Franziskanerprovinzen werden zusammengelegt
Wien, 15.2.07 (KAP) Die Franziskaner in Österreich bündeln ihre Kräfte. Die neue Ordensprovinz "Austria" soll die Qualität des Wirkens der Franziskaner verbessern. Das betonte der Generalminister des Franziskanerordens, P. Jose Rodriguez Carballo, der sich aktuell in Österreich aufhält, im Gespräch mit "Kathpress". In der neuen Ordensprovinz "Austria" werden im kommenden Oktober die beiden derzeitigen Provinzen Wien und Tirol zusammengeführt. Der Ordensgeneral betonte, dass die Zusammenlegung nicht in erster Linie Konsequenz eines Personalmangels sei; man wolle vielmehr vorausschauend für die Zukunft eine Struktur schaffen, mit der die spürbare Präsenz der Franziskaner verstärkt wird.
Die Tiroler Franziskanerprovinz zählt mehr als 100 Patres und Brüder. Sie leben und wirken in 17 Niederlassungen in Süd-, Nord- und Osttirol, in Salzburg, Kärnten und Oberösterreich. Die Provinz führt zwei humanistische Gymnasien in Bozen und Hall in Tirol. Sitz der Provinzleitung ist Innsbruck. Die Wiener Franziskanerprovinz zählt in zehn Klöstern mehr als 40 Mitglieder, unterstützt von polnischen Mitbrüdern. Sie wirken in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Burgenland und Steiermark. Zentrale der Ordensprovinz ist Wien. Die neue gemeinsame Franziskanerprovinz wird demnach etwa 150 Brüder und 26 Klöster umfassen. Sitz der neuen Provinzleitung ist Salzburg.
P. Rodriguez Carballo nahm auch zur Situation im Heiligen Land Stellung und wies einmal mehr auf die dramatische Situation der christlichen Minderheit hin, etwa in Betlehem. Der Franziskanerorden bemühe sich mit all seinen Kräften, die Präsenz der Christen sicher zu stellen, damit nicht noch mehr auswandern. So habe der Orden etwa eine Siedlung für christliche Familien errichtet und betreibe zahlreiche Schulen, Spitäler oder weitere Sozialeinrichtungen.
Der Schlüssel für den Frieden im Nahen Osten liege in mehr Gerechtigkeit und dem Anrecht sowohl von Palästinensern als auch Israelis auf "eine eigene Heimat", wie P. Rodriguez Carballo sagte. Der Franziskanerorden verstehe sich "als Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern, zwischen Christen, Muslimen und Juden". Der Orden könne dabei auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken. Schon 1229 - nur20 Jahre nach der Gründung des Ordens - eröffneten Franziskaner die erste Niederlassung in Jerusalem.
Die Situation für die Christen sei auch in China schwierig, so P. Rodriguez Carballo. Die Franziskaner seien jedenfalls bemüht, im Rahmen der Möglichkeiten zu wirken. Die jüngste vatikanische Initiative zu einer Verbesserung der Beziehungen mit Peking wurde von Rodriguez Carballo begrüßt; er zeigte sich vorsichtig optimistisch, dass es zu einer Verbesserung der vatikanisch-chinesischen Beziehungen kommen könnte.
Erst im Jänner war auf einer vatikanischen China-Konferenz die Normalisierung der Beziehungen zu China und die Notwendigkeit eines "respektvollen und konstruktiven Dialog mit den Pekinger Regierungsbehörden" betont worden. Weiters wurde angekündigt, dass sich Papst Benedikt XVI. mit einem Brief an die Katholiken in China wenden wird.
Hilfe für Osteuropa
In besonderer Weise wies der Obere des Ordens auch auf die Rolle der Franziskaner beim Aufbau einer neuen Gesellschaft in Osteuropa hin. Die Franziskaner seien auch während der Zeit des Kommunismus in verschiedenster Weise in den osteuropäischen Ländern präsent gewesen und würden auch jetzt tatkräftig den materiellen, aber vor allem auch sozialen und religiösen "Wiederaufbau" unterstützen und mittragen.
P. Rodriguez Carballo unterstrich in diesem Zusammenhang u.a. die Bedeutung der starken Kommunitäten der Franziskaner in Polen und der Ukraine. Ausdrücklich würdigte er die Aufbauarbeit des Hilfswerks "Franziskaner für Mittel- und Osteuropa" (FMO).
FMO unterstützt die Pastoral-, Sozial-, Caritas-, Bildungsarbeit der Franziskanischen Familie im ehemals kommunistischen Raum Europas und Nordasiens. Die Hilfe geschieht projektgebunden mit Finanzmitteln, die durch Spendenwerbung in Österreich und Deutschland aufgebracht werden
Situation in Assisi
Im vergangenen November hat Papst Benedikt XVI. den Sonderstatus der franziskanischen Orden in Assisi beendet. Die Minoriten von "San Francesco" am Grab des Heiligen und die Franziskaner von "Santa Maria degli Angeli", wo sich die Portiunkulakapelle befindet, hatten seit 40 Jahren großzügige Autonomierechte. Diese Rechte wurden mitunter ausgesprochen "kreativ" für Dialog- und Friedensarbeit genutzt. Das hatte auch zu Kritik an der angeblich "zu politischen" Friedensarbeit der Patres geführt.
Die Neuregelung gibt nun dem Diözesanbischof von Assisi Mitsprache und Letztverantwortung für diese Aktivitäten. Laut P. Rodriguez Carballo ist dies aber überhaupt kein Problem. Er sehe in der neuen kirchenrechtlichen Situation keine Kontrolle der Patres, sondern vielmehr ein "Zeichen der tiefen Verbundenheit des Franziskanerordens mit der jeweiligen Ortskirche". Im täglichen Leben habe sich für die Franziskaner in Assisi nichts verändert. Schwierigkeiten seien ihm keine bekannt.
800-Jahr-Jubiläum
2009 feiert der Franziskanerorden sein 800-Jahr-Jubiläum. Zur Vorbereitung darauf hatte P. Rodriguez Carballo 2006 ein Außerordentliches Generalkapitel nach Assisi einberufen. Im Gespräch mit "Kathpress" erläuterte der Generalminister die zwei Prioritäten des Ordens für die Zukunft: Die Rückbesinnung auf die Ursprünge des Ordens und das Wesentliche des franziskanischen Charismas sowie den Kontakt mit der Welt und den Menschen von heute. Es gelte, die Zeichen der Zeit aufzugreifen und darauf Antworten aus dem Evangelium zu geben.
Neue missionarische Projekte würden die Franziskaner überall dort in Angriff nehmen, "wo wir von den Menschen gebraucht werden", so der Generalminister. Er verwies in diesem Zusammenhang etwa auf Burma, den Sudan oder Thailand. Neue Niederlassungen seien überdies in Namibia und Burkina Faso gegründet worden, eine weitere in Ghana werde angedacht. Überhaupt sei Afrika der große Hoffnungskontinent für die Kirche, so der Generalobere.
Mit Stichtag 31. Dezember 2005 gehörten dem Franziskanerorden 15.596 Mitglieder an. Er ist damit nach den Jesuiten der zweitgrößte Orden der katholischen Kirche. (ende)