger am Mittwoch in Wien an die Öffentlichkeit gewandt. "Ich habe die betroffenen Regionen besucht und die schrecklichen, zerstörerischen Auswirkungen gesehen, die 'Belo Monte' auf die Umwelt und die Menschen hätte", sagte Jagger bei einer Pressekonferenz mit Vertreterinnen von WWF und Dreikönigsaktion. Das Projekt wäre "eine irreversible Umweltzerstörung", so Jagger. Die Trägerin des "Alternativen Nobelpreises" (2004), die sich seit rund 30 Jahren weltweit für Menschenrechte und Umweltschutz engagiert, kritisierte vor allem auch die Beteiligung des österreichischen Unternehmen "Andritz AG" an dem Projekt.
Für den Bau des Megastaudamms "Belo Monte" müssten rund 80 Prozent des Xingu-Flusses abgeleitet, ein Gebiet von mehr als 500 Quadratkilometer Amazonas-Regenwald überflutet und mindestens 20.000 Menschen umgesiedelt werden. Mit einer Kapazität von elf Gigawatt wäre "Belo Monte" der drittgrößte Staudamm der Welt.
"Ich bin ein großer Freund von Österreich und verbringe viel Zeit in Wien und Salzburg", erklärte Jagger. Sie sei aber traurig darüber gewesen, dass das Unternehmen sogar den "Österreichischen Staatspreises für Umwelt- und Energietechnologie" erhalten habe (2010). "Wie kann das sein?", fragte die "Council of Europe"-Botschafterin bei der Pressekonferenz. "Wenn ich Vertreter von 'Andritz AG' treffe würde, würde ich sie an ihre soziale Verantwortung erinnern", so Jagger, die im Rahmen ihres Wien-Besuchs auch mit heimischen Regierungsvertretern zusammenkommen wird.
"Was ist an 'Belo Monte' grün?"
Jagger hat bei ihrem Brasilien-Besuch im April in Vorbereitung auf die "Rio+20-Konferenz" der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung auch den aus Vorarlberg stammenden Bischof von Altamira-Xingu, Erwin Kräutler getroffen. Kräutler - er ist ebenfalls Träger des "Alternativen Nobelpreises" - kämpft bereits seit Jahren vehement für die Menschen im Amazonas-Gebiet. Bischof Kräutler habe ihr vom brasilianischen Spruch "so para ingles ver" ("for the English to see") erzählt, der aus der Zeit des Sklavenhandels stammt und Beschönigungen auf den Punkt bringt. Die Verantwortlichen würden den Megastaudamm als "grünes Projekt" verkaufen. "Was ist an 'Belo Monte' grün? Es war hier einmal grün", habe Kräutler zu ihr gesagt.
Die Gründerin der "Bianca Jagger Menschenrechtsstiftung" nahm in Wien auch die weiteren beteiligten Unternehmen sowie die brasilianische Regierung in die Pflicht. Das Staudammprojekt noch zu stoppen sei eine "beinahe unmögliche Aufgabe", so Jagger. Aber solange es noch nicht fertig sei, "solange ist es nicht unmöglich". Jagger: "Solange ich die Stimmen der betroffenen Menschen - der Fischer, der Einheimischen, der Frauen und Kinder, des Bischofs und allen, die mich darum bitten - vernehme, solange werde ich dagegen kämpfen."
Menschenrechtsverletzungen nicht unterstützen
Auch Anna Hirtenfelder von der Dreikönigsaktion erneuerte ihre Kritik an "Belo Monte" und der Beteiligung der "Andritz AG". Das Hilfswerk der Katholischen Jugendschar fordert seit langem einen Baustopp des "Monsterstaudamms". "Wir sind der Meinung, dass ein Land wie Österreich nicht Unternehmen unterstützen und auszeichnen kann, die sich bei solchen Menschenrechtsverbrechen engagieren", sagte Hirtenfelder. Man fordere "Andritz AG" und die brasilianische Regierung auf, "die grüne Lunge unserer Erde" nicht weiter zu zerstören.
Das größte Problem derzeit sei, "dass die brasilianische Regierung eine Politik der vollendeten Tatsachen verfolgt und meint, dass sie durch das Ignorieren von internationalen Hilferufen und internationalen Völkerrechtsabkommen die Menschen einfach vor vollendeten Tatsachen setzen, den Bau fertig machen und dann wird nicht mehr darüber diskutiert. Aber wie Bianca Jagger sagte: Man muss sich bis zuletzt einsetzen."
"Auch direkte Auswirkungen auf uns"
"Andritz AG" müsse sich "aus dem Zerstörungsprojekt am Amazonas zurückziehen", forderte auch WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger bei der Pressekonferenz. Aichberger machte vor allem darauf aufmerksam, dass das betroffene Gebiet "für die ganze Welt von großer Bedeutung ist".
Aichberger: "Wenn wir vom Amazonas-Regenwald sprechen, dann sprechen wir vom größten Regenwald der Welt, und der hat auch direkte Auswirkungen auf uns hier." Sie warnte u. a. vor Klimaveränderungen und Änderungen des Grundwasserspiegels. Die Folgen davon wiederum seien noch nicht abschätzbar.