Anton Leichtfried zum Bischof geweiht
St. Pölten, 25.2.07 (KAP) Die Bischofsweihe von Anton Leichtfried ist für die ganze Diözese St. Pölten "eine Einladung zur Zuversicht, zum Vertrauen in die Hilfe des Herrn und zu einer gemeinsamen großen Anstrengung, die Sendung der Kirche in den heutigen Verhältnissen mutig zu verwirklichen": Dies betonte der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng am Sonntag in seiner Predigt bei der Bischofsweihe des neuen Weihbischofs Anton Leichtfried. Bischof Küng erinnerte an die Formulierung im Tagesgebet, in der die Bitte ausgesprochen wird, dass die Christen "in der Erkenntnis Jesu voranschreiten und die Kraft seiner Erlösungstat durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen". Das sei das zentrale Anliegen, wenn man wolle, dass die Kirche heute "mit erneuter Kraft wirksam wird". Der Sendungsauftrag der Kirche bestehe darin, die Menschen aus jenen Knechtschaften herauszuführen, "in die sie sowohl in Hungersnöten als auch im Wohlstand hineingeraten".
Der Dienst Anton Leichtfrieds als Weihbischof der Diözese St. Pölten werde in besonderer Weise die Aus- und Fortbildung der Priester und Diakone, aber auch die Aus- und Fortbildung der Pastoralassistenten betreffen, kündigte Bischof Küng an. Leichtfried werde aber auch an den Aufgaben des Diözesanbischofs teilhaben und bei der Erstellung und Umsetzung des diözesanen Pastoralplans intensiv mitwirken.
Die Fruchtbarkeit der Arbeit Leichtfrieds werde in großem Maß vom Mittun aller abhängen, unterstrich der St. Pöltner Diözesanbischof. In einer Zeit, in der unterschiedlichste Lebensanschauungen und Verhaltensweisen aufeinander prallen, sei es notwendig, von Neuem persönlich und gemeinsam den Weg zu suchen, um in den heutigen Verhältnissen konsequent christlich zu leben. Die Leitungsaufgabe sei da eine große Herausforderung und nur dann fruchtbar, wenn von allen Beteiligten bewusst das gute Miteinander, die Einheit im Denken, Streben und Tun gesucht und gepflegt wird. Wörtlich sagte Bischof Küng: "Die eigentliche Mitte ist dabei immer Christus".
"Ursprung, Ziel und Mitte"
Bischof Leichtfried betonte in seinen Dankesworten, dass in der Kirche inmitten der vielen täglichen Aufgaben und Bedrängnisse die "wichtigsten und oft ganz einfachen Fragen" nicht überhört werden dürfen. Er erinnerte an die "bekannten Formulierungen" von Kardinal Franz König: "Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn meines Lebens?"
Gott sei "Ursprung, Ziel und Mitte" des Lebens, sagte der neugeweihte Bischof: "Als Kirche Christi wollen wir dem Reich Gottes den Weg bahnen - hier bei uns, für alle Menschen, in allen Bereichen des Lebens". Als Weihbischof wolle er seinen Beitrag leisten, damit "wir miteinander unsere Berufung und Sendung als Kirche immer besser erkennen und erfüllen".
Die Ernennung zum Weihbischof sei ein "Zeichen von großem Vertrauen", betonte Leichtfried. Für dieses Vertrauen dankte der neugeweihte Bischof dem St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng, den zuständigen Verantwortlichen der Kirche und Papst Benedikt XVI.
Große Beteiligung bei Bischofsweihe
Die Bischofsweihe fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Da im St. Pöltner Dom bei weitem nicht alle Gläubigen Platz fanden, wurde der Gottesdienst auch in verschiedene Räumen des Diözesangebäudes übertragen.
Fast alle österreichischen Diözesan- und Weihbischöfe waren zur Weihe von Anton Leichtfried gekommen. Nachdem der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng als Hauptkonsekrator und Kardinal Christoph Schönborn und der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz als Mitkonsekratoren Leichtfried die Hände aufgelegt hatten, taten dies auch alle anderen Bischöfe. Auch Leichtfrieds "Vorgänger" - Weihbischof Heinrich Fasching, der seit Oktober 2004 im Ruhestand ist - legte dem neuen Weihbischof die Hände auf. Auch zwei Bischöfe aus dem Ausland waren gekommen, Joseph Afrifa-Agyekum aus Ghana und Dominik Duka aus der tschechischen Partnerdiözese Hradec Kralove (Königgrätz). Der St. Pöltner Altbischof Kurt Krenn konnte aus gesundheitlichen Gründen an der Weihe nicht teilnehmen. Er hatte im Vorfeld aber Weihbischof Leichtfried seinen Segen erteilt.
