Kritik an der Überheblichkeit gegenüber Griechenland
Mehr europäische Solidarität mit Griechenland hat der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria, Arsenios (Kardamakis), eingefordert
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Wien, 25.06.12 (KAP) Beim Jour fixe des Verbandes Katholischer Publizisten Österreichs am Dienstagabend in Wien sagte der Metropolit, es sei verletzend, wenn von mancher Seite nur mehr herablassend über Griechenland gesprochen werde. Wenn sich Europa als eine große Familie versteht, dann müsse man auch Familienmitgliedern in Not unterstützen.
Als positives Beispiel würdigte Arsenios in diesem Zusammenhang das Solidaritätsfest "Wir sind alle Griechen", das die griechisch-orthodoxe Kirche am 3. Juni in Wien veranstaltet hatte. U.a. hatten Kardinal Christoph Schönborn und der lutherische Bischof Michael Bünker daran teilgenommen. Die Veranstaltung habe einen mehr als ansehnlichen Spendenerlös erbracht, der sozialen Projekten in Griechenland zugute kommen, teilte Kardamakis mit.
Von der neuen griechischen Regierung erwartet sich Metropolit Arsenios, dass sie sich mit ganzer Kraft für das Wohl des Volkes einsetzt. Eine Schlüsselrolle in Griechenland komme derzeit der orthodoxen Kirche und ihrer sozialen Arbeit zu. Ohne diese Aktivitäten wäre das Elend der Bevölkerung noch viel größer, unterstrich der Metropolit. In Athen, aber auch in vielen anderen Städten und Orten gebe die Kirche täglich mehr als 100.000 Mahlzeiten aus, so Metropolit Arsenios. Dazu kämen Tausende Nahrungsmittelpakete für verarmte Familien und alte Menschen sowie Hilfestellungen für Waisenhäuser, Altenheime und medizinische Einrichtungen. Für immer mehr Griechen sei die Unterstützung der Kirche der letzte Rettungsanker.
Die Kirche könne das nur leisten, weil es innerhalb des Landes eine große Welle an Hilfsbereitschaft gebe. Viele Griechen ließen - oft über Einrichtungen der Kirche - ihren Landsleuten Hilfe zukommen. "Wer ein Kilo Reis für sich kauft, kauft auch eines für eine Hilfsstelle mit", schilderte Kardamakis. So könnte die Krise auch eine Chance für eine moralische und kirchliche Erneuerung in Griechenland sein.
Verstärktes Bemühen um die Jugend
Als Repräsentant des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel ist Metropolit Arsenios auch Vorsitzender der neu gegründeten orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich. Die Arbeit der Bischofskonferenz laufe zwar gut an, es brauche aber noch bessere Strukturen für die tägliche Arbeit. Da die für Österreich zuständigen orthodoxen Bischöfe bis auf ihn nicht in Österreich residieren, seien die Kommunikationswege oft lang und umständlich. Hier müsse noch eine bessere Lösung für die tägliche Arbeit gefunden werden.
Als wichtige Herausforderungen für die orthodoxe Kirche in den kommenden Jahren nannte der Metropolit einmal mehr die Jugendarbeit, sei es in den Pfarrgemeinden, sei es über den schulischen Religionsunterricht. Dieser werde derzeit von rund 10.000 Schülerinnen und Schülern besucht, so der Metropolit. Eine Zahl, mit der er sich angesichts von rund 500.000 Orthodoxen in Österreich, unter denen mehrere Zehntausend Schüler sind, nicht zufrieden geben wolle. Doch um mehr Schüler zu erreichen brauche es auch mehr und gut ausgebildete Lehrer. Entsprechende Initiativen dazu seien bereits gesetzt.
Der Metropolit von Austria ist zugleich auch Exarch für die griechisch-orthodoxe Kirche in Ungarn. Dort schwelt seit dem Ende der kommunistischen Herrschaft ein Konflikt zwischen der griechischen und der russischen Orthodoxie um die Dormitio-Kathedrale in Budapest. Die im 18. Jahrhundert von Griechen erbaute spätbarocke Kathedrale und das anliegende Wohn- und Verwaltungsgebäude im Zentrum der ungarischen Hauptstadt waren unter dem KP-Regime auf Drängen der Sowjetbehörden dem Moskauer Patriarchat übergeben worden. Ein Gerichtsverfahren brachte keinen Entscheid.
Metropolit Arsenios zeigte sich zuversichtlich, dass es zu einer gütlichen Lösung kommen werde. Er setze jedenfalls auf den Dialog und wolle einen weiteren Streit vor Gericht möglichst vermeiden. Auch wenn die Kathedrale wieder in das Eigentum des ökumenischen Patriarchats übergehen sollte, stünde sie selbstverständlich auch der russisch-orthodoxen Kirche weiterhin zur Verfügung.
Ökumene: Ziel bleibt die "volle Einheit"
Zur Ökumene bekräftigte der Metropolit einmal mehr seine Bereitschaft zum Dialog und zur Zusammenarbeit. In Österreich erlebe er das Klima zwischen den Kirchen als besonders gut, und er habe etwa schon in den ersten Monaten seiner Amtszeit sehr gute persönliche Beziehungen zu Kardinal Christoph Schönborn und dem evangelischen Bischof Michael Bünker aufbauen können. Ziel müsse letztlich die volle Einheit aller Kirchen sein, so der Metropolit. Dazu brauche es freilich auch den guten Willen von allen Seiten.
Vor dem "Jour fixe" besuchte der griechisch-orthodoxe Metropolit das Medienhaus der Erzdiözese Wien und die Redaktion der "Kathpress", um sich aus erster Hand über die verschiedenen Medienangebote der Erzdiözese und der katholischen Kirche in Österreich zu informieren.