Schönborn: Einheit in Gott soll "Sozialprogramm" sein
Kardinal Schönborn zum heurigen Fronleichnamsfest:"Tut euer Möglichstes. Jeder an seinem Platz, um einen Gegentrend zu setzen, das Miteinander statt das Gegeneinander"
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Kardinal Christoph Schönborn hat beim Wiener Stadtumgang zu Fronleichnam gesellschaftliche Solidarität und Einheit in der Kirche eingefordert. Er erinnerte an das Jesus-Wort aus dem Neuen Testament "Alle sollen eins sein: Wie du in mir und ich in dir bin, Vater, so sollen sie alle eins sein" und nannte die göttliche Dreifaltigkeit mit dem russischen Philosophen Nikolai Fjodorow ein "Sozialprogramm". Schönborn wörtlich: "Das Maß der Einheit Gottes, des Dreifaltigen, soll für uns das Maß unseres Miteinanders sein."Wien, 07.06.12 (KAP)
Tausende Gläubige, darunter auch der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, nahmen an der traditionellen Stadtprozession in Wien teil.
Das "Einssein wie Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist" sei in einer Zeit, in der "das Miteinander auseinanderläuft", etwas sehr Konkretes und Dringendes, betonte Schönborn. Heute würden sich vielfach Gräben neu auftun, die überwunden schienen, und soziale Differenzen schneller wachsen als das soziale Miteinander. Der Wiener Erzbischof erwähnte dabei die Kluft zwischen "denen, die Arbeit haben und den Arbeitslosen, zwischen den Chancenreichen und den Chancenarmen, zwischen den Schönen und Reichen und den unauffälligen Armen".
Schönborn warnte vor einem "Nebeneinander", das von einem Miteinander weit entfernt sei und sogar in ein Gegeneinander münden könne.
Appell an Gläubige: "Tut euer Möglichstes"
Die Gläubigen rief der Kardinal dazu auf, mit sichtbarer Einheit ein Beispiel des Zusammenhalts zu geben: "Tut euer Möglichstes. Jeder an seinem Platz, um einen Gegentrend zu setzen, das Miteinander statt das Gegeneinander." Schönborn nannte es hoffnungsvoll, dass in Österreich die Caritas und in der evangelischen Kirche die Diakonie "vielleicht der glaubwürdigste Teil der Kirche" seien. Hier werde "dieses Füreinander und Miteinander" ganz konkret gelebt. Für viele sei die gelebte, praktizierte Caritas dann auch der Zugang zum Glauben.
Der Wiener Erzbischof forderte auch Solidarität in der derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen Situation ein: "Da wird heute Griechenland einfach nur als der Pleitestaat hingestellt, und vergessen ist, was Europa Griechenland verdankt." Schönborn erinnerte an die Gründungsväter der europäischen Einigung, die aus den schrecklichen Kriegen des 20. Jahrhunderts Konsequenzen im Sinn eines neuen Miteinanders gezogen hätten.
Angesichts von Hunger, Not und Armut sei auch die weltweite Solidarität gefragt, betonte der Kardinal. "Der Glaube an Christus, das Hinschauen zu dem, der sein Leben für uns gegeben hat, ist auch die Verpflichtung zum Miteinander mit den Notleidenden und Hungernden", so der Wiener Erzbischof.
"Für Einheit mit dem Heiligen Vater"
Angesichts de derzeit schwierigen Lage in der katholischen Kirche rief Schönborn auch zur Einheit mit dem Papst auf. Wörtlich sagte er: "Heute, im Angesicht des eucharistischen Herrn, der unter uns gegenwärtig ist im Sakrament, lade ich ein, dass wir als Glaubensgemeinschaft der katholischen Kirche die Bitte um Einheit auch im Herzen tragen. Einheit mit dem Heiligen Vater, gerade in Momenten, wo es schwierig ist, und wo wir uns vorstellen können, ahnen können, wie schwer es für ihn ist, Schwierigkeiten dieser Art zu durchleben".
Das Bemühen um Einheit sei auch in der Ortskirche - zwischen den Richtungen, die einander oft das Misstrauen aussprechen - notwendig. Schönborn rief zu Geduld auf und zu "gemeinsamer und nicht gegeneinander gerichteter Sorge um die Kirche" auf. Spannungen sind nach den Worten des Kardinals "immer auch ein Lebenszeichen". Aber sie erforderten "ein immer neues Miteinander", orientiert an der Bitte Jesu um Einheit.