Patriarch Bartholomaios I. besucht Österreich
Wien, 6.3.07 (KAP) Die Orthodoxen in Österreich freuen sich über den bevorstehenden Besuch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. (12. bis 16. März) und die Verleihung des diesjährigen Kardinal-König-Preises an das Oberhaupt der Orthodoxie. Das betonte Metropolit Michael Staikos am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Der Metropolit erinnerte an die enge Verbindung zwischen Kardinal Franz König und dem Ökumenischen Patriarchat; König habe 1961 als erster katholischer Repräsentant seit vielen Jahrhunderten den Phanar aufgesucht und sei mit dem damaligen Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. zusammen getroffen. Auch Bartholomaios I. und der verstorbene Wiener Alterzbischof seien in Freundschaft verbunden gewesen. Das Oberhaupt der Orthodoxie habe deshalb auch sofort zugesagt, den diesjährigen Kardinal-König-Preis anzunehmen und nach Österreich zu kommen.
Patriarch Bartholomaios I. wird den Preis der Stiftung "Communio et Progressio" am Abend des 13. März im Wiener Stephansdom entgegennehmen. Zuvor feiern die österreichischen Bischöfe unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn um 18 Uhr im Stephansdom einen Gemeinschaftsgottesdienst, bei dem in besonderer Weise des dritten Todestags von Kardinal König gedacht wird. Im Anschluss wird Bischof Egon Kapellari, der Präsident der Stiftung, den Preis an das Oberhaupt der Orthodoxie überreichen.
Weniger erfreuliche Nachrichten hatte Staikos über die Situation des Patriarchats in der Türkei. Auch nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI. hätten führende Persönlichkeiten des Außenministeriums in Ankara neuerlich betont, dass man nicht bereit sei, die gesamtkirchliche - "ökumenische" - Funktion des Patriarchats anzuerkennen. Es gebe auch keine Fortschritte bei der angestrebten Wiedereröffnung der Theologischen Akademie und des Priesterseminars auf Chalki. Zugleich ergebe sich durch das jüngste Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshof (ECHR) eine neue Situation.
Der ECHR hatte die Türkei Anfang 2007 zu 890.000 Euro Schadenersatz an eine Stiftung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel verurteilt. Die Türkei habe gegen das Recht auf Eigentum verstoßen, als der Grundbesitz der Stiftung enteignet wurde, urteilten die Richter in Straßburg. Der Menschenrechtsgerichtshof urteilte damit erstmals in einem Fall enteigneten Grundbesitzes religiöser Minderheiten in der Türkei. Türkischen Medienberichten zufolge dürfte das Straßburger Urteil als Präzedenzentscheidung für mindestens 900 ähnlich gelagerte Fälle dienen, in denen christliche "Vakf" (geistliche Stiftungen) die Rückgabe enteigneter Immobilien fordern. Der Immobilienbesitz ist durch kaiserlich-osmanische "Firmane" verbrieft, die aber von der republikanischen Türkei nicht anerkannt werden.
Metropolit Staikos betonte in diesem Zusammenhang, dass die Verleihung des Kardinal-König-Preises genauso wie der Besuch von Papst Benedikt XVI. beim Patriarchen im vergangenen Jahr die gesamtkirchliche Funktion des Patriarchen unterstreiche. Die orthodoxe Theologie sehe den Patriarchen von Konstantinopel als "ersten Bischof" der Orthodoxie; er sei das "sichtbare Oberhaupt" der Kirche, der "Erste" im Dienst für Einheit, Zeugnis, Koordination. Die besondere Aufgabe Konstantinopels werde darin sichtbar, dass der Ökumenische Patriarch zu panorthodoxen Synoden einladen könne, dass jeder orthodoxe Bischof ein Appellationsrecht an den Ökumenischen Patriarchen habe und dass die Anerkennung der "Autokephalie" (Selbständigkeit) von orthodoxen Landeskirchen durch Konstantinopel erfolgt. In den letzten Jahren seien diese Funktionen des Ökumenischen Patriarchats u.a. im Hinblick auf die orthodoxen Kirchen von Georgien, Albanien, Jerusalem, Bulgarien, Zypern wirksam geworden. Derzeit sei das Ökumenische Patriarchat auch mit der Situation der orthodoxen Kirchen in Mazedonien und in der Ukraine beschäftigt. Zugleich sei das Ökumenische Patriarchat für die Koordination des ökumenischen Dialogs zwischen der Orthodoxie und den anderen christlichen Kirchen zuständig, betonte der Metropolit.