Die Äbte und Pröpste der niederösterreichischen Stifte waren vollzählig vertreten, auch einige Altäbte waren gekommen. Viele Obere anderer Orden nahmen ebenfalls an der Bischofsweihe teil. Bischof Küng sprach angesichts der vielen Mitfeiernden von einem "ermutigenden Zeichen der Einheit", das ihn für die Zukunft der Diözese mit Zuversicht erfülle.
Die evangelische Kirche war durch Niederösterreichs Superintendenten Paul Weiland und den Präsidenten der Generalsynode, Peter Krömer, repräsentiert. Auch frühere Studienkollegen Leichtfrieds aus dem "Collegium Germanicum et Hungaricum" in Rom und aus Freiburg waren gekommen. Aus der Heimatpfarre Purgstall und aus den Pfarren Oberwölbling und Waidhofen/Thaya, wo Leichtfried als Kaplan gewirkt hat, feierten ebenfalls größere Gruppen von Gläubigen mit.
Das offizielle Niederösterreich war u.a. durch Landtagspräsident Edmund Freibauer, Altlandeshauptmann Siegfried Ludwig und Landesrat Josef Plank vertreten. Auch zahlreiche National- und Bundesräte, Landtagsabgeordnete und höhere Beamte aus Stadt und Land nahmen am Gottesdienst teil.
Die Kollekte war drei Projekten gewidmet: der Diözese Koforidua in Ghana, dem Unterstützungsfonds für Exerzitien und Besinnungstage für ehrenamtliche Mitarbeiter der Diözese St. Pölten sowie dem neuen Mutter-Kind-Wohnheim der Caritas in St. Pölten.
Im Anschluss an die feierliche Bischofsweihe lud die Diözese St. Pölten zu einer Agape im Diözesangebäude ein, wobei viele Gläubige noch die Gelegenheit fanden, mit dem neuen Weihbischof ins Gespräch zu kommen und ihm ihre Wünsche zu übermitteln.
Herkunft und Sendung
Anton Leichtfried - 1967 in Scheibbs geboren - wuchs als Kind in Purgstall/Erlauf auf. Die Matura absolvierte er 1985 am Stiftsgymnasium Seitenstetten, danach trat er in das Priesterseminar in St. Pölten ein. Seine weitere Ausbildung führte ihn nach Rom ins internationale Priesterseminar "Germanicum et Hungaricum" und zum Studium an der Universität "Gregoriana". 1991 wurde Leichtfried in Rom zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren in Oberwölbling und Waidhofen an der Thaya wurde er 1994 zusätzlich Geistlicher Begleiter der St. Pöltener Theologiestudierenden in Wien.
Von 1996 bis 2000 absolvierte er sein Doktoratsstudium (Dogmatische Theologie) in Freiburg im Breisgau. Seit dem Jahr 2000 war Leichtfried Spiritual am gesamtösterreichischen "Propaedeuticum" (Vorbereitungsjahr für Priesteramtskandidaten) in Horn (Niederösterreich). Am 4. März 2005 berief ihn der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng zum Regens des Priesterseminars St. Pölten. Am 21. November 2006 wurde Leichtfried von Papst Benedikt XVI. zum Titularbischof von Rufiniana und Weihbischof für die Diözese St. Pölten ernannt.
Das Wappen des neuen Weihbischofs enthält neben seinem Wahlspruch "Da cor docile" zwei Schlüssel und zweimal das Ypsilon. Der Schlüssel steht für den Pfarrpatron von Purgstall, den heiligen Petrus. Das Ypsilon bezieht sich auf den St. Pöltner Diözesanpatron, den heiligen Hippolyt. Die beiden Motive, die sich diagonal wiederholen, bezeichnen so "Herkunft" und "Sendung" Leichtfrieds.