Küberl: "Pflege darf nicht nur etwas für Reiche sein"
Graz-Wien, 17.2.07 (KAP) "Es kann nicht sein, dass Pflege nur etwas für Reiche ist", betonte Caritas-Präsident Franz Küberl in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" vom Samstag. Die Mitfinanzierung eines 24-Stunden-Betreuungsplatzes zu Hause müsse gleich viel wert sein wie die öffentliche Mitfinanzierung eines Pflegeheimplatzes. Auch die Ausstattung von Pflege und Betreuung brauche mehr Geld. Das beginne beim Rechtsanspruch auf Beratung und gehe über Entlastungsdienste hin zum Ausbau der Kurzzeitpflege in Heimen. Auch die Sicherung von Qualitätsstandards koste etwas, da sei man in Österreich noch am Beginn. Den zusätzlichen Finanzbedarf im Pflegebereich schätzt Küberl auf rund 200 Millionen Euro ein. Es spreche "nicht viel dagegen", wenn die Erbschaftssteuer vermehrt zur Finanzierung von Begleitung, Betreuung und Pflege älterer Menschen eingesetzt wird.
Zugleich plädierte der Caritas-Präsident für die Errichtung eines Pflegelasten-Ausgleichsfonds, der von Bund und Ländern gespeist wird. Zur Zeit gebe es zwischen Neusiedlersee und Bodensee noch "riesige Unterschiede" bei dem, was Pflegende und Angehörige zu zahlen haben. Die Pflege müsse so strukturiert werden, dass es künftig egal ist, ob jemand am Neusiedlersee pflegebedürftig wird oder am Bodensee.
Er bewundere alle, die aufopfernd ihre Eltern oder Schwiegereltern pflegen, betonte der Caritas-Präsident. In der Regel seien es die Frauen, die das tun. Küberl: "Sie sind für mich Heilige des Alltags". Es gebe aber Grenzen der Belastbarkeit - wo es professionellere Betreuung in dichterem Maß braucht und Angehörige zerbrechen, weil sie überfordert sind. Der wichtigste Anreiz für Hauspflege sei ein "gutes Zusammenspiel zwischen Angehörigen und professionellen Diensten, ob Altenhilfe, Hauskrankenpflege oder Familienhilfe".