Der Film dieses Sommers: "Dein Weg"
Wien-Berlin (KAP) Der Pilger-Boom hält nicht nur auf Wanderwegen und in Buchhandlungen an, sondern auch im Kino:
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Am 13. Juli startet in Österreich der Spielfilm "Dein Weg", in dem ein trauernder Vater anstelle seines beim Pilgern verunglückten Sohnes eine Fußwallfahrt nach Santiago de Compostela vollendet. Das berührende und von der Kritik vielgelobte amerikanisch-spanische Drama ist eine Zusammenarbeit zwischen Hollywoodstar Martin Sheen ("Apocalypse now", "Badlands") in der Hauptrolle und seinem Sohn, dem Regisseur und Drehbuchautor Emilio Estevez, der in Rückblenden auch als "Film-Sohn" in Erscheinung tritt.
Der Inhalt im Detail: Der amerikanische Arzt Tom Avery bekommt die Todesnachricht seines nicht nur geografisch fernen Sohnes Daniel: Der ihm Entfremdete kam auf seiner ersten Reiseetappe auf dem "Camino Frances" während eines Sturms in den französischen Pyrenäen ums Leben. Tom reist zur Identifikation des Leichnams in den Pilgerort Saint-Jean-Pied-de-Port und entschließt sich dort spontan, den 800 Kilometer-Marsch mit der Asche von Daniel im Rucksack stellvertretend für ihn fortzusetzen und seine Trauer so zu bewältigen.
Unterwegs trifft Tom drei Pilger, die sich wie er auf dem Camino Heilung erhoffen: Joost von seiner Fettleibigkeit, Sarah von der Nikotinabhängigkeit und Jack von einer Schreibblockade. Harmonisch geht es in dieser zusammengewürfelten Gruppe nicht immer zu, fromm schon gar nicht. Und trotzdem wird der Camino auch für alle Beteiligten allmählich von einer äußeren zu einer spirituellen Reise - mit vielen Szenen, die schmunzeln machen.
Die Vater-Sohn-Geschichte im Drehbuch hat eine Parallele zu jener hinter den Kulissen des Films: Bei einem Familientreffen hatte der tiefgläubiger Katholik Martin Sheen - der Sohn eines galicischen Vaters und einer irischen Mutter heißt mit bürgerlichem Namen Ramon Estevez - die spontane Idee, seinen Wurzeln auf dem Jakobsweg nachzuspüren. Sein ältester Sohn (und Bruder von TV-Serienstar Charlie Sheen), Emilio, half dem 1940 in Dayton (Ohio) geborenen Martin Sheen dabei, dessen während einer Wanderwoche entstandenen Faszination für den Camino filmisch zu verarbeiten.
Neuer Blickwinkel auf Lebenssinn und Beziehungen
Ferdinand Kaineder, Medienbüroleiter der österreichischen Orden und als Pilger seit Jahren in Europa unterwegs, lobt den Film in mehrfacher Hinsicht als stimmig: "Dein Weg" zeige das Faktum auf, dass viele jener Menschen, die dem Pilgerboom der vergangenen Jahre folgten, "auf der Suche" sind - nach Heilung, Orientierung, Sinn. Und auch dass im Gehen "Beziehungsarbeit" geschehe und Verbindungen zu anderen Menschen in einem neuen Licht gesehen werden, entspreche seiner Erfahrung, so Kaineder im "Kathpress"-Gespräch.
Allerdings: Heilungsprozesse erfolgten eher in Einsamkeit und nicht als Teil einer Gruppe wie in "Dein Weg". "Wer drei Wochen lang sieben Stunden pro Tag geht - und das alleine", gewinne unweigerlich tiefe Einblicke in die eigene Seele, berichtete der kirchliche Kommunikator. Und was im Film auch etwas zu kurz komme, sei die enorme körperliche Anforderung, vor die ein Marsch wie jener auf dem Jakobsweg stelle. Dennoch: Den Film könne er durchaus empfehlen, resümierte Kaineder.
"Sehenswert für alle, die auf der Suche sind"
Lobende Worte aus Kirchenkreisen gab es auch in Deutschland, wo "Der Weg" schon seit Ende Juni in den Kinos läuft. "Ein sehenswerter Film, nicht nur für Christen, sondern für alle Menschen, die unterwegs und auf der Suche sind", befand der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch in der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA.
Und das Fachmedium "Film-Dienst", das den Estevez-Film jüngst als "Kinotipp" empfahl, sieht Fragen aufgeworfen: "Was treibt jährlich zahllose Menschen aus aller Herren Länder dazu, die Tradition des 'Camino' fortzuführen? Was suchen moderne Menschen auf diesem Weg, die gar keine Beziehung zur Verehrung des Apostels Jakobus haben oder zur Religion im Allgemeinen? Was macht dieser Weg mit ihnen?" Estevez' sehr persönlicher Film gibt auf diese Fragen keine abschließende Antwort, aber viele Denkanstöße."
Deutschsprachigen TV-Zusehern ist das Grundmotiv von "Dein Weg" übrigens nicht neu: Auch im 2010 ausgestrahlten ARD-Pilgerdrama "Ich trag dich bis ans Ende der Welt" ging es um eine zerrüttete Eltern-Kind-Beziehung: Damals pilgerten Vater (Elmar Wepper) und Tochter (Ann-Kathrin Kramer) gemeinsam den Jakobsweg. Als der Vater einen tödlichen Herzinfarkt erlitt, vollendete seine Tochter für ihn den Weg - die Urne mit seiner Asche im Rucksack.
Der Trailer von "Dein Weg" ist unter www.youtube.com/watch?v=CNrkD9cEAio&feature=relmfu im Internet abrufbar.