Bischof Müller neuer Chef der Glaubenskongregation
Bischof von Regensburg wird Nachfolger des amerikanischen Kardinals William Levada - Kardinal Schönborn: Müller für Amt "hervorragend geeignet"
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Vatikanstadt-München-Wien, 02.07.12 (Katholisch.at/KAP) Am Ende war es keine Überraschung mehr: Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wird neuer Präfekt der Glaubenskongregation. Papst Benedikt XVI. hat sich - auch gegen manche Widerstände - für den 64-jährigen Pfälzer entschieden. Er hat damit erneut einen Theologen mit internationalem Renommee und zugleich einen persönlichen Vertrauten an die Spitze der ältesten und wichtigsten Vatikanbehörde berufen. Und zugleich verstärkt Benedikt XVI. damit die Präsenz der Deutschsprachigen an der Kurie. Zuletzt waren sie, abgesehen vom Schweizer Ökumeneminister Kardinal Kurt Koch, nicht mehr in der ersten Kurienreihe vertreten.
Müller wird in dem obersten Glaubensamt der Kirche Nachfolger des eher unauffällig agierenden US-amerikanischen Kardinals William Levada. Der war im vergangenen Monat 76 Jahre alt geworden war und galt seit geraumer Zeit als amtsmüde. Der erfahrene Seelsorger aus dem kalifornischen Long Beach kannte die römische Behörde bereits aus eigener Mitarbeit in den frühen 1980er-Jahren. Allerdings wurde er als Präfekt immer wieder an seinem großen Vorgänger Joseph Ratzinger gemessen.
Als Leiter der Glaubenskongregation muss Müller nun den katholischen Glauben stärken und schützen. Er muss das Glaubensverständnis fördern und auf Fragen aus Kultur und Wissenschaft eine Antwort aus dem Glauben geben. Er muss abweichende Lehrmeinungen sowie falsch und gefährlich erscheinende Lehren überprüfen und in geeigneter Weise widerlegen. Zudem ist seine Behörde Gerichtsinstanz bei schweren Straftaten gegen Glauben und Sitten. Außerdem gehen alle Dokumente anderer Vatikanbehörden, soweit sie Fragen der Glaubens und Sittenlehre berühren, über den Schreibtisch des Präfekten der Glaubenskongregation.
Enger Austausch mit dem Papst
Müller bringt für seine römische Aufgabe gute Voraussetzungen mit. Als Theologe hat er einen internationalen Ruf, er hat viel publiziert. Bereits 1997 berief Papst Johannes Paul II. den Münchener Dogmatik-Professor in die Internationale Theologenkommission, einen theologischen Thinktank für Papst und Kurie. Nach seiner Bischofsernennung 2002 wurde er Mitglied der Glaubenskongregation, als einer von nur vier Nicht-Kardinälen. Zuletzt stand er wegen der Herausgabe der gesammelten Ratzinger-Werke in ständigem Kontakt mit dem Papst.
Dieser theologische Austausch dürfte Benedikt XVI. letztendlich von der Eignung des Regensburger Ordinarius für das vatikanische Spitzenamt überzeugt haben. Er entschied sich für ihn, und ignorierte damit Bedenken mancher Kirchenführer, denen Müllers persönliche Freundschaft mit Gustavo Gutierrez, dem Vater der Befreiungstheologie, suspekt war.
Nicht nur in der Glaubensbehörde sondern auch im Kulturrat war der Regensburger Bischof Mitglied. Als der Papst ihn vor wenigen Wochen auch noch in die Bildungskongregation und in den Einheitsrat berief, werteten Beobachter dies als Signal für eine künftige römische Dauerpräsenz. Dabei fühlt sich der Theologe in Rom sichtlich wohl, scheint gut vernetzt. Er gilt als umgänglich, wird im Vatikan von Kardinälen wie von Pförtnern geschätzt. Es muss sich zeigen, wie er sich nun in dem komplizierten vatikanischen Geflecht einfindet und wie er es ausfüllt. Ob er sich wie sein Vorvorgänger Ratzinger ebenfalls aus allen kurialen Seilschaften heraushält; und ob er, wie dieser, eine prägende Gestalt im Vatikan wird, wird sich erst noch zeigen.
