"Langen Nacht der Kirchen": mehr als 320.000 Besuchern
Veranstalter zogen positive Bilanz - Nächste "Lange Nacht der Kirchen" ist für 24. Mai 2013 geplant
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Wien, 01.06.12 (KAP) Mehr als 320.000 Menschen sind österreichweit am 1. Juni 2012 zu den rund 2.600 Veranstaltungen der "Langen Nacht der Kirchen" gekommen. Das haben die Veranstalter zum Ende der "Langen Nacht" bekanntgegeben. In der Erzdiözese Wien (Stadt Wien und östliches Niederösterreich) waren bei der "Langen Nacht der Kirchen" insgesamt 162 Gotteshäuser offen. Mehr als 900 Programmangebote standen zur Wahl.
Anziehungspunkte waren in Wien neben dem Stephansdom, der mit einer beeindruckenden Lichtinstallation von Victoria Coeln neue Blickwinkel eröffnete, wie immer die außergewöhnlichen Programmpunkte: Viele ließen sich die vielen Stufen auf die Kirchtürme nicht nehmen, um den Blick auf die nächtliche Stadt zu werfen. Andere genossen die musikalischen Highlights, die in vielen Kirchen geboten wurden, und manche suchten die Stille der Gotteshäuser, um sich der Frage nach dem Glauben oder dem Sinn zu stellen. Großen Zulauf gab es zu jenen Orten in den Kirchen, die für Kirchenbesucher normalerweise nicht zugänglich sind - wie Sakristeien, Krypten und Klostergänge. Die nächste "Lange Nacht der Kirchen" ist für 24. Mai 2013 geplant.
70.000 Besucher in Oberösterreich
Rund 70.000 Personen verzeichnete die Diözese Linz bei der "Langen Nacht". Viele Facetten kirchlichen Lebens wurden in Oberösterreich in 100 Kirchen und Kapellen gezeigt. Alle christlichen Kirchen in Oberösterreich beteiligten sich daran und öffneten ihre Tore von der evangelischen Kirche in Hallstatt bis zur katholischen Kirche in Grünau im Almtal.
Bei der ökumenischen Vesper am Beginn der Langen Nacht der Kirchen im Linzer Mariendom wurde die Vielfalt der Christen in Oberösterreich sichtbar. Vertreter und Gläubige der neun christlichen Kirchen Oberösterreichs betonten im gemeinsamen Gottesdienst. "In dieser Nacht werden Glaube und kirchliches Leben in unzähligen Ausdrucksformen in einzigartiger Dichte und mit allen Sinnen erlebbar", so der evangelische Superintendent Gerold Lehner in seiner Predigt.
In der Pfarrkirche St. Matthias waren Schubhaftseelsorge und das Leben von Asylwerbern Thema. Schubhaftseelsorgerin Maria Fischer: "Die Situation der Menschen in Schubhaft ist sehr schwierig, es ist eine seelische oder psychische Ausnahmesituation." Seelsorge in der Schubhaft könne Menschen helfen, ihre Enttäuschung, Not und Orientierungslosigkeit zu überwinden und neue Ziele für ihr Leben zu entdecken.
Während der "Langen Nacht" fand in der Linzer Jesuitenkirche ein "glaubensFest" der Katholischen Jugend gemeinsam mit den apostolischen Erneuerungsbewegungen statt. Über 200 Jugendliche beschäftigten sich mit der biblischen Erzählung von der Hochzeit in Kana.
Die Pfarrkirche in Grünau im Almtal beleuchtete ihre Kirche in neuen Farben und führte BesucherInnen an unbekannte Orte der Kirche. Ein "Rockoratorium" wurde in der Pfarrkirche Friedburg aufgeführt und in der evangelischen Kirche in Hallstatt war unter dem Titel "Views of Life" Rockmusik für die Seele zu hören. In der Stadtpfarrkirche Steyr war die Meditation im Kirchturm wieder ein besonderer Anziehungspunkt in der Langen Nacht der Kirchen und in Wels servierte der Treffpunkt mensch&arbeit Solidaritätskaffee bei Gesprächen über gerechte Arbeitsbedingungen.
Besuchersteigerung in Salzburg
Trotz Kälte und leichten Regens waren mit rund 13.000 Besuchern wieder mehr Interessenten als im Vorjahr (10.000) in der Erzdiözese Salzburg unterwegs. "Die Lange Nacht der Kirchen lädt uns ein, gegen die Dunkelheit anzugehen", sagte Domdechant Hans Walter Vavrovsky beim ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt der "Langen Nacht der Kirchen" im Salzburger Dom.
In seiner Predigt wies der rumänisch-orthodoxe Erzpriester Dumitru Viezianiu darauf hin, dass in allen Religionen das Licht eine besondere Bedeutung habe. Für die Christen sei Jesus das Licht der Welt. "In der Langen Nacht der Kirchen sollten wir uns bewusst sein, dass wir füreinander Licht sein können", betonte Viezianiu.
Vor dem Dom machten junge Frauen und Männer der Young Caritas mit einem "smartmob" durch Tellertrommeln darauf aufmerksam, dass alle zwölf Sekunden ein Kind an Hunger stirbt. Ab 20 Uhr lud das große Lichterlabyrinth unter der Domkuppel mit Klangschalenmusik zum Verweilen ein.