Zugleich verwies Staikos auf die führende Rolle, die das Ökumenische Patriarchat im Dialog des Christentums mit dem Islam, aber auch mit dem Judentum inne hat. Dieser Dialog sei auch Kardinal König immer ein großes Anliegen gewesen.
Die Stellung Bartholomaios I. komme auch dadurch zum Ausdruck, dass der Patriarch bei seinem Österreich-Besuch mit allen orthodoxen Bischöfen, Priestern und Gläubigen zusammentreffen will. So wird es am Montag, 12. März, um 18.30 Uhr in der serbisch-orthodoxen Kirche St. Sava in Wien-Landstraße einen gemeinsamen Gottesdienst und eine gemeinsame Begegnung geben.
Pilgerfahrt nach Mariazell
Metropolit Staikos verwies auch auf die Pilgerfahrt des Patriarchen nach Mariazell, die für den 15. März vorgesehen ist. Die Verehrung der Gottesmutter verbinde sehr stark die getrennten christlichen Kirchen. Man könne auch sagen, dass mit dem Besuch des Patriarchen die Feierlichkeiten zum 850-Jahr-Jubiläum von Mariazell einen ersten Höhepunkt erleben. Den großen Abschluss und Höhepunkt bilde dann der Besuch von Papst Benedikt XVI. am 8. September.
Bartholomaios I. wird am 15. März um 11.15 Uhr einen Gebetsgottesdienst feiern und ein Grußwort an die Gläubigen richten. Der Superior von Mariazell, P. Karl Schauer, stellte in diesem Zusammenhang in einer Aussendung fest, dass der Besuch des Patriarchen von besonderer Bedeutung sei, weil sich "Mariazell immer mehr als Brückenschlag zwischen Ost und West versteht, zusätzlich aber auch ökumenische Akzente setzt, ganz in der Tradition und im Auftrag von Kardinal König".
Der heutige Ökumenische Patriarch hatte bereits als junger Archimandrit 1971 das steirische Marienheiligtum besucht. Damals war er als erster Vizepräsident der neugegründeten "Gesellschaft für Ostkirchenrecht" nach Mariazell gekommen.
Im Geiste Kardinal Königs
Der Vize-Vorsitzende der Stiftung "Communio et progressio", der katholische Publizist Heinz Nussbaumer, betonte bei der Pressekonferenz, dass Kardinal König auch drei Jahre nach seinem Tod für viele Menschen Vorbildcharakter habe.
Nussbaumer kündigte an, dass die Stiftung "Communio et progressio" sich noch in diesem Jahr in "Kardinal König-Stiftung" umbenennen und zugleich ihre Aktivitäten weiter ausbauen werde. Im Sinne von Kardinal König wolle man bei wichtigen gesellschaftlichen Fragen Initiativen setzen.
In der Begründung zur Verleihung des Kardinal-König-Preises 2007 an Patriarch Bartholomaios I. heißt es u.a., dass die Stiftung damit eine Persönlichkeit von internationalem Format ehrt, die in beeindruckender Weise wichtige Impulse zur christlichen Ökumene und zum Religionsfrieden im zusammenwachsenden Europa sowie beispielhafte ökologische Initiativen zur Bewahrung der Schöpfung gesetzt hat.