Herausforderung Piusbruderschaft
Das nächste große Thema, das auf Müller zukommt, sind die komplizierten Einigungsbemühungen mit den Piusbrüdern. Der Präfekt der Glaubenskongregation ist zugleich Präsident der für den Kontakt zu den Traditionalisten zuständigen Kommission "Ecclesia Dei". Allerdings hat Benedikt XVI. den neuen Präfekten bereits entlastet, indem er für die laufenden Amtsgeschäfte einen Vize-Präsidenten der Kommission "Ecclesia Dei" ernannt hat, den italo-amerikanischen Erzbischof Joseph Augustine Di Noia (68).
Mit der Ernennung zum Kurienpräfekten erhielt Müller zugleich den Rang eines Erzbischofs. Der Kardinalshut und damit die Aufnahme in den exklusiven Kreis der Wähler des nächsten Papstes dürfte dem Neuen sicher sein.
Müllers knapp 1.000 Seiten starkes Lehrbuch, das in seiner Zeit als Münchner Hochschullehrer entstand, gilt längst als Standardwerk und ist inzwischen sogar ins Chinesische übersetzt. Im Unterschied zu manchem Kurialen will Müller nicht am deutschen Kirchensteuersystem rütteln lassen. Zuletzt vermittelte er mit einigem Erfolg zwischen Rom und der Bischofskonferenz in der Frage der kirchlichen Wirksamkeit zivilrechtlicher Kirchenaustritte. Und in der Auseinandersetzung mit den Piusbrüdern, die in der Diözese Regensburg eine internationale Nachwuchsschmiede unterhalten, zeigte er klare Kante. Aus dem Dunstkreis dieses Milieus wurde der Bischof im Gegenzug heftig attackiert.
"Hardliner" als Katholikentags-Gastgeber
In Müllers Amtszeit in Regensburg fallen einige schwere Auseinandersetzungen mit Theologieprofessoren, Kirchenkritikern und Laien, bei denen er in den Medien nicht immer eine gute Figur machte. Wer ihn aber deshalb in der Schublade "Hardliner" versenkt hatte, durfte sich vor einigen Monaten die Augen reiben. Da bot sich der Bischof unvermittelt als Gastgeber des Katholikentags 2014 an - jener Großveranstaltung, die vom selbstbewussten Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) organisiert wird und dessen spezielle Debattenkultur in der Kirche nicht nur Anhänger hat. Vor wenigen Jahren hatte Müller im Streit mit dem ZdK gelegen und dem Gremium zeitweise den Zuschuss entzogen.
Solche typisch deutschen innerkirchlichen Hakeleien wird Müller künftig seltener antreffen. Nun ist es seine Aufgabe, gemeinsam mit Benedikt XVI. auf dem Gebiet der Lehre die Grenze zwischen katholisch und nichtkatholisch zu markieren. Der Papst weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass man sich in dieser Rolle nicht nur Freunde macht.
Schönborn: Müller "hervorragend geeignet"
Kardinal Christoph Schönborn bezeichnete Gerhard Ludwig Müller in einer ersten Reaktion als für das Leitungsamt in der Glaubenkongregation "hervorragend geeignet und vorbereitet". Dass der Papst "einen für seine Rechtgläubigkeit bekannten Theologen für dieses Amt ernennt, sollte nicht verwundern", sagte der Wiener Erzbischof gegenüber "Kathpress". Kardinal Schönborn kennt Bischof Müller seit über dreißig Jahren aus dem Kreis der theologischen Fachkollegen und vom gemeinsamen Wirken in der Glaubenskongregation und in der Internationalen Theologenkommission des Vatikan.
Für Bischof Müller spreche vor allem sein "weites theologisches Spektrum". Kardinal Schönborn verwies darauf, dass Müller "Lateinamerika sehr gut kennt", sowohl hinsichtlich der Theologie als auch im Bezug auf die pastorale Situation. Seine Sprachkenntnisse würden ihn "für das Gespräch mit dem größten katholischen Kontinent" sehr befähigen. Weiters bringe der neue Leiter der Glaubenskongregation eine "große Vertrautheit der evangelischen Theologie und mit der Ökumene" mit.
Seit vielen Jahren kennen Schönborn und Müller einander aus der gemeinsamen Tätigkeit im Bereich der Glaubenskongregation. Von daher habe der Kardinal die "maßvollen und vermittelnden Stellungnahmen von Bischof Müller schätzen gelernt". Auch wenn "manches in der Leitungsweise" von Bischof Müller in Regensburg "umstritten" gewesen sei, so sei dieser ein "ausgewiesener Theologe" mit gutem Ruf, resümierte Kardinal Schönborn.