Überfüllt waren u.a. die Stiftskirche St. Peter, wo die "Comedian Charmonists" mit einem Querschnitt ihres Repertoires den Abend eröffneten. Aber auch die Margarethenkapelle (Musik und Texte verschiedener Volkskulturen) und die Katakomben (klassische Klaviermusik) und das Kinderprogramm im Kardinal-Schwarzenberg-Haus zogen die Massen an.
"Tiroler stürmten die Kirchen"
"Die Tiroler stürmten die Kirchen": Diese Erfolgsbilanz zog die Diözese nach dem Besuch von 24.000 Besuchern - "deutlich mehr als im verregneten Vorjahr" - in der "Langen Nacht der Kirchen". Bischof Manfred Scheuer äußerte angesichts dieser Zahl die Hoffnung, "dass die 'Lange Nacht' eine Zeit der Verwandlung ist. Der Verwandlung vom Glotzen zum Schauen und Staunen. Vom Sich-berieseln-lassen zum aufmerksamen Hinhören. Von der der Dumpfheit zur Achtsamkeit." Die Menschen sollten "etwas von den Freiräumen erahnen, von den Räumen der Schönheit, in denen sich Himmel und Erde berühren", wünschte sich der Bischof.
Scheuer und der Innsbrucker Caritasdirektor Georg Schärmer nahmen im Dom zu St. Jakob an einem Nachtgespräch zum Thema Hunger teil. Hunger und Armut seien eine "himmelschreiende Ungerechtigkeit", wurde Österreichs "Caritasbischof" deutlich. "Und es ist für Christen entscheidend, dass sie diesen Schrei hören und nach dem Wort Jesu Hungrigen zu essen geben." Er forderte respektvollen Umgang mit den Lebensmitteln und das Teilen von Ressourcen.
Schärmer bezeichnet den Hunger als den "größten Skandal der Menschheit", denn er sei überwiegend die Folge politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Fehlverhaltens von Menschen und Regierungen. Es gebe beherzte und engagierte Menschen, die sich für die Beseitigung des Hungers einsetzten. "Ich hoffe auf viele, viele Nachahmer", so der Caritasdirektor. "Je mehr sich engagieren, desto eher wird der Hunger abgeschafft."
Graz: Beginn in der Synagoge
Von 26.000 Interessierten an 330 Veranstaltungen in 75 steirischen Kirchen und kirchlichen Einrichtungen berichtete die Diözese Graz-Seckau. Eröffnet wurde die "Lange Nacht" erstmals mit einer interreligiösen Begegnung in der Grazer Synagoge. Stadtpfarrpropst Christian Leibnitz bezeichnet den Veranstaltungsreigen als "wesentlichen Beitrag zum ökumenischen Dialog in der Steiermark, der aber immer auch mit dem Anliegen verbunden sei, mit anderen Religionen ins Gespräch zu kommen. "Dialog ist notwendig für das Zusammenwachsen der Menschen im Kleinen wie im Großen", so Leibnitz.
Highlights in der Steiermark waren laut Diözese das sportliche Erklimmen und Erlaufen von Kirchtürmen, Elektrofahrrad-Touren zu "ökologischen Vorzeige-Pfarren" rund um Graz, ein Lichterlabyrinth im Grazer Priesterseminar, der Grazer Domchor mit Werken von Mendelssohn und Händels in der evangelischen Heilandskirche und ein hochrangiger "Fremdenführer": Bischof Egon Kapellari hatte interessierte Gäste in den Bischofhof geladen.
Kärntner Bischof am Lagerfeuer
70 Kirchen hatten in Kärnten geöffnet und mit mehr als 300 Programmpunkten gelockt. Mehr als 10.000 Besucher folgten dieser Einladung. Bischof Alois Schwarz und die Priesterseminaristen der Diözese Gurk diskutierten mit Besuchern am offenen Lagerfeuer im Domgarten. "Ich freue mich, dass Sie sich mit mir Gedanken über die Kirche machen und mit uns über brennende Glaubensfragen diskutieren", so Bischof Schwarz: "Ich freue mich über das Kommen und Gehen der Menschen in ganz Kärnten, die heute etwas erleben, kennenlernen oder neu entdecken werden".
"Die christlichen Kirchen haben ein Angebot zur Begegnung und zum Kennenlernen geschaffen, dass viele Menschen begeistert angenommen haben", resümierte Iris Binder, Kärntner Koordinatorin des Projektes.
Kerzenlicht im St. Pöltner Dom
15.000 Besucher wurden bei der "Langen Nacht" in der Diözese St. Pölten gezählt; "Menschen mit verschiedenen Beweggründen, aus unterschiedlichen Situationen und Lebensumständen", wie Dompfarrer Norbert Burmettler beim ökumenischen Eröffnungsgottesdienst im Dom von St. Pölten sagte.
Im Dom, der nur durch die Kerzen der Mitfeiernden erhellt wurde, leiteten Ordinariatskanzler Gottfried Auer, Hochschulrektor Josef Kreiml und Dompfarrer Burmettler gemeinsam mit dem evangelischen Superintendenten Paul Weiland und dem altkatholischen Pfarrer Robert Freihsl den ökumenischen Gottesdienst. Die "Lange Nacht" motiviere die Menschen, "auf die Schätze der Kirche etwas genauer hinzusehen", sagte Weiland in seiner Predigt. Vieles davon sei zwar "jeden Tag da", werde jedoch oft nicht wahrgenommen; in der Nacht gebe es dafür mehr Ruhe und mehr Zeit.