Steirischer Künstler verbringt Fastenzeit in Grazer Kirche
Graz, 23.2.07 (KAP) Der 28-jährige Künstler Christian Eisenberger verbringt die Fastenzeit in der Grazer Pfarrkirche St. Andrä. Seit dem Aschermittwoch lebt, schweigt und arbeitet der Steirer in einem eigens angefertigten Häuschen aus Holz und Karton im Inneren des Gotteshauses. Der Titel der Aktion lautet: "Error No Signal".
Eisenberger lebt an jedem Tag in der Kirche nach exakt dem gleichen Schema. Sein Tagesablauf ist von früh bis spät durchgeplant und "ritualisiert", so Hermann Glettler, Pfarrer von St. Andrä, im Gespräch mit "Kathpress". Der Künstler ernährt sich nach einem strengen Diätplan, steht immer zur gleichen Zeit auf, isst, liest, malt und macht jeden Tag einen Spaziergang durch die Grazer Innenstadt. Zwischen 19 und 19.15 Uhr empfängt er Besuch. Reden möchte er dabei aber kein Wort, nur, falls vom Besucher gewünscht, Tee trinken. Die einzige Botschaft, die nach außen dringt, wird an den Altar projiziert: "No Signal".
Keine religiöse Motivation
"Sollte er es durchhalten, wird es sicher eine sehr prägende Erfahrung für ihn", so Glettler. Er weist aber ausdrücklich darauf hin, dass die Aktion vom Künstler selbst nicht als religiöses Projekt angedacht worden sei. Der spirituelle Aspekt der Sache sei allerdings auf keinen Fall von der Hand zu weisen.
Glettler betont die Erfahrung seiner Pfarre im Umgang mit zeitgenössischer Kunst. Schon seit mehreren Jahren gebe es in St. Andrä zu Beginn der Fastenzeit eine Aktion mit Bezug zum Brauchtum des Fastentuches. So sei beispielsweise im letzten Jahr die ganze Kirche mit einem "Teppich aus verschiedenen Musikstücken" verhängt worden, vor zwei Jahren wurde das Altarbild durch eine große Videoleinwand verdeckt. Heuer, so Glettler, sei es ein Mensch, der sich verhängt, sich zurückzieht. Am Palmsonntag wird Eisenbergers vorübergehende Behausung abgebaut; das Material wird zum Zeichen seiner Reinigung im Osterfeuer verbrannt.
"Schatten" in Graz
Neben dem Haus, das in der Kirche von St. Andrä aufgestellt wurde, hat Eisenberger auch deren Altar und Ambo mit Holz und Karton verkleidet. Außerdem ist eines seiner Objekte, die Nachbildung eines Kristall-Lusters, bei der Fastenzeit-Ausstellung des "Kulturzentrums bei den Minoriten" unter dem Thema "Schatten" zusehen.
Die "Schattenseiten unserer Zeit" sollen von der Ausstellung behandelt werden, sagt Kurator Johannes Rauchenberger. Am Aschermittwochabend geschah das auch durch eine Vernissage mit Lesungen und einer Tanzperformance. (Informationen: Internet: www.minoritenkulturgraz.at)