Benedikt XVI. dankt österreichischen Pfarrgemeinderäten
Vatikanstadt, 7.2.07 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat den österreichischen Pfarrgemeinderäten für ihre Arbeit gedankt; eine Delegation von 50 Pfarrgemeinderatsmitgliedern aus den verschiedenen österreichischen Diözesen hatte in Begleitung der Diözesanbischöfe Egon Kapellari und Alois Schwarz am Mittwoch an der Generalaudienz des Papstes im Vatikan teilgenommen. Vier Pfarrgemeinderatsmitglieder - Gisela Baumgartner (Diözese Linz), Silvia Maria Frick (Diözese Feldkirch), Johann Machowetz (Militärdiözese), Karl-Heinz Weinrad (Erzdiözese Wien) - überreichten Benedikt XVI. eine Ausgabe der "Apostelgeschichten der Gegenwart", in der 656 österreichische Pfarren schildern, welche Herausforderungen und Erfolgserlebnisse in den letzten fünf Jahren in ihrem jeweiligen Seelsorgebereich zu verzeichnen waren. Benedikt XVI. blätterte interessiert in dem Kompendium, dankte den Pfarrgemeinderatsmitgliedern für ihre Mühe und wünschte ihnen alles Gute für ihren weiteren Einsatz. Die Bischöfe Kapellari und Schwarz und die vier Pfarrgemeinderatsmitglieder betonten in der Begegnung mit Benedikt XVI., wie sehr sich die österreichischen Katholiken auf den Papstbesuch zum 850-Jahr-Jubiläum von Mariazell im September freuen: "Willkommen in Mariazell".
Die "Apostelgeschichten der Gegenwart" entstand, als 656 der rund 3.000 österreichischen Pfarren der Einladung der Bischöfe folgten, auf den Spuren der biblischen Apostelgeschichte des Evangelisten Bilanz über die jetzt auslaufende fünfjährige Funktionsperiode der Pfarrgemeinderäte zu ziehen (am 18. März finden in ganz Österreich Neuwahlen für die Pfarrgemeinderäte statt). "Im Zentrum der Apostelgeschichte aus den Pfarrgemeinden steht, wie die Menschen in unserem Land ihren Glauben leben, was ihnen Freude macht und wie sie das pfarrliche Leben gestalten", so der Kärntner Bischof Alois Schwarz, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für pastorale Fragen zuständig ist. Die Begeisterung der Pfarrgemeinderäte für diese Aktion habe alle Erwartungen übertroffen. Die so entstandenen "Zeugnisse lebendiger Gemeinden" bilden jetzt die "Apostelgeschichten der Gegenwart". "Ich bin dankbar, dass es so viele Menschen in unserem Land gibt, die das Leben der Kirche mittragen, ihr ein Gesicht geben und das Evangelium konkret und anschaulich leben", betonte Bischof Schwarz.
44 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden
Die herausragende Bedeutung der Pfarrgemeinderäte für das Leben der Kirche in Österreich betonte auch Wolfgang Müller, Referent für die Pfarrgemeinderäte in der Erzdiözese Salzburg (und Sprecher seiner Kollegen aus den anderen Diözesen) bei einer Begegnung in der österreichischen Nationalstiftung Santa Maria dell'Anima: "Der Pfarrgemeinderat ist das Rückgrat des ehrenamtlichen Engagements in unseren Pfarren." Jährlich würden die rund 30.000 gewählten Pfarrgemeinderats-Mitglieder rund 4,4 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden leisten, so Müller. Hinter jedem Pfarrgemeinderatsmitglied stünden dann im Schnitt nochmals zehn weitere Frauen und Männer, die sich für das pfarrliche Leben engagieren. "Insgesamt sind das also rund 44 Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit, die jedes Jahr in den Pfarren geleistet wird", schätzt Müller.
Lebendige Gemeinden brauchen Pfarrgemeinderäte
"Die Pfarrgemeinderäte sind eine Frucht des Konzils. Sie bringen in unsere Pfarren das ein, was ihnen von ihrer persönlichen Glaubenssituation her wichtig ist", erklärte auch Prälat Balthasar Sieberer. Er ist Leiter des Seelsorgeamts der Erzdiözese Salzburg und leitet die österreichweite Vorbereitungsgruppe für die Pfarrgemeinderatswahlen am 18. März 2007. "Die Pfarrgemeinderatswahlen sind wichtig, weil es darum geht, jemandem das Vertrauen auszusprechen, dass er sich gut für die Gemeinde einsetzt", so Sieberer. Dies sei besonders in Pfarren, deren Pfarrer nicht im Ort lebt, von besonderer Bedeutung. Zugleich hätten die Pfarrgemeinderäte auch bewirkt, dass Priester und Laien einander auf gleicher Augenhöhe begegnen - mit dem Ziel, dass "Glaube, Hoffnung und Liebe im Mittelpunkt stehen".
Insgesamt sind in Österreich derzeit 43.500 Frauen und Männer in den Pfarrgemeinderäten tätig. Rund 30.000 von ihnen werden bei den alle fünf Jahre stattfindenden Pfarrgemeinderatswahlen gewählt. Die anderen 13.000 setzen sich aus amtlichen Mitgliedern, wie Priestern, Diakonen und Pastoralassistenten sowie aus Personen zusammen, die für bestimmte Aufgaben delegiert werden (z.B. als Vertreter der Jugend). Fast 53 Prozent der Pfarrgemeinderatsmitglieder sind Frauen. Die ersten diözesanweiten Wahlen hatten 1969 in der Erzdiözese Salzburg statt gefunden. Seit 1987 werden die Pfarrgemeinderatswahlen in ganz Österreich am selben Tag durchgeführt.