Annäherung zwischen Katholiken und Altorientalen
Salzburg-Vatikanstadt, 13.2.07 (KAP) Das Ziel des Dialogs zwischen der katholischen Kirche und den altorientalischen Kirchen ist "die volle Kirchengemeinschaft". Dies betonte der Salzburger Kirchenhistoriker Prof. Dietmar Winkler, der Mitglied der offiziellen Dialogkommission zwischen katholischer Kirche und altorientalischen Kirchen ist, im Hinblick auf die jüngste Tagung des Gremiums im Gespräch mit "Kathpress". Aus Österreich nahm auch der Wiener armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian an der Vollversammlung der Dialogkommission im Vatikan teil.
Im Mittelpunkt der Vollversammlung stand die Frage des Kirchenverständnisses die zu den "Grundfragen der 1.500-jährigen Trennungsgeschichte" zwischen katholischer Kirche und orientalisch-orthodoxen Kirchen zähle, wie Prof. Winkler betont. In insgesamt drei Sitzungen habe man sich mit dieser Frage beschäftigt und dabei "zahlreiche Gemeinsamkeiten entdeckt", die man nun weiter vertiefen wolle. Ein paritätisch besetztes Komitee sei beauftragt worden, im Laufe dieses Jahres ein gemeinsames Papier zum Kirchenverständnis vorzubereiten, auf dessen Basis dann auch die weiteren Fragen angegangen werden sollen. "Es sind kleine und zaghafte Schritte in die richtige Richtung", so Winkler.
Zu den weiteren "brennenden Fragen" zählen laut Winkler im ökumenischen Dialog mit den orientalisch-orthodoxen Kirchen die Probleme der Anerkennung der Konzilien, die Art der Ausübung des päpstlichen Primats sowie der Umgang mit den nichtchristlichen Religionen. "Keinen Zweifel" könne es daran geben, dass Papst Benedikt XVI. den ökumenischen Dialog "gerade im Hinblick auf die Ostkirchen sehr ernst meint". Dementsprechend sei dem Papst von Seiten der orientalisch-orthodoxen Vertreter in Rom tiefste Hochachtung entgegengebracht worden. In seinem Drängen, "dass in der Ökumene etwas weiter geht", bekenne sich der Papst laut Winkler "deutlich zu dem Weg, den Johannes Paul II. bereits in seiner Enzyklika 'Ut unum sint' vorgezeichnet hat".
Geleitet wurde die Tagung vom Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, und dem Sekretär des Heiligen Synods der koptisch-orthodoxen Kirche (und Metropoliten von Damietta), Anba Bishoi (Toma El Suriani, ziviler Name: Makram Eskander Nikola).
Der orientalisch-orthodoxen Delegation gehörten die koptisch-orthodoxe, die syrisch-orthodoxe, die armenisch-apostolische, die äthiopisch-orthodoxe, die eritreisch-orthodoxe und die malankarisch-orthodoxe Kirche mit jeweils zwei Vertretern an. Der katholischen Delegation gehörten auch Vertreter der orientalischen unierten Kirchen an, so der koptisch-katholischen, der syrisch-katholischen, der armenisch-katholischen, der maronitischen, der syro-malabarischen, der syro-malankarischen und der äthiopisch-katholischen Kirche.
Die orientalisch-orthodoxen (oder: altorientalischen) Kirchen hatten sich nach dem Konzil von Chalkedon (heute: Kadiköy) im Jahr 451 von der allgemeinen Kirche getrennt. Beim Konzil von Chalkedon war versucht worden, die Glaubensüberzeugung auszudrücken, dass Christus zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist. In der Folge kam es zu - auch politisch und kulturell begründeten - Missverständnissen, es kam zur Trennung zwischen den altorientalischen Kirchen und der allgemeinen Kirche.
Erst bei den von der Wiener Stiftung "Pro Oriente" ab September 1971 initiierten "Lainzer Gesprächen" gelang es, viele Missverständnisse auszuräumen. Katholische und altorientalische Theologen kamen bei diesen inoffiziellen Gesprächen gemeinsam zur Überzeugung, dass die theologischen Auseinandersetzungen ab dem 5. Jahrhundert vielfach durch kulturelle Unterschiede und politische Motive bedingt waren, dass aber katholische und orientalisch-orthodoxe Christen in unterschiedlichen Formulierungen den selben Glauben bekennen. Auf Initiative des heutigen koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Shenouda III. kam es schließlich zur Erarbeitung der "Wiener Christologischen Formel", die bei der Versöhnung zwischen römisch-katholischer Kirche und altorientalischen Kirchen große Wirkung entfalten sollte.
Im Jahr 2003 wurde der offizielle theologische Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen aufgenommen.