Die Verleihung des Preises versteht die Stiftung zugleich als "Zeichen der Dankbarkeit für das unermüdliche Wirken des Patriarchen von Konstantinopel, dessen Stellenwert und Einsatz für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden innerhalb der Orthodoxie und der gesamten Christenheit erst durch den jüngsten Besuch von Papst Benedikt XVI. in Istanbul nachdrücklich unterstrichen worden ist".
Das Kuratorium der Stiftung "Communio et progressio" hatte die Verleihung des Preises in seiner Sitzung am 25. Jänner einstimmig beschloßen. Dem Kuratorium gehören rund 20 prominente Persönlichkeiten aus Religion, Kultur, Wirtschaft, Politik und Medien an, die sich in besonderer Weise dem Vermächtnis von Kardinal König verbunden fühlen.
Gedenkort in Mariazell
Die Wiener Diözesanarchivarin und langjährige Leiterin des Sekretariats von Kardinal König, Annemarie Fenzl, berichtete bei der Pressekonferenz von zahlreichen neuen Initiativen zum Gedenken an den verstorbenen Kardinal. So wird in Mariazell, wo am 13. jeden Monats ein Gottesdienst zum Gedächtnis Kardinal Königs stattfindet, ein Gedenkort innerhalb der Basilika entstehen. An diesem Gedenkort werden der Konzilsring sowie das Johannes-Kreuz Kardinal Königs zu sehen sein. Neben der besonderen Bedeutung, die der Ort Mariazell für Kardinal König hatte, soll damit die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils für den Kardinal betont werden.
Darüber hinaus werde derzeit an der Erstellung einer Kardinal-König-Website gearbeitet. Die Website werde unter dem Motto "Die Mitte stärken" stehen. Inhaltlich werde die Website über das Leben Kardinal Königs informieren sowie über die Aktivitäten des Kardinal-König-Archivs. Auch werde die Website Texte des Kardinals "online" anbieten und ein breites Linkverzeichnis enthalten.
Das Kardinal-König-Archiv befinde sich weiterhin in Vorbereitung, so Annemarie Fenzl. Mit der Eröffnung könne auf Grund der enormen Materialfülle aber erst in rund fünf Jahren gerechnet werden.
Panorthodoxe Begegnung
Patriarch Bartholomaios I. wird am Montag, 12. März, gegen Mittag in Wien-Schwechat erwartet. Am Nachmittag stehen Begegnungen mit Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Vizekanzler Wilhelm Molterer auf dem Programm. Um 18.30 Uhr folgen dann Gottesdienst und Begegnung mit den orthodoxen Bischöfen, Priestern und Laien Wiens in der serbisch-orthodoxen Kirche St. Sava in Wien-Landstraße.
Am Dienstag, 13. März, stehen u.a. Begegnungen mit dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat und Außenministerin Ursula Plassnik auf dem Programm. Um 11.30 Uhr besucht der Patriarch die griechisch-orthodoxe Dreifaltigkeitskathedrale am Fleischmarkt. Am Abend erfolgt dann der Festakt im Wiener Stephansdom.
Der Mittwoch, 14. März, ist der Ökumenische Patriarch Gast eines Mittagessens in der Apostolischen Nuntiatur, an dem auch Bundespräsident Fischer teilnimmt. Am Nachmittag besucht Bartholomaios I. das SOS-Kinderdorf Hinterbrühl, das heuer sein 50-Jahr-Jubiläum begeht. Am Mittwochabend ist der Patriarch Gast des türkischen Botschafters Selim Yenel.
Am Donnerstag, 15. März, pilgert Bartholomaios I. nach Mariazell. Am Freitagmorgen, 16. März, trifft er mit Kardinal Christoph Schönborn zusammen; anschließend ist eine Begegnung mit den Kuratoriumsmitgliedern von "Communio et Progressio" vorgesehen. Im Anschluss reist das Oberhaupt der Orthodoxie zurück nach Istanbul.
