Kapellari: Kirche wichtige Stimme am "Bauplatz Europa"
Verleihung der Auszeichnung Mérite Européen in Gold im Europahaus Neumarkt an Bischof Kapellari - Staatssekretär Waldner und Wirtschaftskammerchef Leitl betonen Rolle der Kirche in EU
Image (img2) invalid or missing |
|
Graz, 16.07.2012 (KAP) Auf die Bedeutung der kirchlichen Stimme am "Bauplatz Europa" hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari hingewiesen. Als "ältestes Globalinstitut" habe die katholische Kirche Europa bisher "länger und mehr geprägt als alle anderen Kontinente" - und sie wolle zugleich an Europa nach den "Maßstäben des Evangeliums inmitten einer pluralen Gesellschaft" weiter mitbauen. Dies unterstrich Kapellari in seinen Dankesworten zur Verleihung des Preises "Mérite Européen" in Gold der gleichnamigen luxemburgischen Stiftung am Wochenende beim "Europa-Forum Neumarkt". Der Preis würdigt Kapellaris Einsatz für die Einheit Europas.
Die Kirche begleite den Weg Europas und der Europäischen Union "mit prinzipieller, wenngleich kritischer Solidarität", so Kapellari unter Verweis auf eine Erklärung der österreichischen Bischöfe vor der Abstimmung über einen EU-Beitritt Österreichs 1994. Auch wenn es über den konkreten "Bauplan" keinen Konsens gebe, so sei die Kirche doch überzeugt von der gesellschaftlichen Kraft ihrer Botschaft. Kapellari: "Je stärker auch die Stimme des Evangeliums im oft wirren Konzert der öffentlichen Meinung hörbar bleibt, umso mehr Hoffnung haben wir für ein gemeinsames Europa, das nur so im globalen Kontext eine gestaltende und in die Zukunft weisende Kraft sein kann.
Vergeben wurde die Auszeichnung in Anwesenheit von Staatssekretär Wolfgang Waldner und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, der auch die Laudatio hielt. Bischof Kapellari zeichne sich durch sein unermüdliches Engagement für eine Versöhnung zwischen den Volksgruppen aus und trete für ein Europa der kulturellen Vielfalt ein, so Leitl. Europa dürfe nicht zum Spielball gewissenloser Finanzspekulanten werden, sondern müsse auf einer soliden Wertebasis weiter gebaut werden. Die Kirche und mit ihr Bischof Kapellari hätten hier eine große Vorbildwirkung, so Leitl.
Staatssekretär Waldner betonte, die tiefgreifende Krise sei auch eine "Bewährungsprobe" für fundamentale europäische Werte. Wenn sie bestanden werde, böte sich eine Chance für die Weiterentwicklung des Einigungsprozesses. Die aktuellen Maßnahmen wie der Fiskalpakt und der ESM seien wichtige erste Schritte in Richtung notwendiger Strukturreformen, so der Staatssekretär. Künftig müssten diese aber auf eine verstärkte demokratische Legitimation aufbauen.
Kapellari, der in der Kirche Österreichs für Europafragen zuständig ist und die hiesige Bischofskonferenz in der Kommission der EU-Bischofskonferenzen (ComECE) vertritt, war durch den Präsidenten des Europahauses Klagenfurt, Nikolaus Lanner, für den Preis vorgeschlagen worden. Das Stiftungskomitee in Luxemburg unter Ehrenpräsident Jean-Claude Juncker nahm den Vorschlag einstimmig an. Bereits im Vorjahr wurde mit dem Linzer Altbischof Maximilian Aichern ein hoher Kirchenvertreter aus Österreich mit einem "Mérite Européen" geehrt.
Der "Mérite Européen" in den Stufen Bronze, Silber und Gold wird nach Angaben der Stiftung an Bürger verliehen, die durch außergewöhnliches Engagement in Wort, Schrift und Tat das europäische Bewusstsein fördern, das unabdingbar ist für das Zusammenwachsen einer Europäischen Union mit demokratischer Verfassung und humanistischer Ausrichtung.
Die Stiftung "Mérite Européen - Verdienste um Europa" wurde 1970 von dem französischen Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler Francois Visine - einem Lothringer und leidenschaftlichen Europäer - ins Leben gerufen. Sie hat sich die Verbreitung des europäischen Einigungsgedankens auf ihre Fahnen geheftet und ehrt alljährlich darum verdiente Persönlichkeiten.