Republik ehrt fünf österreichische Bischöfe
Wien, 27.2.07 (KAP) Im Zeichen des "Miteinanders von Staat und Kirche" überreichte Bundespräsident Heinz Fischer am Dienstag in der Wiener Hofburg hohe Auszeichnungen an fünf katholische Bischöfe mit Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze. Das Prinzip der Kooperation habe nicht nur im Konkordat seinen verfassungsrechtlichen Niederschlag gefunden, es präge auch die Lebensrealität der Zweiten Republik. Staat und Kirche seien in Österreich heute "weder Zwillinge noch Antipoden", betonte der Bundespräsident: "Sie haben unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Legitimationen und dennoch wichtige gemeinsame Interessen". Wörtlich sagte Fischer: "Staat und Kirche arbeiten in Österreich vertragstreu und harmonisch zusammen". Der Staat respektiere die wichtige und wertvolle Rolle der Religionsgemeinschaften, die Kirche wiederum respektiere den Staat in der "Ausprägung durch die demokratische Verfassung".
Durch das Verhalten der Kirche in den letzten Jahrzehnten habe sich die Überzeugung durchgesetzt, dass das Eintreten für ein bestimmtes Menschenbild mit parteipolitischer Neutralität "prinzipiell vereinbar ist und dass dies auch praktiziert wird", betonte der Bundespräsident. Es sei aber legitim, nicht zu verschweigen, dass es auch Meinungsverschiedenheiten zwischen Kirche und Staat oder "genauer gesagt zwischen Exponenten der Politik und Exponenten der Kirche" geben kann. Der Bundespräsident nannte in diesem Zusammenhang das "heikle Thema" der "Abschaffung gerichtlicher Strafdrohungen gegen Schwangerschaftsabbruch", aktuelle Probleme im Bereich Familienpolitik oder den Umgang mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Die Konfliktlinien verlaufen aber nicht "primär zwischen Kirche und Politik, sondern innerhalb jener pluralistischen Gesellschaft, in der auch die Kirche wirkt und tätig ist", erinnerte Fischer.
Der Bundespräsident unterstrich, dass mit den Auszeichnungen nicht nur die Rolle der Kirche für wichtige Bereiche der Gesellschaft betont werde, sondern dass auch "ganz besonders herausragende Persönlichkeiten" der Kirche mit ihren Leistungen gewürdigt werden sollen. Er denke hier insbesondere an das Engagement von Kardinal Schönborn und der anderen Bischöfe für den Gedanken der sozialen Gerechtigkeit, für das Eintreten zu Gunsten der Schwachen und Ausgegrenzten, an die klaren Worte gegen Ausländerfeindlichkeit und jede Form von Rassismus. In diesem Zusammenhang nannte Fischer auch das Eintreten gegen Antisemitismus, das in der von Kardinal Schönborn veranlassten Gedenktafel am Judenplatz sichtbaren Ausdruck findet, aber auch das vielfältige Engagement des Eisenstädter Bischofs Paul Iby für die burgenländischen Romani. In besonderer Weise unterstrich der Bundespräsident den Einsatz der Bischöfe für das Schul- und Bildungswesen und für friedlichen Dialog der Kulturen und Religionen.
In seiner Laudatio betonte Fischer auch die "gute gemeinsame Vorbereitung" auf den offiziellen Besuch von Papst Benedikt XVI. im September. Auch das sei ein Beweis für das "hohe Niveau" der Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche in Österreich. Daran weiterzuarbeiten, sei das gemeinsame Ziel.
