Warnung vor "unsolidarischer Ungeduld mit der Kirche"
Gegen die Behauptung "vieler Stimmen in Europa", die Weltkirche sei "erstarrt", hat sich der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari in seiner Predigt am Fronleichnamsfest gewandt
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Graz-Klagenfurt-Innsbruck, 08.06.12 (KAP) Gegen die Behauptung "vieler Stimmen in Europa", die Weltkirche sei "erstarrt", hat sich der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari gewandt. In seiner Predigt am Fronleichnamsfest auf dem Grazer Hauptplatz betonte Kapellari, die Kirche "bewegt sich auch heute und sie wird sich weiter bewegen, freilich kaum in Sprüngen, sondern in Schritten, die aber allemal auch einen Weg ergeben". Der Bischof warnte vor einer "unsolidarischen Ungeduld mit der Kirche". Dadurch würde nicht nur deren Kraft geschwächt, sondern "indirekt auch die ganze heute sehr labile Gesellschaft in Europa". Umgekehrt stärke eine stabilere Kirche auch die Stabilität der Zivilgesellschaft, sagte Kapellari.
Das Leitwort der Fronleichnamsprozession in Graz war der letzte Satz des Matthäusevangeliums: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." Dieses große Versprechen Christi an seine Jünger begleite die Christenheit seit 2000 Jahren, so Kapellari. "Es ist ein Anker, an den auch wir uns anhalten können und sollen, auch wenn uns die versprochene Nähe des Herrn manchmal auf kurze oder auch quälend lange Zeit verborgen ist."
Das Wort "bei euch" meine die ganze Christenheit auf ihrem Weg durch die Geschichte, wies der Bischof hin. Aus dem Boot des Fischers und Apostels Petrus auf dem See von Galiläa sei "längst das riesige Schiff der katholischen Kirche geworden". Dieses sei heute starken Turbulenzen ausgesetzt, und wer nur Fehler und Schwächen der Kirche im Blick habe, sei versucht zu fragen, ob Jesus Christus wirklich im Boot ist. Dazu Kapellari: "Wer aber bereit ist, die ganze Wirklichkeit der Kirche zu sehen, der sieht auch ihre Schönheit und erfährt ihre Kraft."
Das vor bald 50 Jahren eröffnete Zweite Vatikanische Konzil habe bleibend unterstrichen, "dass die Kirche zur Gesellschaft in einer offenen und intensiv solidarischen Beziehung stehen soll und will". Freilich gebe es in manchen Fragen auch ein kritisches Gegenüber - Kapellari erwähnte als Beispiel Fragen des Lebensschutzes. "Wir haben durch unseren Glauben eine Botschaft, die Welt und Gesellschaft gegen alle Selbstverschließung offen halten will für Transzendenz auf Gott hin", erklärte der Grazer Bischof.
Die Frage nach der Existenz Gottes habe schon der Philosoph Immanuel Kant in der Aufklärung gestellt, sagte Kapellari. Sie sei "eine in Europa auch heute wieder virulente Frage bei wachen Geistern, während viele andere Menschen auf unserem Kontinent diese Frage ziemlich gleichgültig auf sich beruhen lassen".
"Fronleichnam führt zu Gott und zueinander"
Die gemeinschaftsbildende Bedeutung der Kirche hat der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz bei der Fronleichnamsfeier der Klagenfurter Stadtpfarren vor dem Klagenfurter Dom hervorgehoben. Kirche stelle ein soziales Netzwerk dar, das vielleicht gerade in der modernen Konfliktgesellschaft gebraucht werde, so Schwarz. Denn sie könne "Austauschprozesse" zwischen verschiedenen Gruppierungen in Gang zu setzen. In jeder Stadt gebe es Orte der Einsamkeit und zugleich "Durst nach Gemeinschaft". Die Kirche biete "ein Netzwerk von Eucharistiegemeinschaften", so der Kärntner Bischof.
Eucharistie zu feiern sei nicht Privatsache im Freundeskreis, sondern "der öffentliche Gottesdienst aller, die der Herr ruft, ungeachtet ihrer Zusammensetzung". Das Zukunftsweisende an Fronleichnam ist nach den Worten von Schwarz die "Altargemeinschaft als Mitte unserer alltäglichen Gemeinschaften, die uns zum Herrn und gleichzeitig auch zueinander führt".
Das früher "heilige" und heute vielfach zum Abfallprodukt gewordene Brot stellte der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer in den Mittelpunkt seiner Fronleichnamspredigt. Früher sei es ein Tabu gewesen, Brot wegzuwerfen. "Vor dem Anschneiden eines Laibes wurde dieser mit einem Kreuzzeichen versehen", erinnerte Scheuer. "Brot war weniger ein Konsummittel oder ein bloßes Produkt, es war vielmehr eine Gabe Gottes, die eine zentrale Bitte im Vaterunser darstellte. "Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit."
Im eucharistisch zum Leib Christi gewandelten Brot steckt nach den Worten des Bischofs "die ganze Mühe, der Schweiß der menschlichen Arbeit, da steckt der Alltag drinnen, das tägliche gemeinsame Essen, das Mahl-Halten". Wenn Jesus dieses Brot zum Sakrament macht, so wolle er damit sagen: "Ihr selbst, Euer Leben, Eure Arbeit, Euer Miteinander sollen zum Leib Christi werden."