Theologe für neues kirchliches Hierarchiemodell
Aktuellen Ausgabe der "Theologisch-praktischen Quartalschrift" zieht Bilanz der 50-jährigen Wirkungsgeschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils
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Linz, 16.07.2012 (KAP) Für eine neue Bestimmung der Hierarchie in der Kirche hat sich der Innsbrucker Theologe Jozef Niewiadomski stark gemacht. Das Verhältnis von Hierarchie und Volk Gottes sei seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) eine spannungsgeladene Frage, die noch immer einer Klärung bedarf, so der Dogmatiker in der aktuellen Ausgabe der "Theologisch-praktischen Quartalschrift", die sich in dieser Ausgabe ganz dem Konzil widmet.
Niewiadosmki bedauert, dass ein "Zerrbild" dessen, was Hierarchie ist, inzwischen gerade in der Kirche mit Selbstverständlichkeit sondergleichen gepflegt werde: "Das Bild einer seelenlosen, auf Machterhaltung konzentrierten Bürokratie, die dazu noch von Männern am Leben erhalten wird, beflügelt nicht nur die Fantasie jener Autoren aus dem Genre 'Mystery', die immer und immer wieder neu über die 'Geheimnisse des Vatikans' schreiben, sondern auch viele Gläubige."
Niewiadomski hält demgegenüber fest, dass Hierarchien als Ordnung gebende Instanzen notwendig sind. Damit sie funktionierten, brauche es jedoch genaue Regelungen - so dürften etwa die Spitzenpositionen es "sich nicht leisten können, die 'Unteren' zu missachten". Dies entspräche dem Konzept einer "verwickelten Hierarchie", nach dem auch die kirchliche Hierarchie strukturiert sein müsste, so Niewiadomski.
Das Konzil habe entscheidende Richtungsentscheidungen getroffen, um ein solches Hierarchiemodell umzusetzen: "Mit der Positionierung der Hierarchie innerhalb des Volkes Gottes, der Einbettung der Hierarchen im 'gemeinsamen Priestertum', dem Bekenntnis zur Sendung der Laien, die auf die Sendung der Hierarchie nicht reduzierbar ist, und der Betonung des Zusammenhangs von Dienen und Hierarchie hat das Konzil anspruchsvolle Weichen für ein solches Verständnis derselben gelegt."
Wirkungsgeschichte des Konzils
Das aktuelle Heft der "Theologisch-praktischen Quartalschrift" möchte schlaglichtartig eine kleine Bilanz der Wirkung des Konzils leisten. Im Rahmen des Schwerpunkts "Orte des Konzils heute" geht es um einen kritischen Blick auf ausgewählte Themen des Konzils.
Neben Niewiadomski beleuchtet beispielsweise der Kölner Theologe Hans-Joachim Höhn das mit dem Konzil eröffnete neue Verhältnis der Kirche zur Welt. Gegen eine Entweltlichung und gegen eine konturlose Anpassung plädiert der Autor für die "Resonanzfähigkeit" der Kirche mit der jeweiligen Zeit: Nur wenn Kirche Zeichen der Nähe Gottes zur Welt und für die Welt ist und bleibt, habe sie einer radikal sich verändernden Kultur noch etwas zu sagen.
Der Innsbrucker Pastoraltheologe Franz Weber erörtert das spannungsreiche Verhältnis von Weltkirche und Ortskirche. Weber macht deutlich, dass die Ortskirche immer auch Kirche vor Ort ist - konkret gelebt und erfahren in den Basisgemeinden und kleinen christlichen Gemeinschaften.
Der Grazer Liturgiewissenschaftler Basilius Groen blickt auf liturgische Aufbrüche und rituelle Veränderungen zurück. Dass es unübersehbare Krisenphänomene gibt, sei kein Grund für Ängstlichkeit und Rückzug, so Groen.
Weitere Beiträge beschäftigen sich mit der Entwicklung des Verständnisses der Katholischen Kirche zu den Medien, dem Verhältnis der katholischen Kirche zu Judentum, Islam und den asiatischen Religionen, der Frauenfrage und dem Verhältnis von Jugend und Kirche.
Der Wiener Kirchenrechtler Bruno Primetshofer beschäftigt sich schließlich mit der Frage der Unauflöslichkeit der Ehe; der Judaist Johann Maier gibt einen Einblick in die aktuellen Strömungen des Judentums.
Informationen: www.ktu-linz.ac.at/thpq